https://www.faz.net/-gqe-9kvi8

Nach Beschwerde vor EU : Apple an Spotify: Wir haben euch erst groß gemacht

Apple und Spotify sind gerade sehr uneins Bild: dpa

Der schwedische Streamingdienst Spotify fühlt sich von Apple benachteiligt und beschwert sich vor der EU-Kommission. Die Reaktion ist deutlich.

          Zu Apples Geschäftsmodell gehört Verschwiegenheit in allen Belangen. Doch besondere Vorkommnisse erfordern besondere Reaktionen: Der Technologiekonzern aus Kalifornien hat in einer langen Stellungnahme auf die Vorwürfe geantwortet, die der schwedische Musikstreaming-Dienst Spotify gegen Apple erhebt. „Wir fühlen uns verpflichtet zu reagieren, wenn Spotify seine finanziellen Motivationen in irreführende Rhetorik darüber verpackt, wer wir sind, was wir aufgebaut haben und was wir tun“, schreibt Apple.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Spotify hatte vor der EU-Kommission eine Beschwerde eingelegt, mit der Begründung, dass Apple einen fairen Wettbewerb behindere. Mit Apple Music hat es nämlich selbst einen Musikstreaming-Dienst im Angebot und bietet mit seinem App-Store gleichzeitig ein Ökosystem für die Verbreitung von Spotify an.

          Apple schießt zurück

          Auf diese Umgebung als Ort für Wachstum für Unternehmen spielt Apple denn auch an: „Nachdem Spotify den App Store jahrelang genutzt hat, um sein Geschäft drastisch auszubauen, ist Spotify bestrebt, alle Vorteile des App-Store-Ökosystems – einschließlich der beträchtlichen Einnahmen, die sie von den Kunden des App Store erzielen – zu erhalten, ohne einen Beitrag zu diesem Marktplatz zu leisten.“ Apple hält das für falsch.

          Auch die Kalifornier richten sich, wie Spotify zuvor, in direkter Ansprache an ihre Kunden: „Gleichzeitig verbreiten sie die Musik, die du liebst, und leisten immer kleinere Beiträge an die Künstler, Musiker und Songwriter, die sie erschaffen – und gehen sogar so weit, diese Schöpfer vor Gericht zu stellen“, schreibt Apple.

          Spotify-Gründer hatte sich beschwert

          Spotifys Gründer Daniel Ek hatte sich zuvor in einem Blogeintrag über Apples Geschäftspraktiken beschwert: „In den vergangenen Jahren hat Apple im App Store Regeln eingeführt, die die Auswahl bewusst einschränken und Innovationen auf Kosten der Benutzer ersticken.“

          Als „Spieler und Schiedsrichter“ benachteilige Apple andere App-Entwickler bewusst, beklagte sich Ek. In den vergangenen Monaten hatten Spotify zudem seine Kooperation mit dem südkoreanischen Handyhersteller Samsung vertieft – so wird die App der Schweden künftig auf jedem Smartphone des größten Apple-Konkurrenten zu finden sein.

          Die EU-Wettbewerbsbehörde will die Beschwerde des weltgrößten Musikstreaming-Dienstes Spotify gegen Apple genau prüfen. „Wir nehmen das sehr ernst“, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Donnerstag auf einer Kartellkonferenz in Berlin. Man werde sich das genau anschauen.

          Auch wegen dieser Ankündigung verteidigt sich Apple. So blockiere das Unternehmen gar nicht – wie von Spotify behauptet – den Zugang zu Produkten und Updates. Schließlich habe Apple fast 200 App-Updates genehmigt. „Wir haben nur ein einziges Mal Anpassungen gefordert, als Spotify versucht hat, die gleichen Regeln zu umgehen, denen jede andere App folgt.“

          Zudem würden 84 Prozent aller Apps in Apples Ökosystem gar kein Geld an Apple zahlen, weil sie kostenlos seien. Die 30 Prozent Umsatzanteil verlange Apple dafür, wenn Unternehmen das sichere Verkaufssystem des App-Stores nutzen wollten. Zudem habe Spotify unterschlagen, dass der Anteil, den Apple einbehalte, sich vom zweiten Jahr an auf 15 Prozent halbiere.

          Die Mehrheit der Spotify-Kunden nutze ohnehin die kostenlose, werbebasierte Version, von der Apple nicht profitiere. Zudem komme ein „erheblicher Teil der Kunden“, wie Apple schreibt, durch Partnerschaften mit Mobilfunkbetreibern zu Spotify. Die würde Spotify schließlich auch bezahlen. „Schon jetzt fällt nur ein winziger Bruchteil ihrer Abonnements unter das Apple-Revenue-Sharing-Modell. Spotify fordert, dass diese Zahl Null ist“, schreibt Apple.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.
          Simon Fujiwaras „It’s a Small World (The Square)“ (2019) auf der Istanbul Biennale

          Istanbul-Biennale : Moleküle gegen Staaten

          Die Kulturszene der Türkei lässt die Knochen knacken: ein Besuch in Istanbul, wo auf der Biennale und im neuen Museum Arter die Teilchen den Aufstand proben.

          Baden-Württemberg : Grüne mit 38 Prozent auf Rekordhoch

          Winfried Kretschmann will bei der kommenden Landtagswahl wieder als Spitzenkandidat antreten. Bei den Wählern im Südwesten stößt das auf große Zustimmung.
          Retourkutsche: Oliver Bierhoff reagiert auf die Angriffe aus München.

          Torwartdebatte : Bierhoff weist Hoeneß-Kritik zurück

          Der DFB reagiert auf die Angriffe aus München: DFB-Direktor Oliver Bierhoff weist die Kritik von Uli Hoeneß zurück. Der Bayern-Aufsichtsratschef hatte den DFB wegen der Haltung in der Torwartdebatte um Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen kritisiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.