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Apple-Kommentar : Das iPhone bleibt eine Lizenz zum Gelddrucken

Neue iPhones in einem Apple-Store in Schanghai, China Bild: Reuters

Nervöse Anleger überzeugten die neuen Apple-Zahlen nicht. Und dennoch: Das Geschäftsmodell ist intakt – wie das der anderen Tech-Riesen übrigens auch.

          Warren Buffett ist ein großer Apple-Fan. Lange hat sich der berühmte Investor ferngehalten von Technologie-Aktien, die Geschäftsmodelle waren ihm suspekt. Stattdessen setzte er auf klassische Wirtschaftsbranchen, auf Eisenbahnunternehmen, Banken oder den Getränkehersteller Coca-Cola. Auch heute noch ist es eher die Ausnahme, wenn die mittlerweile 88 Jahre alte Kapitalmarkt-Ikone Geld in Ideen steckt, auf die Erfinder im Technik-Cluster Silicon Valley an der amerikanischen Westküste gekommen sind.

          Besonders für Apple allerdings kann sich Buffett begeistern, über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway hat er sich einen zig Milliarden Dollar großen Anteil an dem Unternehmen gekauft, Apple ist der größte Posten in Buffetts Portfolio. Mehrfach schon hat er öffentlich bedauert, nicht schon früher das Geschäftsmodell besser verstanden zu haben und eingestiegen zu sein. In der Tat: Wer sich vor zehn Jahren an Apple beteiligt hat, konnte den Wert seines Engagements nahezu verzwanzigfachen – an der Börse „wiegt“ das Unternehmen mehr als eine Billion Dollar, keinen anderen Konzern halten die Anleger für wertvoller.

          Dahinter steckt nach wie vor wesentlich eine Erfindung: das iPhone. Mit ihm verdient Apple das meiste Geld, es ist in diesem Jahrtausend bislang das kommerziell erfolgreichste Produkt überhaupt. Fast 47 Millionen solcher Geräte hat Apple alleine in den zurückliegenden drei Monaten rund um den Globus verkauft, insgesamt erzielte Apple während dieser Zeit nach Steuern mehr als 14 Milliarden Dollar Gewinn. Im gesamten Geschäftsjahr, das für den Handyhersteller immer Ende September endet, ergibt sich damit ein Gewinn von fast 60 Milliarden Dollar.

          Apple ist abhängig vom iPhone

          Die ordentliche Gewinnsteigerung liegt vor allem daran, dass Apple seine Produktpalette verändert hat – hin zu größeren und noch teureren iPhones (X, XS, XS max). Und damit offenkundig keine Kunden verschreckt. Warren Buffett orakelte in einem Interview mit dem amerikanischen Finanzsender CNBC im August schon, dass das so kommen würde. Das iPhone sei „komplett unterbepreist“, sagte er da. Natürlich sei es angesichts des härter gewordenen Wettbewerbs schwer, höhere Preise durchzusetzen. Gemessen an der Nützlichkeit für jeden einzelnen Käufer seien auch Preise von um die 1000 Dollar indes denkbar gering, befand er.

          Dennoch reagierten die Anleger auf die neuen atemberaubenden Zahlen überhaupt nicht angetan. Nachbörslich verminderte sich der Apple-Aktienkurs sogar um bis zu 7 Prozent. Wie kommt das? Machen sie einen Denkfehler?

          APPLE

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          Tatsächlich überzeugte Apple nicht auf ganzer Linie. Der Ausblick für das anstehende Weihnachtsquartal, das wichtigste im Jahr, fiel schlechter aus als gedacht. Auch nicht hilfreich ist, dass Apple künftig nicht mehr die iPhone-Verkaufszahlen ausweisen möchte – mag ja sein, dass sie nicht so aussagekräftig sind, wie der Finanzchef betont; allerdings sind sie für viele Beobachter des Unternehmens ein griffiger Einschätzungs-Anker. Zudem ist der große kommerzielle Erfolg des iPhones und der an ihm hängenden Apple-Ökologie nicht nur ein Segen für das Unternehmen, denn: Er verdeutlicht auch, wie abhängig Apple nach wie vor von diesem einen Produkt ist, auch wenn andere Bereiche, etwa die Musikangebote, immer mehr Geld einspielen.

          Zugleich zeigen die Zahlen aber auch, wie nervös die Anleger an der Börse derzeit offenkundig sind. Schon wenn eine Facette des veröffentlichten Zahlenwerkes sie nicht zufriedenstellt, zeigen sich hohe Kursverluste. Das betrifft nun nicht nur Apple, das betraf auch schon Amazon, Alphabet (Google) und Facebook. Die Aktienkurskorrektur der großen Tech-Werte setzt sich fort. Klar bleibt wiederum allerdings: Ihre Geschäftsmodelle sind allesamt intakt, sie dominieren ihre Märkte, verfügen über hohe Mittelbestände. Und können getrost in die Zukunft blicken.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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