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Einigung mit Apple : Qualcomm-Aktienkurs springt 20 Prozent nach oben

Der Kurs von Apple notierte weitgehend unverändert nach der Einigung. Bild: Reuters

Völlig überraschend einigen sich die beiden Technologiegiganten. Dabei hatte in Amerika gerade erst ein Prozess begonnen. Nun kann sich Apple-Chef Tim Cook einen Auftritt vor Gericht sparen.

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          Die amerikanischen Technologiekonzerne Apple und Qualcomm haben überraschend eine Einigung in ihrem jahrelangen Patentstreit angekündigt. Die beiden Unternehmen teilten am Dienstag mit, sämtliche Rechtsstreitigkeiten auf der ganzen Welt beizulegen. Mit dieser Einigung vermeiden die Konzerne eine Fortsetzung eines öffentlichkeitswirksamen Prozesses im kalifornischen San Diego, der erst in dieser Woche begonnen hatte. In dem Prozess wurden auch Aussagen der beiden Vorstandsvorsitzenden erwartet, also Tim Cook von Apple und Steve Mollenkopf von Qualcomm.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Was Qualcomm betrifft, wurde das Abkommen an der Börse mit Erleichterung aufgenommen. Der Aktienkurs des Halbleiterherstellers sprang am Dienstag im späten Handel um mehr als zwanzig Prozent. Der Kurs von Apple notierte weitgehend unverändert. Die unterschiedliche Reaktion legt nahe, dass Qualcomm in den Patenstreitigkeiten besonders viel zu verlieren hatte.

          Das jetzt verkündete Abkommen hat drei Komponenten: Zum einen wird Apple Geld an Qualcomm zahlen, der Betrag wurde zunächst nicht beziffert. Weiter schlossen die beiden Parteien eine auf sechs Jahre angelegte Lizenzvereinbarung, auch hier gab es zu den genauen Konditionen keine Angaben. Zudem wurde ein auf mehrere Jahre angelegtes Lieferabkommen zwischen den Unternehmen verkündet. Das ist insofern bemerkenswert, weil Apple vor wenigen Jahren damit aufgehört hat, Halbleiter von Qualcomm in seinen Geräten einzubauen und sich seither vom Wettbewerber Intel beliefern lässt. Der Vergleich könnte nun also dafür sorgen, dass bald wieder Qualcomm-Chips in iPhones eingesetzt werden, womöglich zu Lasten von Intel. Der Aktienkurs von Intel fiel nach Bekanntgabe der Einigung leicht. Qualcomm wieder als Lieferanten zu haben, könnte Apple insofern helfen, weil der Halbleiterspezialist eine gute Position bei Technologien rund um den nächsten Mobilfunkstandard 5G hat. Intel hat auf diesem Gebiet Rückstand. Qualcomm teilte mit, das Abkommen könnte den Gewinn je Aktie um zwei Dollar steigen lassen. Das wäre ein gewaltiger Schub, im vergangenen Geschäftsjahr lag der konzernweite Gewinn je Aktie bei 3,69 Dollar.

          Apple

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          In dem Rechtsstreit warf Qualcomm Apple vor, seine Patente verletzt zu haben. Apple beschuldigte Qualcomm umgekehrt, überhöhte Lizenzgebühren für seine Patente zu verlangen. Der Prozess in San Diego sollte sich um eine Klage drehen, die Apple Anfang 2017 gegen Qualcomm eingereicht hat. Der Elektronikkonzern warf dem Halbleiterhersteller darin „schonungslose Erpressung“ vor. Im Gegenzug wurde Apple auch von Qualcomm verklagt. Der Rechtsstreit weitete sich bald über den amerikanischen Heimatmarkt der Konzerne aus und erfasste auch Europa und China. In Deutschland wurde zum Beispiel erst im Dezember von einem Gericht ein Verkaufsverbot für ältere iPhone-Modelle verhängt. Der Patentstreit beschränkte sich auch nicht ausschließlich auf Apple und Qualcomm. Beispielsweise hat auch die amerikanische Wettbewerbsbehörde FTC den Halbleiterhersteller verklagt, mit ähnlichen Vorwürfen, wie sie auch Apple erhoben hatte. In diesem Fall fand unlängst ein Prozess statt, und ein Urteil steht noch aus. Dieser Rechtsstreit dürfte von der jetzt verkündeten Einigung unberührt sein.

          Bei dem Prozess in San Diego standen hohe Summen auf dem Spiel. Apple und eine Gruppe von Auftragsherstellern, die ebenfalls Teil des Verfahrens waren, reklamierten, sie hätten Qualcomm im Laufe der Jahre neun Milliarden Dollar zu viel an Lizenzgebühren bezahlt und forderten dieses Geld zurück. Nach amerikanischem Wettbewerbsrecht hätte diese Summe sogar auf 27 Milliarden Dollar verdreifacht werden können. Umgekehrt argumentierte der Halbleiterspezialist, Apple und seine Partner schuldeten ihm einen Milliardenbetrag.

          Auf einen Waffenstillstand zwischen Apple und Qualcomm hatte wenig hingedeutet, denn die Fronten zwischen beiden Parteien schienen bis zuletzt verhärtet. Das „Wall Street Journal“ hatte erst vor wenigen Tagen berichtet, Cook und Mollenkopf seien in ihren jeweiligen Positionen festgefahren und hätten kaum einen persönlichen Draht zueinander. Bei einem Treffen der Manager vor einem Jahr in der Apple-Zentrale vor einiger Zeit habe Mollenkopf zunächst gar nicht gesprochen, sondern das Wort seinem Chefanwalt überlassen.

          QUALCOMM

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