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Im Schatten des Handelsstreits : Ein Übergangsjahr für das iPhone

Apple-Chef Tim Cook bei einer Präsentation im kalifornischen San José im Juni 2019: Der Konzern stellt im September seine neuen iPhones vor. Bild: AFP

Apple stellt neue Varianten seines Vorzeigeprodukts vor – Bahnbrechendes wird allerdings nicht erwartet. Dabei könnte der Konzern einen Schub für sein Geschäft dringend gebrauchen.

          Im September stellt der Elektronikkonzern Apple üblicherweise neue Versionen seines iPhone-Handys vor – und dieser Termin wird von Beobachtern des Unternehmens jedes Mal mit Spannung erwartet. Am Dienstag ist es wieder soweit: Apple hat in seine Zentrale im kalifornischen Cupertino eingeladen und wird dabei wohl neue iPhone-Modelle enthüllen. Die Veranstaltung steht diesmal aber unter schwierigen Vorzeichen, denn das Geschäft mit dem iPhone hat sich in jüngster Zeit erheblich abgeschwächt. Die Präsentation neuer Geräte wird diesmal außerdem vom eskalierenden Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China überschattet, der zunehmend auch Produkte von Apple trifft – und womöglich bald auch das iPhone.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wie üblich sind in amerikanischen Medien im Vorfeld schon einige Details dazu durchgesickert, was am Dienstag zu erwarten sein wird. Demnach will Apple wie schon im vergangenen Jahr drei iPhone-Varianten präsentieren. Der Nachfolger für das gegenwärtige iPhone XS könnte mehreren Berichten zufolge „iPhone 11 Pro“ heißen, und es soll davon wohl auch wieder eine Variante mit größerem Bildschirm und dem Namenszusatz „Max“ geben. Es wird damit gerechnet, dass diese Geräte wie ihre Vorgängermodelle nicht unter 1000 Euro zu haben sein werden. Daneben soll wohl auch ein billigeres Handy vorgestellt werden, als Nachfolger des derzeitigen iPhone XR.

          Im Design sollen sich die Neuheiten von den bisherigen iPhones nicht allzu sehr unterscheiden, und auch sonst werden diesmal keine bahnbrechenden Veränderungen erwartet. Dies wird womöglich erst im nächsten Jahr der Fall sein, wenn sich Spekulationen bewahrheiten, dass Apple dann iPhones herausbringen wird, die mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G arbeiten können.

          Gesichtserkennung und Kamera mit drei Linsen

          Zu den größten Neuerungen bei den am Dienstag erwarteten Geräten soll ein aufgerüstetes Kamerasystem mit drei Linsen gehören. Das soll Ultraweitwinkelaufnahmen ermöglichen und für eine bessere Bildqualität bei schlechten Lichtverhältnissen sorgen. Angeblich hat Apple auch die Gesichtserkennungstechnologie für seine iPhones verbessert, so dass die Geräte zum Beispiel auch dann entsperrt werden können, wenn der Nutzer sie vor sich auf einem Tisch liegen hat. Wie es heißt, sollen die Glasbildschirme der neuen iPhones auch nicht mehr so leicht zerbrechen wie bei früheren Modellen, wenn die Geräte auf den Boden fallen.

          Das iPhone ist das Vorzeigeprodukt von Apple, hat dem Konzern aber in jüngster Zeit einige Sorgen bereitet. In den vergangenen drei Quartalen hat Apple für das iPhone jeweils zweistellige Umsatzrückgänge gemeldet, und zum ersten Mal seit langem stand das Gerät zuletzt für weniger als die Hälfte des Konzernumsatzes. Viele Apple-Kunden warten länger als früher, bis sie ihre Geräte ersetzen, zumal die Spitzenmodelle in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden sind. Gerade auf dem für Apple sehr wichtigen chinesischen Markt hat sich das Geschäft abgeschwächt.

          Wachstum brachten in jüngster Zeit andere Aktivitäten. Zum Beispiel jüngere Produkte wie die Computeruhr Apple Watch und die kabellosen Airpod-Kopfhörer sowie die Dienstleistungssparte, der im Moment wohl größte Hoffnungsträger des Konzerns. Zu diesen Diensten gehören Angebote wie der App Store, in dem Anwendungen für das iPhone und andere Geräte vertrieben werden, der Bezahldienst Apple Pay oder die Musikplattform Apple Music.

          Apple ist dabei, dieses Geschäft erheblich auszuweiten. In diesem Jahr startete der Konzern ein Online-Portal für Zeitungen und Zeitschriften, und gerade hat er eine eigene Kreditkarte herausgebracht. Noch in diesem Herbst soll der Videodienst „Apple TV+“ verfügbar sein, der mit Netflix konkurrieren soll – und auch eine Plattform für Videospiele mit dem Namen „Apple Arcade“ ist in Vorbereitung. Zu letzteren beiden Angeboten fehlen noch Details wie Abonnementgebühren oder ein genauer Starttermin, über die Apple womöglich ebenfalls am Dienstag sprechen könnte. Daneben könnte es auch für andere Produktkategorien Ankündigungen geben, zum Beispiel neue Funktionen für die Apple Watch.

          Angst vor weiteren Strafzöllen

          Apples Veranstaltung fällt in eine schwierige Zeit, denn der Konzern wird zunehmend in den Handelskonflikt zwischen Amerika und China hineingezogen. China ist für Apple von enormer Bedeutung, sowohl als Produktionsstandort als auch als Absatzmarkt. Abgesehen davon, dass das Geschäft in China Apple Sorgen macht, ist der Konzern auch mehr und mehr von Strafzöllen betroffen, die die amerikanische Regierung auf in China produzierte Waren verhängt.

          Zu den Produkten, für die seit Anfang September Zölle gelten, gehören in China gefertigte Apple-Geräte wie die Apple Watch oder die Airpods. Bei seinen besonders wichtigen Produkten wie dem iPhone, dem Tabletcomputer iPad oder Macbook-Laptops profitiert Apple im Moment noch davon, dass geplante Zölle zunächst einmal auf den 15. Dezember verschoben worden sind. Aber auch diese Schonfrist wird bald ablaufen. Analysten haben gesagt, dass Apple die durch die Zölle entstehenden höheren Kosten vorerst wohl weitgehend selbst schultern und damit nicht an seine Kunden weitergeben wird, die ohnehin schon Premiumpreise bezahlen. Das heißt freilich, die Zölle werden den Apple-Gewinn erheblich belasten – umso mehr wenn sie im Dezember auch für das iPhone in Kraft treten.

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