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Plattform für Nachrichten : Apple schreckt die Zeitungsverlage auf

Apple will die Hälfte der Einnahmen für Zeitungsinhalte bei seiner neuen Nachrichtenplattform. Bild: Getty

Der Elektronikkonzern arbeitet an einem Abo-Dienst für Nachrichten – und will dabei offenbar einen großen Teil der Einnahmen für sich behalten. Sollten sich Zeitungsverlage darauf einlassen?

          Zeitungs- und Zeitschriftenverlage haben seit einiger Zeit ein gespaltenes Verhältnis zu den großen amerikanischen Technologiekonzernen. Facebook und Google sind für viele Internetnutzer wichtige Anlaufstellen, um sich zu informieren. Über diese Plattformen finden Medieninhalte zwar einerseits ein großes Publikum, aber viele Verlage beklagen, dass sich das für sie nur in überschaubaren Einnahmen niederschlägt. Zudem dominieren Facebook und Google das Geschäft mit Online-Werbung und sind hier zu einer übermächtigen Konkurrenz für die Verlage geworden.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nun schreckt ein neues Nachrichtenangebot von Apple die Verlagslandschaft auf. Der Elektronikkonzern arbeitet an einer gebührenpflichtigen Plattform, die ihren Abonnenten Zugriff auf Inhalte verschiedener Medien geben soll, und wie das „Wall Street Journal“ meldet, sorgen die diskutierten Konditionen für Unmut in Zeitungshäusern. Dem Bericht zufolge will Apple rund die Hälfte der Einnahmen aus diesem Nachrichtenangebot für sich behalten.

          Apple setzt auf Marktmacht

          Das ist deutlich mehr als der Umsatzanteil von bis zu 30 Prozent, den Apple üblicherweise als Provision für den Vertrieb von Anwendungen (Apps) für seine Geräte und damit verbundene Abonnementdienste kassiert. Die Aufteilung des restlichen Geldes an die Verlage solle danach bemessen werden, wie viel Zeit die Nutzer mit deren jeweiligen Inhalten verbringen.

          Apple würde den Verlagen zudem wohl keinen Zugang zu wichtigen Daten über die Abonnenten des neuen Dienstes gewähren, also etwa Kreditkarteninformationen oder E-Mail-Adressen.

          Wie es in dem Bericht heißt, sträuben sich die „New York Times“ und die „Washington Post“, zwei der bedeutendsten amerikanischen Zeitungen, aufgrund dieser Konditionen bislang, ihre Inhalte für Apples neues Angebot zu lizenzieren.

          Apple könnte Produktentwicklung blockieren

          Das „Wall Street Journal“ selbst habe zwar ebenfalls Bedenken, befinde sich aber in „produktiven Gesprächen“ mit Apple. Zu den Sorgen der Verlage gehört es, dass Apples Nachrichtenportal ihre Bemühungen kannibalisieren könnte, ihre digitale Leserschaft mit eigenen kostenpflichtigen Angeboten auszuweiten. Vor allem die „New York Times“ war in jüngster Zeit mit dem Vertrieb von digitalen Abonnements sehr erfolgreich.

          Das Nachrichtenangebot von Apple soll sich offenbar an das Modell des Videodienstes Netflix oder der Musikplattform Spotify anlehnen. Es soll dem Bericht zufolge in diesem Jahr starten und eine gebührenpflichtige Option innerhalb der bislang kostenlosen Nachrichten-App „Apple News“ sein, die auf Geräten wie dem iPhone installiert ist.

          Scharfe Kritik in amerikanischen Medien

          Der monatliche Preis könnte um die 10 Dollar liegen, aber dies könnte sich dem Bericht zufolge noch ändern. Wie das Online-Portal „Buzzfeed“ meldete, könnte Apple die neue Nachrichtenplattform schon am 25. März offiziell vorstellen. Der Konzern selbst wollte die Berichte nicht kommentieren. Die amerikanische Branchenpublikation „Adage“ zitierte einen Verlagsmanager anonym mit den Worten, die von Apple angestrebten Konditionen seien aus Sicht seiner Branche „beschissen“ und ließen das Unternehmen „gierig“ erscheinen.

          Die von Apple einbehaltenen Umsatzanteile waren auch in der Vergangenheit schon umstritten, wenngleich es dabei um niedrigere Prozentsätze ging. Vor einiger Zeit hat Apple zum Beispiel bei Abonnementdiensten seine Provision nach einem Jahr Nutzungszeit von 30 auf 15 Prozent der Gebühren reduziert.

          Manchen Partnern ist das freilich noch immer zu viel. Netflix bietet zum Beispiel seit kurzem seine Abonnements nicht mehr über Apples Plattformen an und spart sich damit die Provision. Das Nachrichtenangebot von Apple wird schon heute rege genutzt. Wie die „New York Times“ vor einigen Monaten schrieb, hat es rund 90 Millionen regelmäßige Leser.

          Dienstleistungen werden für Apple immer wichtiger

          In Deutschland ist „Apple News“ als eigenständige Smartphone-App noch nicht offiziell gestartet, ist jedoch über Umwege erreichbar. An deutsche Verlage ist Apple offenbar mit seinen Plänen für ein gebührenpflichtiges Nachrichtenangebot bislang noch nicht herangetreten.

          Apple würde mit dem Nachrichtenportal sein Geschäft mit Dienstleistungen ausweiten. Dies ist in jüngster Zeit ein immer wichtigeres Standbein für den Konzern geworden, zumal die Verkaufszahlen für seine iPhones deutlich gesunken sind.

          Smartphones sind für Apple noch immer die mit Abstand wichtigste Umsatzquelle, aber die Dienstleistungen sind mittlerweile schon die zweitgrößte Konzernsparte. Zu ihr gehören unter anderem das Geschäft mit dem App Store, die Musikplattform Apple Music und der Bezahldienst Apple Pay. Hier werden auch die Einnahmen verbucht, die Apple vom Wettbewerber Google dafür kassiert, dass dessen Suchmaschine auf iPhones und anderen Geräten als Standard eingestellt ist. In einer gerade veröffentlichten Studie schätzten die Analysten der Bank Goldman Sachs, dass allein diese Google-Zahlungen im vergangenen Jahr Apple mehr als 9 Milliarden Dollar einbrachten.

          Das Dienstleistungsgeschäft ist für Apple auch überdurchschnittlich profitabel. Seine Brutto-Gewinnmarge erreichte im vergangenen Geschäftsquartal 62,8 Prozent, bei den Hardwareprodukten wie iPhones und iPads waren es dagegen nur 34,3 Prozent. Die angeblich jetzt angepeilten Konditionen für das neue Nachrichtenportal legen den Schluss nahe, dass Apple hart daran arbeitet, diese Gewinnmargen hoch zu halten.

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