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Konkurrenz für Netflix? : Showtime für Apple

Apple macht immer mehr Umsätze mit Dienstleistungen und Software. Bild: Reuters

Der Elektronikkonzern aus Amerika stellt an diesem Montag sein neues Unterhaltungs- und Nachrichtenangebot vor. Apple will damit eines seiner wachstumsstärksten Geschäfte ausbauen.

          In der vergangenen Woche gab es ein wahres Feuerwerk von Apple-Neuheiten. Am Montag stellte der Elektronikkonzern die nächsten Auflagen seines Tabletcomputers iPad vor, am Dienstag gab es neue iMac-Computer, und am Mittwoch kam die zweite Generation der kabellosen Airpod-Kopfhörer.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Sonderlich viel Aufhebens machte Apple aber um keines dieser Produkte. Der Konzern kündigte sie ohne eine große Veranstaltung an, wie es sie sonst oft bei der Präsentation neuer Hardware gibt.

          Das liegt wahrscheinlich daran, dass Apple meint, im Moment noch wichtigere Neuigkeiten im Köcher zu haben. Denn am Montag plant der Konzern an seinem Firmensitz im kalifornischen Cupertino tatsächlich eine Veranstaltung, aber dabei dürfte es nicht um Hardware gehen.

          Konkurrenz für Netflix?

          Auf der Einladung stand „It’s show time“, und in einer dazugehörigen Videoanimation ist ein Countdown („4…3…2“) zu sehen wie bei einem alten Film. Erwartet wird, dass Apple eine Videoplattform vorstellt, die zu einer Konkurrenz für Netflix werden könnte. Angeblich soll Prominenz aus Hollywood vor Ort sein, denn Apple hat für sein neues Angebot Projekte mit einigen bekannten Namen aus der Unterhaltungsbranche vereinbart, darunter die Schauspielerinnen Jennifer Aniston und Reese Witherspoon, Fernsehstar Oprah Winfey und die Regisseure Steven Spielberg und M. Night Shyamalan.

          Und dies dürfte nicht alles sein, denn es wird damit gerechnet, dass Apple auch ein neues gebührenpflichtiges Nachrichtenangebot vorstellen wird. Womöglich wird der Konzern außerdem über seine Pläne für eine Kreditkarte sprechen, die er gemeinsam mit der Bank Goldman Sachs herausbringen will. Die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ meldete, dass Goldman-Sachs-Vorstandsvorsitzender David Salomon am Montag im Publikum sein soll, wobei bislang nicht geplant sei, dass er auch die Bühne betritt.

          Die zu erwartende große Inszenierung zeigt, welche Verwandlung Apple im Moment durchmacht. Der Konzern ist vor allem für seine elektronischen Geräte bekannt, an erster Stelle das iPhone, das noch immer für mehr als 60 Prozent des Gesamtumsatzes steht. Aber gerade das Geschäft mit dem iPhone läuft in jüngster Zeit nicht mehr so gut wie früher. Im jüngsten Quartal fiel der Umsatz mit Apples Vorzeigeprodukt um 15 Prozent.

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          Vorstandschef Tim Cook erklärt das damit, dass Kunden ihre Geräte länger behalten als in der Vergangenheit. Dieser Abschwächung bei den iPhones steht ein rasantes Wachstum bei Dienstleistungen gegenüber. Dazu gehören Einnahmen aus dem App Store, in dem Programme für Geräte wie das iPhone vertrieben werden, sowie die Musikplattform Apple Music oder der Bezahldienst Apple Pay. Der Umsatz mit diesen Angeboten ist zuletzt um fast 20 Prozent gewachsen. Sie bringen außerdem erheblich höhere Gewinnmargen als Hardwareprodukte. Und für ihr Wachstum ist es nicht so entscheidend, ob sich Apple-Kunden immer neue Geräte kaufen, sondern nur, dass sie überhaupt Apple-Geräte haben. Mit den Diensten, die am Montag vorgestellt werden, hofft der Konzern, dieses Geschäft weiter auszuweiten.

          Inwiefern die neue Videoplattform ein Frontalangriff auf Netflix und andere Anbieter wie den Online-Händler Amazon.com mit seinem Dienst „Prime Video“ sein wird, ist bislang nicht ganz klar. Zwar lässt der Konzern ebenso wie diese Wettbewerber eigene Shows produzieren und hat dafür Medienberichten zufolge auch schon mehr als eine Milliarde Dollar ausgegeben. Das aber verblasst neben dem Budget, das Netflix für seine Inhalte hat und das mittlerweile bei einem zweistelligen Milliardenbetrag im Jahr liegt.

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