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Warnung vor niedrigen Umsätzen : Apple sorgt für böse Überraschung

Apple bei der Präsentation neuer Modelle im September. Trotzdem zeigt die Umsatzprognose plötzlich abwärts. Bild: AFP

Der Elektronikkonzern gibt eine völlig ungewohnte Warnung vor niedrigeren Umsätzen heraus. Und macht vor allem China und Donald Trump verantwortlich. Aber auch anderswo leidet das Geschäft.

          Der amerikanische Elektronikkonzern Apple hat am Mittwoch nach Börsenschluss die Branche und die Finanzmärkte mit einer ungewohnten und sehr deutlichen Korrektur seiner Umsatzprognose für das gerade abgelaufene Quartal aufgeschreckt. Dass Apple seine eigenen Vorhersagen nach unten korrigiert, kommt sehr selten vor, das Unternehmen war in der Vergangenheit eher dafür bekannt, mit Blick auf die Zukunft tiefzustapeln.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nach der Mitteilung am Mittwoch wurde die Aktie von Apple zunächst vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels verlor sie zeitweise rund sieben Prozent an Wert.

          China-Geschäft schwächelt

          Apple stellt nun für die vergangenen drei Monate nur noch einen Umsatz von 84 Milliarden Dollar in Aussicht. Bei der Vorlage seiner jüngsten Geschäftszahlen im November hatte der Konzern noch zwischen 89 Milliarden und 93 Milliarden Dollar vorhergesagt.

          Schon das wurde als Enttäuschung gewertet, da es kein deutliches Wachstum gegenüber dem Vorjahreswert von 88,3 Milliarden Dollar bedeutet hätte. Die nun verkündete Korrektur der Prognose bedeutet, dass der lange so erfolgsverwöhnte Konzern nun wohl einen erheblichen Umsatzrückgang erlitten hat.

          Apple

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          Vorstandsvorsitzender Tim Cook machte in einem Brief an die Investoren insbesondere eine wirtschaftliche Abschwächung in aufstrebenden Regionen der Welt verantwortlich, die sich stärker ausgewirkt habe als erwartet. Dies gelte vor allem für China, einen Markt, der für Apple in den vergangenen Jahren immer wichtiger geworden ist. Dort habe sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte 2018 abgeschwächt, und Apple sei der Auffassung, dass der gegenwärtige Handelskonflikt mit den Vereinigten Staaten die Lage weiter eingetrübt habe.

          Ein „Klima zunehmender Unsicherheit“ habe sich zunächst auf die Finanzmärkte ausgewirkt und scheine nun auch bei den Verbrauchern zu spüren zu sein. Die Zahl der Besucher in Apple-Geschäften und in Läden von Partnern aus dem Einzelhandel sei im Laufe des Quartals immer weiter gesunken.

          Zu wenige „Upgrades“

          Jenseits von China gab Apple aber zu, dass sich das Geschäft mit dem iPhone auch in Industrieländern nicht so gut entwickelt habe wie erhofft. Die Zahl der „Upgrades“, also der Absatz neuer iPhones, mit denen Kunden ältere Modelle ersetzen, sei nicht so stark als vorhergesehen, wobei Cook darauf hinwies, dass Apple in Ländern wie den Vereinigten Staaten und Deutschland noch immer einen Rekordumsatz erwarte.

          Der Apple-Chef führte eine Reihe möglicher Erklärungen an, die alle mit Preisen zu tun haben. Etwa dass Verbraucher sich „an eine Welt mit weniger Subventionen von Mobilfunkbetreibern“ anpassen, oder auch dass sie, anstatt sich ein neues Gerät zu kaufen, die Batterien ersetzen. Auch währungsbedingte Preiserhöhungen nannte er als möglichen Grund.

          Unerwähnt ließ er dabei freilich, dass Apple jenseits allgemeiner Faktoren in den vergangenen Jahren mehr und mehr eine Hochpreisstrategie für sein iPhone eingeschlagen hat. Zum Beispiel mit superteuren Modellen wie dem iPhone X oder dem iPhone XS. Das Spitzenmodell iPhone XS Max kostet in seiner teuersten Variante in Deutschland 1649 Euro.

          Die Warnung von Apple kam nicht ganz aus heiterem Himmel. In jüngster Zeit gab es wiederholt Signale aus dem Lieferantenkreis, wonach sich das Geschäft mit dem iPhone abschwächt. Dies und ein allgemein schwaches Marktumfeld gerade für die Technologiebranche haben dafür gesorgt, dass der Aktienkurs von Apple in den vergangenen drei Monaten schon mehr als ein Drittel an Wert verloren hat.

          Gerade die Warnung mit Blick auf den chinesischen Markt ist aber überraschend. Im November hatte Apple zwar schon von einer Abschwächung in Schwellenländern gesprochen, damals war aber von Ländern wie Indien, Brasilien, Russland und der Türkei die Rede, nicht aber von China. Vielmehr beschrieb Cook damals das Geschäft in China noch als „sehr stark“, und er sagte, er würde das Land nicht in eine Kategorie mit den anderen Ländern stecken, deren Entwicklung sich eintrübe.

          Der Apple-Chef zeigte sich mit Blick auf die seit dem Antritt des amerikanischen Präsidenten Donald Trump verschärfte Handelskonflikte bislang auch stets optimistisch und sagte, er erwarte einvernehmliche Lösungen. Apple lässt den größten Teil seiner Produkte in China produzieren, Handelsstreitigkeiten und damit verbundene etwaige Zölle können das Unternehmen also besonders hart treffen.

          Apples Umsatzbringer Nummer eins: das iPhone.

          Apple hatte im November schon mit der Ankündigung irritiert, von nun an keine Stückzahlen mehr für verkaufte iPhones, iPads und Macintosh-Computer mehr auszuweisen, sondern nur noch die Umsätze. Manche Analysten sahen das als mögliches Alarmsignal dafür, dass Apple sich auf niedrigere Verkaufszahlen vor allem für iPhones einstellt.

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