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Lob für Europa Datenschutz : Apple-Chef wirft Facebook „militärische Effizienz“ der Datennutzung vor

  • Aktualisiert am

Apple-Chef Tim Cook ist ein glühender DSGVO-Fan Bild: EPA

Wegen ihres Umgangs mit Daten stehen die Digitalkonzerne in der Kritik. Nun rechnet Apple-Chef Tim Cook in Brüssel mit Konkurrenten ab – auch, weil sich Apple in einer Hinsicht unterscheidet.

          Der Apple-Vorstandsvorsitzende Tim Cook hat die Technik-Unternehmen Facebook und Google attackiert dafür, wie sie Nutzerdaten verwenden. Dass Gewinne über die Privatsphäre gestellt werden, sei nichts Neues, sagte Cook während einer Datenschutzkonferenz in Brüssel. Doch habe sich daraus mittlerweile eine ganze Industrie entwickelt. „Unsere eigenen Informationen, von den alltäglichen bis zu den sehr privaten, werden gegen uns gewendet mit militärischer Effizienz.“ Am Ende führe das dazu, dass die Unternehmen die Menschen besser kennen würden, als diese sich selbst.

          Stattdessen sei es an der Zeit für den „Rest der Welt, einschließlich meines Heimatlandes, Eurem Vorbild zu folgen“, sagte er in Richtung der EU-Vertreter. Apple unterstütze eine Gesetzgebung für Amerika, die sich an der in Europa unlängst in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) orientiert.

          Der Chef des iPhone-Herstellers nahm dabei das Geschäftsmodell von einigen Silicon-Valley-Konzernen ins Visier, die teilweise mit Apple konkurrieren. Die Unternehmen sammeln Daten über ihre Nutzer und verdienen ihr Geld mit Werbeanzeigen; deshalb sind Dienste wie Facebook, die Google-Suche oder das Handy-Betriebssystem Android für die Anwender kostenlos.

          Destruktives Argument

          Diese Konkurrenten würden zwar sagen, führte Cook weiter aus, dass das technologische Potential durch den Datenschutz eingeschränkt werde. Dieses Argument sei aber „nicht nur falsch – es ist destruktiv“.

          Schon im Jahr 2010 warnte der verstorbene Apple-Mitgründer Steve Jobs die anderen Digitalunternehmen vor einem zu laxen Umgang mit den Daten der Kunden. Apple habe seit jeher einen anderen Blick auf das Thema gehabt: „Privatsphäre bedeutet: Die Leute wissen, was sie unterschreiben. Fragt sie, fragt sie immer wieder, ob sie Euch ihre Daten geben wollen.“

          Datenschutzmauern im neuen Betriebssystem

          Für seine Mac-Computer hat Apple vor kurzem sein neues Betriebssystem Mac OS Mojave eingeführt. In diesem ist auch eine neue Version des Apple-Browsers Safari enthalten, der die Datenschutzmauern zugunsten des Benutzers hochzieht. Unter anderem soll ein neuer Tracking-Schutz verhindern, dass Werbetreibende und Soziale Netzwerke aus den Merkmalen des Computers einen „Fingerabdruck“ des Geräts erstellen, um Nutzer über mehrere Internetseiten hinweg zu identifizieren und zu verfolgen.

          Das soll funktionieren, indem nur vereinfachte Systeminformationen an die Internetseite weitergegeben werden, aber keine leicht zur Identifikation nutzbaren Merkmale wie außergewöhnliche Schriftarten. Auch Facebooks bekannte „Gefällt mir“-Buttons und andere Social-Media-Elemente auf Internetseiten Dritter sollen Nutzer nicht mehr ohne ihre Erlaubnis verfolgen können.

          Anderes Geschäftsmodell von Apple

          Facebook und andere betonen stets, dass die Sammlungen anonymisiert sind und die Datensätze keine Rückschlüsse auf einzelne Nutzer erlauben. Datenschützer bestreiten das. Harmlose Informationsbruchstücke würden „aufmerksam zusammengestellt, gehandelt (...) und verkauft“, sagte Cook.

          Apple selbst ist nach eigenen Angaben wesentlich vorsichtiger bei der Sammlung von Nutzerdaten. Allerdings verdient der kalifornische Konzern sein Geld auch hauptsächlich eben nicht mit Werbung, sondern durch den Verkauf von Geräten und Abo-Diensten.

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