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Apple-Chef Tim Cook warnt : „Mit Daten Menschen manipulieren, so dass sie aufeinander losgehen“

Apple-Chef Tim Cook Bild: AP

Mit Daten Kriege anzetteln? Tim Cook jedenfalls zeigt sich besorgt über den möglichen Verlust von Meinungsfreiheit und Frieden. Doch er hat auch eigene Interessen – und eine Fehde mit Facebook.

          Warnungen davor, wie gefährlich die unvorstellbaren Datenberge in den Händen einzelner Unternehmen werden können, gibt es viele. Überwachung, Missbrauch, Manipulation von Menschen sind die häufig zu hörenden Befürchtungen von Internetskeptikern. Dass ein solcher Warnruf von einem der mächtigsten Unternehmenschefs der Welt, noch dazu aus der Digitalbranche selbst, kommt, ist außergewöhnlich. Umso mehr lohnt es sich hinzuhören, wenn Apples Vorstandsvorsitzender Tim Cook solche Töne anschlägt.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Er sei besorgt, dass eine ausufernde Datensammlung im Internet die Meinungsfreiheit beeinträchtigen könnte. „Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Alles, was Menschen sagen oder denken, wird gesendet, analysiert, gespeichert“, sagte Cook in einem Interview dem Nachrichtenmagazin „Focus“. „Würden die Menschen aus Furcht vor Konsequenzen aufhören, ihre Meinung zu sagen?“

          Cook zeigt sich nicht nur um die Meinungsfreiheit besorgt. Wenn Daten missbraucht würden, sieht der Apple-Chef gar das friedliche Zusammenleben gefährdet. Länder wie die Vereinigten Staaten oder Deutschland seien zwar so stark, dass ihnen niemand von außen existenziellen Schaden zufügen könne. „Was mir Sorgen bereitet, ist, dass es mit einer Schatztruhe voller Daten möglich ist, die Menschen auf eine Art und Weise zu manipulieren, dass sie irgendwann aufeinander losgehen“, sagte der Nachfolger des legendären Apple-Chefs Steve Jobs.

          Datenschutzgrundverordnung: „Ein unglaubliches Fundament“

          Wie schon bei anderen Gelegenheiten betonte der 58 Jahre alte Manager, dass er die im vergangenen Mai in Kraft getretene Datenschutz-Grundverordnung in der Europäischen Union für vorbildlich hält, um möglichem Datenmissbrauch vorzubeugen. „Die EU-DSGVO ist ein unglaubliches Fundament, auf das wir alle aufbauen sollten“, sagte Cook und bekräftigte, dass „Amerika ebenfalls eine solche Regulierung bekommen“ werde. Schon im November hatte sich der Apple-Vorstandsvorsitzende betont, es sei unvermeidlich, auch in den Vereinigten Staaten eine stärkere Datenregulierung einzuführen.

          Ob dahinter allerdings ausschließlich die Sorge vor möglichen Missständen und negativen gesellschaftlichen Folgen steht, scheint fraglich. Cook hatte nämlich die Geschäftsmodelle von Unternehmen wie Facebook und Google in jüngster Zeit zunehmend öffentlich kritisiert. Er versucht, sich von diesen abzugrenzen und Apple als einen beim Datenschutz gewissenhafteren Konzern darzustellen.

          Das brachte ihm allerdings den Vorwurf der Scheinheiligkeit ein. Schließlich habe er kein Problem damit, von Google Milliarden dafür zu kassieren, dass der Internet-Konzern die voreingestellte Suchmaschine auf Apples Geräten stellt. „Da Google die beste Suchfunktion bietet, ist Google in diesem Feld der beste Partner“, sagte Cook jetzt im Interview dazu.

          Mit Facebook steht Cook seit längerem in einer Kontroverse. Als er in einem früheren Interview im Zusammenhang mit der Cambridge-Analytica-Affäre gefragt wurde, was er an Stelle des Facebook-Gründers Mark Zuckerbergs tun würde, sagte er: „Ich wäre nicht in dieser Situation.“ Auch Apple könnte durch Auswerten von Nutzerdaten „eine Tonne Geld“ machen, habe sich aber dagegen entschieden.

          Facebook kauft keine iPhones mehr

          Zuckerberg hat sich über die Attacken sehr geärgert. Er hat in einem Seitenhieb auf Apple gekontert, man solle doch nicht in ein „Stockholm-Syndrom“ verfallen und sich von Unternehmen, die alles daransetzten, ihre Produkte so teuer wie möglich zu verkaufen, weismachen lassen, ihnen lägen ihre Kunden mehr am Herzen.

          Den Ärger über Apple brachte die „New York Times“ mit einer Entscheidung von Zuckerberg in Verbindung, wonach Facebook-Mitarbeiter nur noch Smartphones mit dem Betriebssystem Android von Google nutzen sollen, also keine iPhones von Apple. Cooks neue Aussagen haben das Potential, den Disput der Konzernchefs nun abermals zu befeuern.

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