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Apple-Chef unter Druck : Tim Cook verrät Apples wichtigsten Beitrag für die Menschheit

  • -Aktualisiert am

Apple-Chef Tim Cook in einem seiner Stores im Oktober in Schanghai. Bild: Reuters

Apple kommt in diesen Tagen nicht aus der Negativpresse heraus – bis Tim Cook ein Interview gibt: Alles prima, sagt der Apple-Chef und betont, wie gut das Geschäft abseits des iPhones doch läuft. Und dann teilt er noch eine Vision.

          Apples wichtigste Strategie ist die Emotion. Sie ist überall: In der Art und Weise, wie der kalifornische Technologiekonzern Jahr für Jahr seine neuesten Produkte vorstellt. In den Fernsehspots und auf den Plakaten, die diese bewerben. Und in der Kommunikation nach außen: Apple macht unser Leben besser, schöner, bedeutungsvoller – so die Botschaft, die Millionen Kunden auf der ganzen Welt immer höhere Preise für iPhone und Co. mit einem Achselzucken hinnehmen lässt.

          In einem Interview, das der Apple Vorstandsvorsitzende Tim Cook jetzt mit dem amerikanischen Fernsehsender CNBC geführt hat, ging es auch viel um Emotionen. Der Journalist Jim Cramer erzählt darin, wie großartig er die Erinnerungs-Funktion von Apples Foto-App findet. Heute Morgen erst sei er an einen schönen Moment vor einem Jahr erinnert worden. Cook liebt die Funktion auch, sagt er. Cramer erzählt, dass seine Tochter immer noch das iPhone 5 nutze, das sie nur über ihre Leiche gegen eines der neuen Modelle eintauschen würde, weil es schon so perfekt sei. Cook freut sich, das zu hören, schließlich wolle Apple seine Kunden in erster Linie glücklich machen – Verkaufszahlen hin oder her. Deshalb sei die Apple-Gemeinde auch so loyal: Das, zusammen mit dem Innovationsgeist des Teams, sei dem Unternehmen am wichtigsten.

          Cook gibt das Interview in einer Zeit, in der auch die Börsen emotional auf Apple reagieren – und zwar mit sinkenden Kursen. Nachdem der Konzern vergangene Woche seine Umsatzprognose für das erste Quartal des Jahres 2019 zurückgeschraubt hatte, machte sich unter den Anlegern Nervosität breit, riefen Analysten und Journalisten „dunkle Tage“ für das Unternehmen aus.  Zeitweise fiel der Kurs um fast 9 Prozent. Apple rutschte denn auch auf der Rangliste der wertvollsten Unternehmen der Welt auf Platz vier. Noch vor wenigen Monaten hatte der Konzern als erstes privates Unternehmen in der Geschichte die Eine-Billion-Marke an der Börse geknackt und schien unangefochten auf dem Thron zu sitzen.

          „Gewichtige“ neue Dienste

          Cook nennt die Pessimisten an der Börse in dem Interview „naysayers“, Neinsager. Das neue iPhone XR, ein Flop? „Bologna“, Blödsinn, sagt dazu Cook. Seitdem das XR ausgeliefert werde, sei es jeden Tag das begehrteste Modell. Allein die Kamera: „Die Fotos, die man damit von seinen Leben und seinen Lieben machen kann – unglaublich“ (Cramer stimmt ihm zu). Natürlich würde er gerne noch mehr davon verkaufen. Aber kritische Stimmen höre er, Cook, seit dem Jahr 2001 immer wieder von denselben Leuten. Die Börse reagiere kurzfristig eben sehr „emotional“.  

          Ebenfalls nur von kurzer Dauer, so glaubt Cook, seien Apples Probleme in China. Der Handelskonflikt zwischen Amerika und der Volksrepublik belaste zwar derzeit das Geschäft: „Aber ich glaube das ist nur vorübergehend“, denn ein Deal zwischen den Konfliktparteien sei „sehr wahrscheinlich“. Der chinesische Markt für Smartphones ist im vergangenen Jahr nach ersten Schätzungen von Dienstag um bis zu 15 Prozent eingebrochen. Und am Mittwoch berichtete die japanische „Nikkei Asian Review“, dass Apple die Produktion der drei neuen iPhone-Modelle XS, XS Max und XR für das erste Quartal 2019 gekürzt hat. Zwar tauchen Meldungen dieser Art jedes Jahr aufs Neue auf und bewahrheiteten sich dann doch nicht. Doch beruhigen wird die Nachricht die Finanzmärkte nicht.

          APPLE

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          Vielleicht auch deshalb wies Cook im Gespräch mit CNBC nun darauf hin, dass Apple neben dem iPhone noch viele andere tolle Produkte habe, mit denen das Unternehmen im vergangenen Jahr 100 Milliarden Dollar umsetzte, plus 19 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Apples wachsendes Angebot an Geräten und Diensten werde von den Schwarzmalern an der Wall Street „vermutlich unterschätzt“. Entsprechend möchte Apple künftig auch nicht mehr die Absatzzahlen des iPhones, sondern die Bruttomargen der Dienstleistungen öffentlich machen – ein Schritt, der von vielen als Strategiewechsel weg von Hardware hin zu Software gewertet wurde.

          Zum Produktportfolio neben dem iPhone zählen die „Wearables“ wie die Apple Watch und die AirPods sowie Dienstleistungen, etwa der App Store, iTunes, Apple Music und die iCloud. Und hier wird es wieder emotional: Viele Kunden hätten Cook berichtet, wie die Apple Watch ihr Leben verändert habe, sie aktiver, fitter gemacht habe. Dass sie durch die digitale Uhr Dinge über ihren Körper erfahren hätten, die sie vor einem möglichen Tod bewahrt hätten. „Das sind lebensverändernde Sachen“, so Cook.

          Apple wolle deshalb noch dieses Jahr „gewichtige“ neue Dienste verkünden, an denen das Unternehmen seit mehreren Jahren arbeite, insbesondere im Gesundheitsbereich. „In der Zukunft wird man einmal zurückblicken und auf die Frage, was Apples größter Beitrag zur Menschheit gewesen ist, die Gesundheit nennen“, sagt Cook, und: „Wir wollen den Einzelnen dazu ermächtigen, seine Gesundheit selbst zu managen – eine Macht, die bislang bei den Institutionen liegt.“ Apples Geschäft sei es immer gewesen, das Leben der Menschen zu bereichern.

          Reich entlohnt wird indes auch Cook selbst: Wie an diesem Mittwoch bekannt wurde, belief sich sein Gehalt im vergangenen Jahr auf 15,7 Millionen Dollar (13,7 Millionen Euro) – und lag damit 22 Prozent über der Summe vom Vorjahr.

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