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Apple-Chef Tim Cook : „Verantwortung für das Chaos übernehmen“

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Mit Kritik an der eigenen Branche und zumal an Wettbewerbern hält Tim Cook sich nicht zurück. Bild: AP

Tim Cook geht mit dem Silicon Valley hart ins Gericht. Ohne Namen zu nennen ist klar, wen er vor allem meint.

          Der Apple-Vorstandsvorsitzende Tim Cook hat mit harschen Worten die amerikanische Tech-Branche kritisiert und einmal mehr angemahnt, wie wichtig Datenschutz und ein Recht auf Privatsphäre gerade auch im Internet sind. Ohne dies leide die Fähigkeit der Menschen, gute Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen.

          Die Realität habe das teils blinde Vertrauen in die Technologie erschüttert. „Wir sehen es jetzt jeden Tag mit jeder Datenschutzverletzung, jeder Hassrede, mit Fake News, die unseren nationalen Diskurs vergiften“, sagte Cook während der Abschlussfeier an der Universität Stanford. Ihm sei wichtig, dies gerade an diesem Ort zu bekräftigen, weil Stanford und das Silicon Valley so eng zusammengehörten – tatsächlich arbeiten viele Absolventen später in amerikanischen Tech-Unternehmen oder gründen selbst welche.

          Cook klagte darüber, dass gute Absichten schlechte Ergebnisse rechtfertigen. „Ob ihr wollt oder nicht: Was ihr kreiert, definiert, wer ihr seid.“ Und er fügte hinzu: „Es ist merkwürdig, dass das überhaupt jemand sagen muss, aber: Wenn du eine Chaos-Fabrik aufbaust, kannst du nicht die Verantwortung für das Chaos abschieben“.

          Verantwortung übernehmen bedeute, den Mut zu haben, Dinge zu durchdenken. Es gebe wenige Gebiete, auf denen das wichtiger sei als in der Privatsphäre.

          Cook nannte keine konkreten Namen. Er kritisierte in der jüngeren Vergangenheit aber gerade Facebook mehrfach und generell Geschäftsmodelle, die auf Werbeerlösen und dem Sammeln großer Datenmengen basieren. Dies passt wiederum dazu, dass Cook Apple schon länger als das auf Privatsphäre und Sicherheit setzende Tech-Unternehmen darstellt und damit von anderen abzugrenzen versucht.

          „Wenn wir als normal und unvermeidlich akzeptieren, dass alles in unserem Leben aggregiert und verkauft werden kann oder im Falle eines Hacks durchsickert, dann verlieren wir so viel mehr als Daten“, so der Apple-Chef: „Wir verlieren die Freiheit, ein Mensch zu sein.“

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