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Umsätze fallen um 5 Prozent : Apples Probleme heißen iPhone und China

Apple-Geschäft am Hauptbahnhof in New York Bild: AFP

Nach einem schwachen Quartal stellt sich der iPhone-Hersteller auf einen weiteren Umsatzrückgang ein. Allein der Umsatz mit iPhones sinkt um 15 Prozent. Ein durchaus rentabler Geschäftszweig hingegen wächst.

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          Die Messlatte lag niedrig, als Apple am Dienstag nach Börsenschluss seine Quartalszahlen vorlegte. Der amerikanische Elektronikkonzern hatte schon vor wenigen Wochen seine Umsatzprognose für das abgelaufene Quartal deutlich nach unten korrigiert: Statt bis zu 93 Milliarden sagte er nur noch 84 Milliarden Dollar voraus und begründete dies in erster Linie mit gesunkenen Verkaufszahlen für das iPhone in China. Die Prognose hat sich nun bewahrheitet, die jetzt vorgelegten Geschäftsergebnisse waren somit im Rahmen der Erwartungen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wie Apple mitteilte, fiel der Umsatz in den vergangenen drei Monaten um fünf Prozent auf 84,3 Milliarden Dollar. In der Tat hat sich das iPhone, das mit Abstand wichtigste Produkt des Konzerns, als die große Schwachstelle erwiesen. Der Umsatz mit dem Gerät fiel um 15 Prozent auf 52,0 Milliarden Dollar.

          „Unsere Kunden behalten ihre iPhones etwas länger als in der Vergangenheit,“ sagte Vorstandsvorsitzender Tim Cook in einer Telefonkonferenz. Er begründete dies unter anderem damit, dass viele Verbraucher die Batterien ihrer iPhones ersetzen, anstatt sich ein neues Gerät zu kaufen. Auch gesunkene Subventionen beim Smartphone-Kauf sowie währungsbedingte Preiserhöhungen hätten das Geschäft gebremst.

          Hochpreisstrategie

          Freilich hat Apple jenseits solcher allgemeiner Faktoren auch selbst mehr und mehr eine Hochpreisstrategie eingeschlagen. Zum Beispiel mit superteuren Modellen wie dem iPhone X oder dem iPhone XS, die mehr als 1000 Euro kosten. Cook rechtfertigte die Preispolitik und sagte, in der jüngsten Generation von Geräten seien die Preise nicht allzu sehr angehoben worden.

          Er gab aber zu, dass der Anstieg des Dollar-Kurses außerhalb Amerikas und dabei gerade in Schwellenländern Apple-Geräte deutlicher verteuert habe. Apple habe daher in einigen Regionen die jüngsten Verschiebungen der Währungsrelationen „absorbiert“, um das Preisniveau zu halten. Der Nachrichtenagentur „Reuters“ sagte er außerdem, Apple prüfe, seine Preise außerhalb Amerikas nicht mehr in Dollar festzusetzen, sondern in einheimischen Währungen, was die Geräte dort billiger machen könnte.

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          Abgesehen vom iPhone hat sich Apple im vergangenen Quartal gut geschlagen. In allen anderen Produktkategorien wie beim Tabletcomputer iPad, den Macintosh-Computern oder der Sparte mit der Computeruhr Apple Watch und den Airpod-Kopfhörern stiegen die Umsätze. Ein deutliches Wachstum um 19 Prozent auf 10,9 Milliarden Dollar gab es im Dienstleistungsgeschäft, wozu etwa die Musikplattform Apple Music oder der Bezahldienst Apple Pay gehören.

          Dies ist mittlerweile die zweitgrößte Sparte des Unternehmens, und wie aus dem Quartalsbericht hervorgeht, ist sie auch überdurchschnittlich profitabel. Ihre Brutto-Gewinnmarge lag bei 62,8 Prozent mit steigender Tendenz, bei den Geräten sind es insgesamt 34,3 Prozent.

          Diese Margen hat Apple zum ersten Mal ausgewiesen. Cook sagte, der Start von Apple Pay in Deutschland im Dezember sei ein „riesiger Erfolg“ gewesen. Die Deutsche Bank habe innerhalb einer Woche mehr Aktivierungen des Dienstes verzeichnet als mit dem konkurrierenden Angebot für Smartphones mit dem zu Google gehörenden Betriebssystem Android in einem ganzen Jahr.

          Probleme in China

          In China sank der Umsatz von Apple im vergangenen Quartal um fast 27 Prozent auf 13,2 Milliarden Dollar. Apple ist nicht das einzige Unternehmen, das hier Schwierigkeiten hat. In den vergangenen Tagen haben auch andere Technologieunternehmen wie die Halbleiterkonzerne Intel und Nvidia eine Eintrübung in China als Begründung für schlechter als erhoffte Ergebnisse angeführt.

          Apple-Aktie

          APPLE

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          Vorstandsvorsitzender Tim Cook machte jetzt aber Hoffnung auf ein Aufhellung und sagte, im Januar hätten sich die Geschäfte in dem Land wieder etwas belebt. Nach seiner Einschätzung mache sich mit Blick auf den Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China wieder mehr Optimismus breit, und das schlage sich positiv im Geschäft nieder.

          Außerhalb Chinas hat sich Apple im vergangenen Quartal deutlich besser geschlagen, wobei es auch in Europa einen leichten Umsatzrückgang gab. Der Nettogewinn des Konzerns fiel dank niedrigerer Steuern nur minimal auf 20,0 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie von 4,18 Dollar lag auf Höhe der Erwartungen.

          Mit Blick auf das kommende Quartal zeigt sich Apple abermals vorsichtig. Das Unternehmen sagte einen Umsatz von 55 Milliarden bis 59 Milliarden Dollar voraus. Analysten hatten auf eine Prognose am oberen Rand dieser Spanne gehofft. Verglichen mit dem Vorjahreswert von 61,1 Milliarden Dollar stellt sich Apple somit auf einen abermaligen Umsatzrückgang ein.

          Der Aktienkurs von Apple reagierte im nachbörslichen Handel dennoch zunächst positiv und legte zeitweise um mehr als fünf Prozent zu. Die Aktie hat allerdings zuvor in den vergangenen drei Monaten rund ein Viertel an Wert verloren.

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