https://www.faz.net/-gqe-9a7sk

Nach britischen Ermittlungen : Cambridge Analytica nun auch im Visier amerikanischer Ermittler

  • -Aktualisiert am

In diesem Bürogebäude in London waren Geschäftsräume von Cambridge Analytica untergebracht. Bild: AFP

Neben britischen Ermittlungen gerät das Datenanalyse-Unternehmen nun auch ins Visier amerikanischer Behörden. Doch trotz sich erhärtender Beweise streiten die Verantwortlichen weiterhin jede Schuld ab.

          Das amerikanische Justizministerium und das FBI haben Ermittlungen gegen die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica eingeleitet. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die Finanzgeschäfte und die Datenerhebungen des Unternehmens, wie die New York Times unter Berufung auf mit der Untersuchung vertraute Quellen berichtete.

          Zuvor ermittelte bereits die britische „National Crime Agency“ (NCA) wegen möglicher versuchter Bestechung, Vernichtung von Beweisen und mehreren cyberkriminellen Straftaten gegen das Unternehmen und seinen ehemaligen Geschäftsführer Alexander Nix. Das inzwischen insolvente Unternehmen gilt als Mittelpunkt des Datenskandals bei Facebook.

          Größtenteils vom vermögenden Republikaner Robert Mercer finanziert, bot Cambridge Analytica seinen Kunden offiziell an, die Persönlichkeiten amerikanischer Wähler zu bestimmen und ihr Verhalten beeinflussen zu können. In Abstimmung mit der britischen SCL Group wurde das Unternehmen im Jahr 2014 unter ihrem Dach gegründet, um in das wachsenden Geschäft mit politischen Daten in den Vereinigten Staaten einzusteigen.

          Nach der Gründung wurden die Geschäfte zunächst von Mercers Tochter beaufsichtigt, später von Stephen Bannon. Dieser leitete danach den Wahlkampf von Donald Trump und wurde Chefstratege im Weißen Haus.

          Ein ehemaliger Mitarbeiter bricht sein Schweigen

          Cambridge Analytica streitet vehement ab, illegal erhobene Facebook-Daten für Trumps Wahlkampfkampagne im Jahr 2016 verwendet zu haben. Sowohl das amerikanische Unternehmen Cambrigde Analytica als auch die britische Dachgesellschaft SCL Group seien nach Bekanntwerden der Vorwürfe „gezwungen“ gewesen Insolvenz anzumelden, da „die Kontroverse nahezu alle Geschäftskunden vertrieben hat“, heißt es in einer Pressemitteilung des amerikanischen Unternehmens. Diese Entscheidung sei nicht nur für die Geschäftsführer schmerzhaft, sondern vor allem litten die Mitarbeiter unter den Folgen einer „unfairen Berichterstattung“.

          Dennoch erhärten sich die Beweise gegen das Unternehmen zunehmend. So hat der Whistleblower und frühere Mitarbeiter Cristopher Wylie bei einer Anhörung vor dem britischen Parlament angegeben, Cambridge Analytica habe gemeinsam mit der Dachgesellschaft SCL Group und anderen Partnern bereits mehrfach Wahlen und politische Abstimmungen mit illegal erhobenen Daten manipuliert, darunter auch die Brexit-Abstimmung. Auch die amerikanischen Behörden hätten ihn bereits kontaktiert und befragt, so Wylie: „Ich möchte so hilfreich sein, wie ich kann.“

          Weitere illegale Machenschaften kamen in der Vergangenheit bereits an die Oberfläche: So wurden Mitschnitte eines internen Treffens von Cambridge Analytica veröffentlicht. Dort ist zu hören, wie der ehemalige Geschäftsführer Alexander Nix mehreren Gesprächspartnern erzählt, mittels Sex-Skandalen und Erpressungen gegen die politischen Widersacher seiner Kunden vorzugehen. Auf Nachfrage sagte Nix in diesem Kontext, politische Kandidaten seien „immer Marionetten“. Nach Veröffentlichung des Videos entließ das Unternehmen den Geschäftsführer und bezeichnete seine Aussagen als „übertrieben“.

          Weitere Themen

          „Was in Davos passiert, bleibt auch in Davos“ Video-Seite öffnen

          Weltwirtschaftsforum : „Was in Davos passiert, bleibt auch in Davos“

          Zum Start des Weltwirtschaftsforums im Schweizer Skiort Davos stellt sich die Frage: Wird es in diesem Jahr ohne Trump, May und Macron langweilig? Nein, sagen die F.A.Z.-Korrespondenten vor Ort und liefern die Begründung gleich mit.

          „Wir sind es wert!“ Video-Seite öffnen

          Mehr Geld für Staatsdienst : „Wir sind es wert!“

          Sechs Prozent mehr Gehalt und ein monatliches Plus von mindestens 200 Euro: Das ist die Forderung der rund 800.000 Tarifangestellten der Bundesländer außer Hessen. Am Montag sind die Verhandlungen gestartet.

          Topmeldungen

          Der technische Fortschritt löst auch Ängste aus

          Weltwirtschaftsforum : Die breiten Massen bleiben zurück

          Gesellschaften driften auseinander: Während in informierteren Schichten Optimismus herrscht, sind andere systemkritischer und skeptischer denn je, zeigt eine neue Studie. Auch in Deutschland.
          Starker Rückhalt: Andreas Wolff im Tor der Deutschen.

          Handball-WM : Deutschlands hart erarbeitetes Halbfinal-Glück

          Das Duell mit Kroatien ist Handball hardcore. Mit Leidenschaft und Teamwork gewinnen die Deutschen ein Drama und stehen im WM-Halbfinale. Doch eine schwere Verletzung trübt die Freude.

          Brexit-Kommentar : Mays Plan B ist Plan A

          Bei keiner wichtigen Frage änderte Premierministerin May ihre Haltung. Sie will nun wieder reden – mit den Abgeordneten und der EU. Dass es jetzt schnell gehen muss, kann sogar ein Vorteil sein.

          Personalie Patzelt : Zwischen den Fronten

          Werner Patzelt soll der sächsischen CDU helfen, ihr Wahlprogramm auszuarbeiten. Seit das feststeht, ist um ihn eine Kontroverse entbrannt – die auch alte Konflikte mit der TU Dresden wieder befeuert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.