https://www.faz.net/-gqe-9l8jl

Amazons Technologiechef : „Die Privatsphäre unserer Kunden steht an erster Stelle“

Amazon-CTO Werner Vogels auf der Innovationskonferenz Digital-Life-Design (DLD) im Januar in München Bild: dpa

Der Niederländer Werner Vogels ist Amazons Technologiechef. Im Interview spricht er über intelligente Lautsprecher, die Cloud, Amazon in zwanzig Jahren – und darüber, wer der größte Kunde der Amazon-Cloud ist.

          Können Sie in einfachen Worten beschreiben, was Amazons Cloudsparte AWS für Unternehmen tut?

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wir versuchen, alle altmodischen IT-Kapazitäten, die Unternehmen selbst kaufen mussten, zu ersetzen. Im Prinzip versuchen wir, IT genauso handhabbar zu machen, wie Stromversorgung zu Hause: Man nutzt sie, dann bezahlt man für die genutzte Menge. Früher war IT etwas, das man im Voraus bezahlen musste, während man nicht wusste, wie viel man von ihm nutzen würde. Kaufte man zu viele Kapazitäten, war der Finanzchef böse, kaufte man zu wenig, waren die Nutzer böse.

          Geben Sie mir ein Beispiel für etwas, das Unternehmen heute mit AWS-Clouddiensten können, was sie früher nicht konnten.

          Ein gutes Beispiel sind Krankenhäuser. Krankenhäuser müssen aufgrund verschiedener rechtlicher Regelungen einige Daten bis zu 30 Jahre lang aufheben. Durch Cloudspeicher können sie nun die digitalen Originaldaten von Computer- und Kernspintomographien so lange aufbewahren.

          Analog konnten die Originale nicht so lange aufbewahrt werden, weil dafür riesige Lagerhäuser notwendig gewesen wären. Außerdem ist es in der Cloud möglich, verschiedene Aufnahmen digital mithilfe künstlicher Intelligenz zu vergleichen – zum Beispiel um zu sehen, wie stark bestimmte Tumore gewachsen sind. Das geht auf diese Weise wesentlich genauer, als ein Arzt es mit bloßem Auge konnte.

          Stellt der Bilderkennungsalgorithmus in diesem Fall allein auf die Bilder ab, die ein Kunde hochgeladen hat, oder greift er auch auf Bilder anderer Kunden zurück?

          Nein. Was Sie zur Bilderkennung hochladen, bleiben Ihre eigenen, privaten Bilder. Unser Algorithmus kann dann erkennen, ob etwas auf dem Bild ein Mensch ist, ob er einen Bart hat oder Brille trägt, ob er lächelt oder andere Emotionen zeigt. Anhand eigener Bilder können Kunden ihn auch auf andere Dinge trainieren.

          Der amerikanische Politikfernsehsender C-Span hat das zum Beispiel mit einem Bildersatz von knapp 100.000 Politikern gemacht. So konnten sie den Prozess der Personenerkennung automatisieren: Der Computer erkennt automatisch, welche Politiker in einem Video vorkommen, ohne dass ein Mensch es anschauen und den Namen dranschreiben muss.

          Wie können Nutzer sich sicher sein, dass die Daten, die sie in die Cloud laden, ihre eigenen bleiben und nicht bei Konkurrenten oder der Regierung landen?

          Zuerst einmal haben wir einen Vertrag mit unseren Kunden. In dem verpflichten wir uns, hochgeladene Daten nicht zu verschieben und sie niemandem anderen zu geben, es sei denn, es liegt ein Durchsuchungsbefehl vor. Darüber hinaus empfehlen wir allen unseren Kunden aber auch, zumindest Informationen über ihre Kunden und Geschäftsgeheimnisse zu verschlüsseln. Wenn sie das tun, gibt es nichts, was wir anderen geben können – weil sie allein dann den Schlüssel zu ihren Daten haben und entscheiden können, wer darauf zugreifen kann und wer nicht.

          Der Wettbewerb unter den Cloud-Anbietern hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Was bietet Amazon an, das beispielsweise Google nicht kann?

          Wir sind seit mehr als 12 Jahren im Geschäft, sind klar der Pionier auf unserem Gebiet und bieten mehr als 165 verschiedene Dienste an. Keines der anderen Unternehmen bietet auch nur ansatzweise etwas Vergleichbares. Der Grund für die Breite unseres Angebots ist, dass wir sehr stark das Feedback unserer Kunden suchen.

          Im Jahr 2017 haben wir rund 1400 neue Dienste und Features in unser Angebot aufgenommen – und unser Ziel ist es, genau die Dienste zu bauen, die unsere Kunden wollen. Wir glauben, dass wir weiter vorangehen können, weil wir eine so große Kundenbasis haben, die uns hilft, genau das zu bauen, was wir bauen müssen. Diese Feedback-Kultur betrifft auch mich: Den größten Teil meiner Zeit hier in Berlin werde ich damit verbringen, Kunden zu treffen.

          AWS ist in den vergangenen Jahren mit beeindruckender Geschwindigkeit gewachsen. Was kommt als nächstes?

          Wir werden eine massive Beschleunigung im Bereich der Spracherkennung sehen. Ich glaube ehrlich, dass Sprache in Zukunft der Hauptweg sein wird, auf dem wir mit digitalen Systemen kommunizieren werden. Und nicht nur wir: Es gibt zahlreiche Gegenden auf der Welt, in denen es nicht überall Computer und Smartphones gibt – in denen man aber trotzdem ohne Probleme mit Computern sprechen kann, zum Beispiel übers Telefon. Zudem gibt es ja auch zahlreiche Menschen, die nicht lesen oder schreiben können – wohl aber sprechen.

          Weitere Themen

          Ungewöhnlich ironisch, leicht distanziert Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Zwischen den Zeilen“ : Ungewöhnlich ironisch, leicht distanziert

          Alain ist ein erfolgreicher Verleger und seit zwanzig Jahren verheiratet. Einer seiner Autoren ist der sensible Léonard, der Geschichten über vergangene Liebesgeschichten schreibt und damit ausgerechnet bei der Frau von Alain gut ankommt. Warum der Film nicht nur von Liebesgeschichten handelt und "einer der größten Filme des Jahres" ist, verrät F.A.Z.-Redakteur Andreas Kilb.

          Topmeldungen

          TV-Duell für Tory-Vorsitz : „Wo ist Boris?”

          In einer lebendigen Debatte stellen die Kandidaten für den Vorsitz bei den britischen Konservativen unter Beweis, wie groß das Arsenal präsentabler Politiker der Tory-Partei noch ist. Boris Johnson bleibt der Runde fern – und ein anderer sticht heraus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.