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Zehn-Milliarden-Dollar-Auftrag : Wer baut dem Pentagon eine Cloud?

Amerikas Soldaten brauchen eine Cloud. Bild: AP

Das amerikanische Verteidigungsministerium braucht Hilfe mit seiner IT. Dafür hat es einen gigantischen Auftrag ausgeschrieben. Favorit ist ausgerechnet Trumps Intimfeind.

          Das Pentagon ist ein zuverlässiger Auftraggeber für die amerikanische Industrie. Mit einem jährlichen Budget von umgerechnet fast 600 Milliarden Euro ab dem Jahr 2019 – fast das Doppelte der Ausgaben des deutschen Bundeshaushaltes im vergangenen Jahr – lässt sich schließlich auch so Einiges anstellen.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die neueste Ausschreibung des amerikanischen Verteidigungsministeriums ist nun vor allem für die amerikanische Digitalbranche interessant – und prestigeträchtig. Bis zu zehn Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 8,5 Milliarden Euro) könnte der Vertrag wert sein: Das Pentagon braucht eine Cloud-Lösung.

          Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, geht es darum, die Daten des Verteidigungsministeriums online zu speichern, damit die Soldaten und die verschiedenen involvierten Behörden online auf die Daten zugreifen können. Üblicherweise wird diese Technologie Cloud (Wolke) genannt.

          Bei der Ausschreibung handelt es sich um eine Einzelausschreibung. Es wird also nur ein Unternehmen zum Zuge kommen. In den vergangenen Monaten hatten die Lobby-Abteilungen vieler Digitalunternehmen in Washington versucht, das Pentagon davon zu überzeugen, die Ausschreibung aufzuspalten. Dann hätten sich mehr Unternehmen beteiligen können.

          Amazon ist Favorit

          So hat sich Safra Catz, Chefin des Softwareunternehmens Oracle, wohl bei einem privaten Abendessen mit Präsident Donald Trump über die Ausschreibung beschwert, weil diese Amazon begünstige. Trump soll darauf nur geantwortet haben, dass er sich eine faire Ausschreibung wünsche. Das ist vor allem deshalb überraschend, weil Trump sich in den vergangenen Monaten immer wieder mit dem Amazon-Chef Jeff Bezos angelegt hat. Bezos gehört auch die Zeitung Washington Post, von der Trump sich ungerecht behandelt fühlt.

          In einem Report an den Kongress argumentiert das Verteidigungsministerium nun, dass die Aufteilung in mehrere Ausschreibungen das „Verteidigungsministerium davon abhalten könnte, seinen Kämpfern schnell die neuen Möglichkeiten und verbesserte Effektivität zu liefern, die Cloud Computing auf Unternehmenslevel ermöglichen kann“.

          Analysten zufolge spitzt sich die Ausschreibung voraussichtlich auf zwei Unternehmen zu: Amazon ist der große Favorit, aber auch Microsoft kann sich Chancen ausrechnen. Amazons Vorsprung basiert vor allem auf einem Vertrag mit der CIA aus dem Jahr 2013. Damals hatte das Unternehmen einen Cloud-Vertrag in Höhe von umgerechnet etwa 500 Millionen Euro abgeschlossen. Der Deal mit der CIA hilft dem Unternehmen nun, zu zeigen, dass es die besonders sensiblen Regierungsdaten ausreichend sichern kann. Die Cloud-Sparte von Amazon wächst rasant. Just gerade erst hat der Tech-Konzern seinen Umsatz in dem Bereich um 49 Prozent auf 6,1 Milliarden Dollar gesteigert.

          Doch auch das Softwareunternehmen IBM möchte sich noch nicht geschlagen geben und gab in einem Statement bekannt: „IBM hat den amerikanischen Streitkräften jahrzehntelang stolz gedient und wir freuen uns darauf, ein weiteres durchdachtes und umfassendes Angebot (…) einzureichen, das den langfristigen Bedürfnissen der uniformierten Frauen und Männer Amerikas gerecht wird“, kündigte Sam Gordy an, der bei IBM für den Regierungskontakt in Washington zuständig ist.

          Die Ausschreibung ist in vier Zeiträume gestaffelt. Der erste Vertrag bezieht sich zunächst nur auf einen Zeitraum von zwei Jahren. Der Vertrag kann dann aber zweimal um drei Jahre verlängert und in einem letzten Schritt nochmals um zwei Jahre verlängert werden. Werden alle Optionen gezogen, ist der Vertrag etwa achteinhalb Milliarden Euro wert. Die Einreichungsfrist endet am 17. September. Wer den Auftrag erhält, soll im April 2019 bekanntgegeben werden.

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