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Android-Erfinder Andy Rubin : Affäre um sexuelle Belästigung bringt Google in Erklärungsnot

Android-Erfinder Andy Rubin, Aufnahme aus dem Jahr 2008 Bild: Frank Röth

Der frühere Top-Manager Andy Rubin soll eine Kollegin zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Er musste das Unternehmen verlassen, bekam aber eine saftige Abfindung.

          Google ist wegen seines Umgangs mit sexueller Belästigung in der Belegschaft in Erklärungsnot geraten. Die „New York Times“ berichtete am Donnerstag, dass der frühere Top-Manager Andy Rubin bei seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen vor vier Jahren ein Abfindungspaket im Volumen von 90 Millionen Dollar bekommen hat, obwohl sein Weggang mit Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens zu tun hatte. Rubin habe im Jahr 2013 eine Kollegin in einem Hotel zu Oralsex gezwungen. Die Frau habe den Vorfall hinterher bei Google gemeldet, und das Unternehmen sei nach einer Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass ihre Beschreibung glaubwürdig gewesen sei.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Google-Mitgründer Larry Page habe Rubin daraufhin zum Rücktritt gedrängt. Das Unternehmen hätte ihn ohne weitere nennenswerte Zuwendungen entlassen können, habe sich aber entschieden, ihm das Abschiedspaket von 90 Millionen Dollar zu schnüren, das ihm seither in monatlichen Raten von zwei Millionen Dollar ausbezahlt werde. Die letzte Rate werde im November fällig.

          Andy Rubin war ein Superstar bei Google. Er gilt als der maßgebliche Erfinder von Android, dem mit Abstand meistgenutzten Smartphone-Betriebssystem der Welt. Er war einer der Mitgründer des Unternehmens Android, das er dann 2005 an Google verkaufte. Er wechselte nach der Akquisition zu Google und war dort weiter für die Software zuständig. 2013 gab er die Verantwortung für das Programm ab, übernahm dann im Konzern zunächst noch die Führung einer neuen Einheit für Robotertechnik, bis er sich 2014 ganz verabschiedete. Über die Umstände des Rückzugs, wie sie jetzt in dem Bericht beschrieben wurden, schwieg Google. Der Konzern gab sich damals Mühe, die Trennung als freundschaftlich darzustellen. Page sagte in einer Stellungnahme: „Ich wünsche Andy das Allerbeste.“ Vor einem Jahr berichteten amerikanische Medien bereits, dass Rubin im Zusammenhang mit Vorwürfen einer „unangemessenen Beziehung“ mit einer Kollegin gegangen ist. Der neue Bericht machte nun konkrete Details der Vorwürfe sowie das Abfindungspaket publik.

          Die Enthüllungen schlugen am Donnerstag bei Google sofort hohe Wellen. Vorstandsvorsitzender Sundar Pichai sah sich gezwungen, sich mit einer E-Mail an die Belegschaft zu wenden, in der er schrieb, es sei „schwer“ gewesen, diesen Bericht zu lesen. Er wies darauf hin, Google habe in den vergangenen Jahren eine Reihe von Veränderungen vorgenommen und greife nun im Falle „unangemessenen Verhaltens von Personen in Autoritätspositionen“ härter durch. Insgesamt habe Google in den vergangenen zwei Jahren 48 Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung entlassen, davon 13 Führungskräfte. Keiner von ihnen habe ein Abfindungspaket erhalten. Google habe außerdem seine internen Richtlinien verändert und schreibe Managern mit den Titeln Vice President oder Senior Vice President jetzt vor, über jede Beziehung mit Kollegen zu informieren, auch wenn es sich nicht um Vorgesetzte oder Untergebene handele.

          Die Frau, von der im Bericht die Rede ist, soll zunächst eine einvernehmliche Beziehung mit Rubin gehabt haben. Sie habe diese Beziehung beenden wollen, aber Sorge gehabt, dass dies ihrer Karriere schaden könne. Sie habe dann zugestimmt, Rubin in dem Hotel zu treffen, wo er sie zu den sexuellen Handlungen gezwungen habe. Dies habe dann zum Ende der Beziehung geführt. Wie die Zeitung schrieb, war Rubin einer von zwei Managern, die nach Vorwürfen sexueller Belästigung zwar von Google entlassen wurden, dabei aber ein Abfindungspaket bekamen. Ein anderer Manager sei sogar in einer hoch bezahlten Position bei Google geblieben. Die Zeitung berief sich in ihrem Bericht auf Gespräche mit mehr als drei Dutzend gegenwärtigen und früheren Google-Mitarbeitern. Rubin wies die Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens über einen Sprecher zurück. Jede Beziehung, die er bei Google gehabt habe, sei einvernehmlich gewesen.

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