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Auktionsexperte Moldovanu : So funktioniert die 5G-Auktion

  • -Aktualisiert am

Die 5G-Auktion läuft. Bild: Reuters

In Mainz läuft die Versteigerung der 5G-Lizenzen. Auktionsexperte Moldovanu von der Universität Bonn verrät, wie die Auktion funktioniert und welche Schwachstellen sie hat.

          Seit Dienstag läuft die 5G-Auktion: Die Mobilfunkanbieter Vodafone, Telefónica, die Telekom und der Neueinsteiger 1&1 bieten mit, die Versteigerung kann mehrere Wochen dauern. Die Unternehmen bieten dabei separat auf 41 einzelne Frequenzblöcke. Professor Benny Moldovanu ist Ökonom an der Universität Bonn und Experte für Auktionsstrategien. Er gibt im Interview einen Einblick in den Aufbau von Auktionen und Besonderheiten bei der aktuellen 5G-Auktion.

          Herr Moldovanu, wie ist die 5G-Auktion aufgebaut?

          Bei dieser Auktion handelt es sich um eine sogenannte simultansteigende Auktion, das heißt, es wird in mehreren Runden separat auf die einzelnen Frequenzblöcke geboten, also einzeln auf den ersten Block, auf den zweiten Block, auf den dritten und so weiter. Das macht es einfach für Bieter und Auktionator und erfordert wenig Rechenaufwand, um das höchste Gebot zu bestimmen. Allerdings benötigen die Bieter ja bestimmte Frequenzblöcke und müssen dann sichergehen, dass sie die jeweils einzeln ersteigern.

          Die wesentliche Alternative ist in diesem Fall eine kombinatorische Auktion. Das heißt, die Unternehmen bieten auf mehrere Blöcke im Paket. Das ist viel flexibler, weil Bieter ihren Bedarf genau anmelden können und Frequenzblöcke zusammen in Paketen ersteigern. Die Betreiber brauchen nämlich verschiedene Blöcke, um am Ende auch ein ausreichendes Frequenzspektrum zu haben. Seit etwa 25 Jahren sind simultansteigende Auktionen vorherrschend, in letzter Zeit gibt es aber eine starke Gegenbewegung zu kombinatorischen.

          Wäre in diesem Fall eine kombinatorische Auktion besser gewesen?

          Simultansteigende Auktionen waren ursprünglich nicht für Versteigerungen gedacht, bei denen ein Bieter für mehrere Objekte den Zuschlag bekommt. Wenn mehrere Objekte komplementär sind, besteht das Risiko, dass man nicht bekommt, was man braucht, und mit den ersteigerten Frequenzblöcken nichts anfangen kann. Auf dieses Risiko wurde hier reagiert, indem Bieter in manchen Fällen Gebote zurückziehen können. Aber dabei handelt es sich um eine absolute Notlösung, denn es macht das strategische Kalkül viel komplizierter.

          Hat der Aufbau der 5G-Auktion weitere Schwachstellen?

          Nach jeder Runde wird nicht nur das Höchstgebot bekannt gegeben, sondern auch der Höchstbieter. Dadurch besteht für den Auktionator die Gefahr, dass Signalangebote gemacht werden können. Damit ist gemeint, dass der Bieter sofort ein höheres oder niedrigeres Gebot abgibt und damit signalisiert, dass man großes oder kleines Interesse an einem Block hat. In der nächsten Versteigerungsrunde auf den Block kann man dann darauf reagieren, indem man nicht weiter bietet und Anteile unter sich aufteilen. Manchmal werden diese Signale verstanden, manchmal nicht. In der Vergangenheit haben sich Unternehmen auf diese Weise koordiniert und das erzielte Ergebnis lag nur wenig über dem Mindestgebot.  Es ist möglich, dass Lobbyarbeit für den Auktionsaufbau mitverantwortlich war, denn es wäre ausreichend zu wissen, wie viel geboten wurde.

          Gibt es für die Bieter Grenzen, was sie ersteigern können?

          In dieser Auktion gibt es keine Begrenzungen, das heißt, Bieter können so viele Frequenzblöcke kaufen, wie sie wollen. Es wäre theoretisch möglich, dass ein Konzern alle Blöcke aufkauft, damit ein Mitbieter kein ausreichendes Frequenzspektrum erreicht. Hier scheint das angebotene Spektrum aber groß genug, so dass man in möglicher Marktkonzentration keine Gefahr gesehen hat. Es gibt eine weitere Möglichkeit, die bereits in der Vergangenheit angewendet wurde: Wenn man als Mobilfunkanbieter eine bestimmte Anzahl von Frequenzblöcken für eine Lizenz braucht, darf man nur so viele Blöcke ersteigern, wie für die Lizenz nötig sind.

          Wie funktioniert die Koordination innerhalb eines Konzerns, der bietet?

          Jeder Bieter hat ein Auktionsteam, das vorher Simulationen erstellt, aber es kann nicht alles vorherberechnet werden. Man überlegt sich eine Gesamtstrategie und muss diese dann fortlaufend anpassen. Die notwendige Expertise für das Auktionsteam kann dabei mit externen Beratern  ergänzt werden, die auf Spieltheorie und Auktionen spezialisiert sind.

          Das Ziel der Auktion ist erklärtermaßen nicht nur, einen hohen Betrag zu erzielen, sondern auch die Versorgung mit 5G möglichst schnell zu gewährleisten. Wie wird das sichergestellt?

          Die Infrastrukturanforderungen sind diesmal sehr streng, es müssen sehr viele Verbraucher sehr schnell versorgt werden. Natürlich bleibt das Risiko bestehen, dass die Meistbietenden die Anforderungen im Nachhinein nicht erfüllen können. Es macht aber auch keinen Sinn, im Voraus alle Netze zu bauen, um dann möglicherweise bei der Auktion nicht zum Zuge zu kommen. Die Regeln machen es für Neubieter schwer, auch wenn es für sie spezielle, niedrigere Anforderungen gibt. In anderen Ländern gibt es zum Beispiel ein Mindestspektrum im Markt für Neumitbietende. Es ist aber unklar, ob das in Deutschland aufgrund der gesetzlichen Grundlagen möglich wäre.

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