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Die 5G-Auktion beginnt : Digitaler Rohstoff aus der Kaserne

Der Präsident der Bundesnetzagentur Jochen Homann Bild: dpa

In Mainz beginnt das Wettbieten um das Zukunftsnetz. Damit sollen wichtige Voraussetzungen für das Internet der Dinge und das autonome Fahren geschaffen werden. So funktioniert die 5G-Auktion.

          3 Min.

          Die symbolische Stoppuhr steht bereit.  Am Dienstagvormittag wird Netzagentur-Präsident Jochen Homann auf den Knopf drücken. Dann kann es in der ehemaligen Kaserne in Mainz losgehen mit dem großen Wettbieten um die ersten Frequenzen für den neuen Echtzeit-Mobilfunkstandard 5G, der nicht weniger als die nächste digitale Revolution einläuten soll.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Unmittelbar nach der Eröffnung starten die ersten Versteigerungsrunden. Die Deutsche Telekom, Vodafone, O2 und der Neuling Drillisch, eine Tochter von United Internet, können nach monatelangen Vorbereitungen endlich ins Rennen gehen.

          Das Objekt ihrer Begierde sind die Funkbänder um 2 und um 3,6 Gigahertz. Sie liefern das erste Baumaterial für das Zukunftsnetz. Vor allem die Industrie wartet darauf. Mit bisher unbekannten Übertragungsgeschwindigkeiten und reaktionsschnell fast wie das menschliche Nervensystem stößt das Netz in neue technische Dimensionen vor, die vernetzte Fabriken, das Internet der Dinge oder selbstfahrende Autos ermöglichen sollen. Andere Länder sind schon weiter, auch in Europa: So haben etwa Österreich und die Schweiz das erste 5G-Spektrum bereits vergeben.

          Der Frequenz-Rohstoff aus der Mainzer Kaserne, die heute eine Nebenstelle der Netzagentur beherbergt, hat allerdings seine Tücken. Vereinfacht gesagt: Je höher im Spektrum angesiedelt, desto weniger Reichweite haben die Funkwellen und desto mehr Sendestationen müssen gebaut werden.

          Bis zur letzten Kanne

          Sehr viel günstiger ginge es deshalb mit Frequenzen unterhalb von 1 Gigahertz. Doch die werden noch für LTE und UMTS, also für die beiden Vorgängergenerationen benötigt und kommen erst in einigen Jahren wieder unter den Hammer. Obwohl die neuen Frequenzen für eine großflächige Versorgung „bis zur letzten Milchkanne“ also wenig taugen, ist ihre Vergabe an strenge Bedingungen geknüpft.

          Erfolgreiche Bieter müssen bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent aller Haushalte, die Autobahnen, wichtige Bundesstraßen sowie die verkehrsreichsten Schienenwege mit schnellen Datenverbindungen versorgen.

          Erfüllen lassen sich die Auflagen nur dann, wenn die Anbieter auf ein Spektrum aus früheren Auktionen zurückgreifen – was wiederum den Wert der neuen Lizenzen mindert. Zudem muss jeder Betreiber 500 neue LTE-Anlagen zur Beseitigung von Funklöchern in den „weißen Flecken“ bauen und bis Ende 2022 wenigstens 1000 Basisstationen für 5G in Betrieb nehmen.

          Die von der Politik in einem monatelangen Tauziehen durchgesetzten scharfen Nebenbedingungen spiegeln sich in den Mindestgeboten wider: Hatte die Netzagentur zunächst insgesamt 1,1 Milliarden Euro angesetzt, sind davon in den endgültigen Auktionsregeln gerade einmal 105 Millionen Euro übrig geblieben.

          Auktion gilt Nutzungsrechten

          Versteigert wird das Spektrum in 41 Blöcken mit unterschiedlichen Mindestpreisen, auf die einzeln geboten wird. Die Regeln sind nicht viel anders als in früheren Auktionen. Anders als in den Vereinigten Staaten erwerben die Bieter kein Eigentum, sondern ein bis Ende 2040 befristetes Nutzungsrecht. Damit alles glatt läuft, dürfen nur besonders geschulte Entsandte der Unternehmen teilnehmen.

          In den vergangenen Wochen haben sie sich in Mainz mit der Auktionssoftware und dem Verfahren vertraut gemacht. Bis zu acht Mitarbeiter durften die Unternehmen benennen. Im Grunde sind sie nur Befehlsempfänger, welche die jeweiligen Gebote in einen Computer eingeben und über ein vom Internet abgeschirmtes Netz an den Auktionator übermitteln.

          Die Entscheidungen fallen in den Konzernzentralen, wo Strategen, Techniker und Mathematiker das Geschehen in Mainz verfolgen. Spieltheoretiker versuchen, die nächsten Züge der Konkurrenz vorherzusagen. Eine besonders gesicherte Datenleitung verbinden die streng abgeschotteten Auktionsräume in Mainz mit den Kommandozentralen in Bonn, Düsseldorf, München und Montabaur.

          Versteigerungsrunden dauern maximal eine Stunde

          Die Werte, welche die einzelnen Unternehmen den verschiedenen Blöcken zuschreiben, sind bewegliche Größen. Denn die Kosten des Netzausbaus hängen davon ab, in welcher Kombination Frequenzblöcke aus den unterschiedlichen Bändern genutzt werden können. Je nach den Preisen, die sich in der Auktion ergeben, kann es wiederum günstiger sein, auf eine andere technische Lösung und damit auf andere Blöcke auszuweichen. Viel Zeit, Szenarien durchzurechnen und die eigenen Gebote festzusetzen, ist nicht. Jede Versteigerungsrunde darf höchstens eine Stunde dauern. Morgens um 8 Uhr geht es los, die jeweils letzte Auktionsrunde beginnt spätestens um 17.30 Uhr.

          Wer in den ersten Runden mithalten will, muss im Frequenzbereich 3,6 Gigahertz wenigstens 15 Prozent auf das Höchstgebot eines Konkurrenten drauflegen (Mindestinkrement). Im Band um 2 Gigahertz, wo die Versteigerung mit höheren Mindestpreisen startet, genügt ein Aufschlag von 10 Prozent. In den späteren Phasen kann die Netzagentur die Mindestinkremente schrittweise bis auf 2 Prozent des jeweiligen Höchstgebotes reduzieren. Nach Abschluss einer jeden Runde veröffentlicht die Netzagentur den Zwischenstand. Schluss ist dann, wenn auf keinen einzigen Block mehr geboten wird.

          Wahrscheinlich wird es wieder mehrere Wochen dauern, bis der Hammer fällt. Bei der Auktion 2015 waren es 181 Runden, die gut drei Wochen benötigten. Am Ende stand ein Ergebnis von 5,1 Milliarden Euro. Im Jahr 2010, als die ersten 4G-Frequenzen (für LTE) vergeben wurden, spülten 224 Runden nach ungefähr 6 Wochen dem Finanzminister  4,4 Milliarden Euro in die Kasse.

          Einnahmen wie bei der legendären UMTS-Auktion, die im Jahr 2000 auf mehr als 50 Milliarden Euro kam, sind auch dieses Mal nicht einmal ansatzweise zu erwarten. Was hereinkommt, fließt in den Digitalfonds des Bundes zur Förderung von schnellem Internet. Bis zu 12 Milliarden Euro an Zuschüssen sind in der laufenden Legislaturperiode eingeplant. Die Lücke zwischen Auktionserlösen und Zielgröße wird der Steuerzahler schließen müssen.

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