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5G auf der CES : Warten auf die Revolution

Alles geht! Verizon-Vorstandsvorsitzender Hans Vestberg während seiner Keynote. Bild: AFP

Der neue Mobilfunkstandard ist ein beherrschendes Thema auf der CES. Produkte sind noch Mangelware. Doch wenn es nach den Versprechen der Vorstandschefs geht, wird 5G bald Drohnen durchs Land fliegen lassen.

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          Der nächste Mobilfunkstandard 5G ist eines der größten Themen auf der CES. Bei einem Gang durch die Messehallen begegnet man dem Begriff fast an jeder Ecke. „Das echte 5G“, heißt es zum Beispiel auf riesigen Bildschirmen am Stand von Qualcomm, dem amerikanischen Halbleiterkonzern, der über so viele Patente rund um den Standard verfügt wie kein anderes Unternehmen der Welt und deswegen von der amerikanischen Regierung als so wichtig erachtet wird, dass sie im vergangenen Jahr seinen Verkauf blockierte.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Bei T-Mobile US, der amerikanischen Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, steht auf einem Schild: „5G – es liegt gleich um die Ecke“. Der koreanische Samsung-Konzern beschreibt 5G auf seiner Pressekonferenz als Revolution: „Es wird jeden Aspekt transformieren, wie wir leben und arbeiten,“ sagt HS Kim, der Chef der Unterhaltungselektroniksparte. Der neue Standard ist nach seinen Worten im „hier und jetzt“ angekommen.

          2019 soll zum Jahr werden, in dem 5G den Durchbruch schafft, und die CES will dafür den Ton vorgeben. Eine der Hauptreden („Keynotes“) wurde von Hans Vestberg gehalten, dem Vorstandschef des amerikanischen Mobilfunkbetreibers Verizon, auch John Donovan vom Rivalen AT&T hat einen prominenten Rednerplatz bekommen. Verizon-Chef Vestberg sagte bei seinem Auftritt, 5G werde „die nächste Technologieära“ einläuten und sei mit viel größeren Verheißungen verbunden als jeder Mobilfunkstand zuvor. „5G verändert alles.“ Es gehe um viel mehr als die Fähigkeit, einen neunzigminütigen Film innerhalb von zehn Sekunden auf seinem Handy herunterladen zu können.

          Tatsächlich ist in der Branche oft von Anwendungen jenseits von Smartphones die Rede, wenn über das Potential von 5G gesprochen wird. Etwa dass mit Hilfe des neuen Standards autonomes Fahren auf breiter Front Realität werden kann oder sich industrielle Maschinen besser miteinander vernetzen lassen. Der Verizon-Chef holte in seiner Rede einige Vertreter von Partnerunternehmen auf die Bühne, um über gemeinsame 5G-Projekte zu sprechen. Darunter war Mariah Scott von Skyward, einem zu Verizon gehörenden Drohnenspezialisten.

          Sie sprach von einer Zukunft, in der zum Beispiel Energieversorger Tausende von Drohnen zur Inspektion von Anlagen im Einsatz haben. Nach ihren Worten hat sich Verizon verpflichtet, das erste Unternehmen zu sein, über dessen 5G-Netzwerk eine Million Drohnenflüge durchgeführt werden. Mark Thompson, der Vorstandsvorsitzende der New York Times Company, sagte, die amerikanische Traditionszeitung richte in ihrem Nachrichtenzimmer ein „5G-Labor“ ein, und Journalisten könnten den neuen Mobilfunkstandard künftig nutzen, um Geschichten stärker visuell anzureichern und das entsprechende Bildmaterial schneller zu übertragen und zum Leser zu bringen.

          Verizon-Chef Vestberg ist offenbar auf der Suche nach weiteren 5G-Anwendungen. Bei seinem Auftritt rief er einen mit bis zu einer Million Dollar dotierten Wettbewerb für Projekte aus, die sich des neuen Mobilfunkstandards bedienen. Verizon hat schon im vergangenen Herbst mit einer ersten größeren 5G-Initiative aufhorchen lassen. In einigen amerikanischen Städten wurden 5G-Anschlüsse für Haushalte als Alternative zu gewöhnlichen Internetverbindungen angeboten, der erste Kunde aus Houston wurde bei Vestbergs CES-Rede zugeschaltet.

          In der Branche gilt dies allerdings noch nicht als wahrer 5G-Dienst, weil er nicht für die mobile Nutzung gedacht ist. Ein mobiles 5G-Netz hat Verizon für dieses Jahr in Aussicht gestellt, Vestberg verriet dazu aber keine weiteren Details. Er wiederholte auch frühere Aussagen, wonach das Unternehmen in diesem Jahr zwei 5G-Smartphones auf den amerikanischen Markt bringen will, davon eines in Zusammenarbeit mit Samsung. Hoffnungen, dass er bei seinem Auftritt tatsächlich ein 5G-Handy zeigt, erfüllten sich aber nicht.

          Er war damit nicht allein, denn so viel in Las Vegas auch über 5G gesprochen wurde: Marktreife Produkte waren Mangelware. Womöglich hebt sich die Branche manche Ankündigungen für die Mobilfunkmesse MWC in Barcelona im Februar auf.

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