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Interview zu 20 Jahre Google : „Ich schrieb sofort einen Scheck über 100.000 Dollar“

Wie die Zeit fliegt: Google feiert bereits 20. Geburtstag. Bild: Reuters

Der deutsche Informatiker Andreas von Bechtolsheim war einer der ersten Geldgeber der Google-Gründer. Im FAZ.NET-Gespräch erinnert sich der Milliardär zurück – und erklärt, warum es die beste Idee war, die er jemals gesehen hat.

          Herr von Bechtolsheim, wann haben Sie die beiden Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin zum ersten Mal getroffen?

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Im August 1998 war das gewesen, kurz bevor sie ihr Unternehmen gründeten.

          Wie kam das?

          Ein mit mir befreundeter Professor von der Stanford-Universität, David Cheriton, erzählte mir von zwei Doktoranden, die sich überlegen, auszusteigen und ein Unternehmen zu gründen, eine Suchmaschine. Er fragte mich, ob ich mit den beiden darüber sprechen könnte.

          Sie haben eingewilligt.

          Ich war an dem Thema sehr interessiert, weil ich damals auf dem Internet noch kaum etwas finden konnte. Wir trafen uns auf der Veranda von Davids Haus in Palo Alto.

          Und dann?

          Larry und Sergey zeigten mir auf ihrem Laptop den Prototypen der ersten Google-Suchmaschine, die erstaunlich gut funktionierte.

          Das war alles?

          Sie erklärten mir ihren ,Page-Rank-Algorithmus', der die Relevanz von Webseiten automatisch bestimmt. Und die Idee mit den ,Sponsored Links', mit denen sie je nach Suchbegriff relevante Anzeigen anbieten können. Es war faszinierend und ohne Frage die beste Idee, die ich jemals gesehen habe.

          Muss eine beeindruckende Präsentation gewesen sein, die die beiden vorbereitet haben.

          Es gab gar keine Präsentation. Und auch keinen Business Plan.

          Lebende Legende des Silicon Valley: Andreas von Bechtolsheim hat das Unternehmen Sun Microsystems mitgegründet und ist einer der ersten Geldgeber der Google-Erfinder.

          Wie bitte?

          Ich war von der Demo und unserer Unterhaltung total überzeugt. Ich war so begeistert, dass ich mich auf alle Fälle an dieser neuen Firma beteiligen wollte und schrieb den beiden auf der Stelle einen Scheck über 100.000 Dollar, ausgemacht auf ,Google, Inc’ – eine Firma, die es zu diesem Zeitpunk noch gar nicht gab.

          Was fesselte sie an dieser Idee so sehr, dass sie sofort willig waren zu investieren, quasi zwischen Tür und Angel, wenn ich das richtig verstanden habe?

          Wir müssen zurückdenken in das Jahr 1998. Das Internet war ein sehr heißes Thema, jede Firma wollte ,on-line’ und konstruierte eine Webseite. Die Frage war: Wie konnte man diese Webseiten finden?

          Suchmaschinen gab es schon.

          Ja, zum Beispiel AltaVista, Infoseek, Excite, Lycos, Namen die heute kaum noch jemand kennt. Das Problem war, dass keine dieser Suchmaschinen richtig funktionierte, weil sie nicht gute von schlechten Webseiten unterscheiden konnten.

          Wieso das?

          Schon damals hatte jeder Anbieter versucht, auf die erste Seite der Suchergebnisse zu kommen. Eine der beliebten Methoden war es, das ganze englische Wörterbuch als ,Dark Page’ an die Webseite anzuhängen, damit die Webseite unabhängig vom Suchbegriff gefunden wurde.

          Was schadete.

          Genau. Tatsächlich führte das dazu, dass man kaum noch etwas finden konnte. Viele Leute glaubten infolgedessen sogar, dass es prinzipiell unmöglich war, eine automatische Suchmaschine zu bauen, ohne die Inhalte der Webseiten echt zu verstehen.

          Google war offenkundig anders.

          Das war die erste Suchmachine, die gute Ergebnisse zeigte und damit sehr nützlich war.

          Aber es gab damals doch schon Yahoo.

          Im Jahr 1998 war Yahoo ein sehr populäres Webportal, dessen Hauptidee es war, das Internet für Benutzer zu ordnen – nach dem Prinzip, dass menschliche Editoren Webseiten recherchierten und auswählten, so ähnlich wie das eine Zeitung macht: Hier sind die Sportseiten, hier sind die Finanzseiten, und hier ist die Gartenabteilung. Das ging für eine Weile ganz gut, hat aber mit dem Wachstum des Internets nicht mitgehalten.

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