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Digg : Tiefer Fall eines Sozialen-Netzwerk-Pioniers

Ein Bild aus besseren Zeiten: Der damalige Digg-Chef Jay Adelson (l) im Sommer 2008 mit Google-Gründer Larry Page Bild: REUTERS

Die einst hoch gehandelte Social-Media-Plattform Digg ist für einen Bruchteil ihres früheren Wertes verkauft worden. Ein weiteres Beispiel für ein Internetunternehmen, das nach einem rasanten Aufstieg einen tiefen Fall erlebt.

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          Das amerikanische Internetunternehmen Digg Inc. hat eine der ersten Erfolgsgeschichten mit sozialen Netzwerken geschrieben. Zeitweise wurde es mit dreistelligen Millionenbeträgen bewertet. Nun hat es einem wenig rühmlichen Verkauf zugestimmt: Digg wird von der New Yorker Technologie-Holding Betaworks übernommen. Der Kaufpreis liegt nach einem Bericht der „New York Times“ bei lediglich 500.000 Dollar. Hinzu sollen Anteile im Wert eines einstelligen Millionenbetrages an der Betaworks-Gesellschaft kommen, in der Digg nun aufgeht.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Digg wird damit zu einem weiteren Beispiel für ein Internetunternehmen, das nach einem rasanten Aufstieg einen tiefen Fall erlebt - ähnlich wie das soziale Netzwerk Myspace, das im vergangenen Jahr für 35 Millionen Dollar verkauft wurde, nachdem es 2005 vom Medienkonzern News Corp. für 580 Millionen Dollar übernommen worden war. Myspace war einst das dominierende soziale Netzwerk, wurde dann aber von Facebook abgehängt. Auch der Bedeutungsverlust von Digg erklärt sich zum großen Teil mit der Popularität von Facebook und des Kurznachrichtendienstes Twitter.

          Digg wurde 2004 gegründet, im gleichen Jahr wie Facebook, und ist ein soziales Netzwerk, das sich um das Empfehlen von Inhalten im Internet dreht. Die Empfehlungen können von anderen Nutzern bewertet werden, und die Links werden dann auf Digg je nach Popularität geordnet. Digg verbreitete sich sehr schnell, viele Internetseiten integrierten ein entsprechendes Feld, das die Nutzer anklicken konnten, wenn sie Inhalte empfehlen wollten. Gründer Kevin Rose stieg zu einem der Stars der neuen Generation von Unternehmern im sozialen Internet beziehungsweise „Web 2.0“ auf. Berühmt wurde ein Titelbild von ihm in der Zeitschrift „Business Week“ im Jahr 2006. Auf dem Titel stand: „Wie dieser Junge in 18 Monaten 60 Millionen Dollar gemacht hat“ - eine Anspielung auf die damals angenommene Bewertung für Digg.

          Prominente Investoren rissen sich um das Unternehmen. Zu den Geldgebern gehörten zum Beispiel die Unternehmer und Investoren Marc Andreessen und Reid Hoffman sowie die Wagniskapitalgesellschaft Greylock Partners, die sich auch bei Facebook engagierte. In einer Finanzierungsrunde im Jahr 2008 wurde Digg mit 150 Millionen Dollar bewertet. Im gleichen Jahr soll der Internetkonzern Google kurz davor gewesen sein, Digg für 200 Millionen Dollar zu kaufen. Die Verhandlungen scheiterten aber. In den vergangenen Jahren verlor Digg an Relevanz. Überarbeitungen der Seite sorgten unter den Nutzern für Irritationen, häufige Wechsel im Management brachten das Unternehmen vom Kurs ab. Vor allem aber geriet Digg immer mehr durch Facebook und Twitter unter Druck. Auch auf diesen Seiten ist das Empfehlen von Inhalten ein wichtiger Teil des Konzepts, etwa auf Facebook mit dem „Like“- beziehungsweise „Gefällt mir“-Feld. Für viele Nutzer von Facebook und Twitter wurde Digg also überflüssig. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Comscore hatte Digg zuletzt rund 7 Millionen monatliche Nutzer, vor wenigen Jahren waren es noch 30 Millionen. Betaworks will Digg nun in seinen eigenen Nachrichtendienst „News.me“ integrieren. Digg-Gründer Rose verließ das Unternehmen schon im vergangenen Jahr und arbeitet heute in der Wagniskapitalsparte von Google.

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