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Dieter Moor : Der Kulturknecht

  • -Aktualisiert am

„Ich bin nur Traktorfahrer” Bild: Julia Zimmermann

Im Fernsehen bedient der Schweizer Moderator die Schöngeister. Daheim hütet er Schafe. Seit sechs Jahren ist er im Nebenberuf Öko-Landwirt in einem kleinen Dorf nordöstlich von Berlin. Dort träumt er vom großen Ökogeschäft.

          Heute Morgen hat der Fernsehmoderator saubere Finger. Dieter Moor war befreit vom Zweitjob im Stall, musste nicht in die Kälte hinaus zu den Schafen, brauchte nicht auszumisten bei Pferden und Eseln. Dafür haben sich im hochgesteckten Haar seiner Frau einige Heuhalme verfangen. Doch Sonja Moor, eine ehemalige TV-Produzentin, ist nun einmal die Chefin auf dem Hof in Hirschfelde nordöstlich von Berlin. "Ich bin nur Knecht und Traktorfahrer", kokettiert Moor.

          Der Kulturmensch, der die ARD-Sendung "Titel Thesen Temperamente" moderiert, pendelt zwischen Studio und Stall. Da man mit Eseln und anderen Vierbeinern nicht am Prenzlauer Berg wohnen kann, wo angeblich das kreative Biotop Berlins ist, wurde der Moderator zum Landmann, wohnt er eine Autostunde außerhalb im Brandenburgischen. Immerhin: Etwas Kultur gibt's auch dort; wenn Moor aus seiner Wohnküche blickt, sieht er eine stählerne Hirschkuh, das Wappentier des 230 Einwohner kleinen Dorfes.

          Kann man mit den Hühnern aufstehen und trotzdem zu den Kulturtypen zählen, die wegen ihrer durchwachten Nächte eher als Morgenmuffel gelten? Es geht offenbar, Moor schafft den Spagat seit sechs Jahren. Die Haare des 51 Jahre alten Mannes sind ergraut, doch er wirkt keineswegs geschlaucht vom Doppeljob. Er scheint auch nicht übermäßig frustriert, dass der Hof noch immer keinen Gewinn abwirft, der Stall also weiter vom Studio subventioniert wird.

          „Wir wollen nicht nur Bauer spielen, sondern es professionell betreiben”, sagt Dieter Moor

          Das Ehepaar will zu den mehr als 200 000 Euro Investition jetzt noch weiteres Geld drauflegen und mit finanzieller Hilfe eines Vereins aus Hirschfelde sogar ein Öko-Modelldorf machen. Im März soll, sofern staatliche Fördermittel fließen, dort ein "Kompetenzzentrum für nachhaltige ökologische und wertschöpfende Landwirtschaft" entstehen. Auf den Wiesen und auf dem Brachland eines ehemaligen russischen Flugplatzes sollen noch mehr Galloway-Rinder und Wasserbüffel grasen. Das Fleisch sowie den Mozzarella-Käse will man als regionale Bioprodukte vermarkten.

          Wasserbüffel in Brandenburg? Tiere, die Wärme und Wasser lieben, in der märkischen Streusandbüchse, die nicht gerade für mediterrane Temperaturen bekannt ist? Diese Kombination wirkt auf den ersten Blick ähnlich gewöhnungsbedürftig wie so vieles, was der wackere Eidgenosse bisher gemacht hat. Moor eilt nicht ohne Grund der Ruf voraus, kantiger und manchmal auch kauziger zu sein als andere TV-Kollegen. Manche nennen ihn daher den schrägen Vogel im gehobenen Fernsehen.

          Am Anfang galt Moor als Spinner

          Der Schweizer fällt allein schon dadurch auf, dass er nach Deutschland kam und überhaupt keinen Trennungsschmerz zeigt. Meist ziehen ja die Deutschen südwärts, weil in Zürich die Löhne höher, die Steuern niedriger, die Bankkonten diskreter und die Züge pünktlicher sind. Und dann zieht der Mann ausgerechnet in das übel beleumundete Brandenburg, wo doch angeblich so viel gejammert wird und jeder Ausländer für fremdenfeindliche Ossis eine lebende Provokation ist.

          Ist Moor nicht ganz bei Trost, weil er eine Idylle gegen eine Tristesse tauschte? Am Anfang wurde er tatsächlich etwas schief angesehen im Dorf. Manche hielten ihn für einen Spinner, andere fragten sich, ob er womöglich etwas auf dem Kerbholz hat und daher aus der Schweiz geflüchtet sei. Er kam tatsächlich nicht ganz freiwillig, er war sauer auf die Schweizer Medien und auf seine Heimat, weil er sich da als Moderator schlecht behandelt fühlte.

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