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Autohersteller im Umbruch : VW-Chef Diess bläst zur Tesla-Jagd

Herbert Diess Ende September Bild: Reuters

Volkswagen verdoppelt die Investitionen in die Digitalisierung. In wenigen Jahren soll Tesla eingeholt sein, so der Plan.

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          Als Volkswagen-Chef Herbert Diess die Planungen und Milliarden-Investitionen seines Konzerns für die nächsten fünf Jahre erläuterte, nahm er vor allem einen Wettbewerber in den Blick: Tesla. Die Planungsrunde habe auch beschlossen, die Investitionen in Elektromobilität und Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren deutlich zu erhöhen, damit VW im Wettbewerb die technische Führung vom amerikanischen Marktführer Tesla übernehmen kann, sagte Diess am Montag in einer Telefonkonferenz mit Analysten und Journalisten.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          „Wir investieren mehr in Software als vorher geplant“, sagte er. Am Freitag hatte der Aufsichtsrat den Plänen von Diess zugestimmt, für Digitalisierung in den kommenden fünf Jahren rund 27 Milliarden Euro zu investieren. Das ist etwa doppelt so viel wie bislang geplant. Für die Elektromobilität werden rund 35 Milliarden Euro ausgegeben, für die Hybridisierung des Modellportfolios sind weitere rund 11 Milliarden Euro vorgesehen.

          Diess sagte, diese im Vergleich zu den bisherigen Planungen deutlich gesteigerten Investitionen hätten das Ziel, wettbewerbsfähig mit Tesla zu werden. Die Amerikaner, die in Brandenburg derzeit eine Fabrik für Elektroautos für den deutschen und europäischen Markt bauen, ist in der Elektromobilität, der Batterietechnik und vor allem der digitalen Vernetzung des Autos nach wie vor führend. „Das neue Geschäftsmodell der Autoindustrie ist ganz anders“, sagte Diess. Natürlich blieben auch klassische Autokonzerne wie Toyota Wettbewerber für Volkswagen. „Wir müssen aber auch wettbewerbsfähig sein zu der neuen Welt.“

          Abspaltung von Lamborghini und Ducati?

          Autos würden zu vernetzten Fahrzeugen – zu Smartphones auf vier Rädern, hatte Diess schon früher immer wieder gesagt. Autohersteller würden verstärkt zu Tech-Konzernen wie Tesla. Der VW-Chef, der Volkswagen zu einem softwaregetriebenen Unternehmen umbauen will, berichtete, dass die Tesla-Technik als Maßstab in den Wolfsburger Vorstandssitzungen immer wieder Thema sei. „In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, auch bei der Software im Fahrzeug eine Spitzenposition einzunehmen“, sagte Diess.

          Der Eigenanteil an Software soll dafür von jetzt knapp 10 auf rund 60 Prozent steigen. „Nur als digitaler Mobilitätskonzern können wir den Bedürfnissen der Menschen nach individueller Mobilität in Zukunft gerecht werden.“ Dafür habe Volkswagen jetzt die Investitionen in die Digitalisierung verdoppelt.

          Diess sagte, die Transformation des Konzerns sei schwierig. Wolfsburg bereitet dafür dem Vernehmen nach nun auch eine Abspaltung seiner italienischen Beteiligungen Lamborghini und Ducati vor. Man arbeite an der rechtlichen Struktur der Beteiligungen, zu denen auch Italdesign gehört, sagte der VW-Chef. Finanzvorstand Frank Witter ergänzte, eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen.

          Neuer Posten für Senger

          Zum Stellenwert, den Diess und VW der Digitalisierung beimessen, passte am Montag auch die Mitteilung, dass der im Sommer als Volkswagen-Software-Chef abgelöste Christian Senger einen neuen Job im Konzern übernehmen wird. Der 46 Jahre alte Manager leite mit sofortiger Wirkung die Entwicklung des autonomen Fahrens der VW-Transportersparte und sei damit auch für Mobilitäts- und Transportdienste zuständig, teilte die Marke VW Nutzfahrzeuge in Hannover mit.

          VW hatte zuvor die Softwareentwicklung in Ingolstadt konzentriert und Audi-Chef Markus Duesmann unterstellt, der zugleich Konzern-Entwicklungsvorstand ist. Im Zuge der Neuordnung hatte der frühere BMW-Manager und Duesmann-Vertraute Dirk Hilgenberg Senger an der Spitze der Softwareabteilung abgelöst. Seither suchte die VW-Führung einen Posten für Senger, der einst bei BMW an der Konzeption der Elektrofahrzeuge i3 und i8 mitwirkte.

          Audi konzentriert sich mit dem Projekt „Artemis“, mit dem Volkswagen technisch zu Tesla aufschließen und die Marktführerschaft übernehmen will, zunächst auf hochautomatisiertes Fahren (Level 3). Dagegen soll die VW-Nutzfahrzeugsparte eine Stufe höher einsteigen und Fahrzeuge anbieten, die weitgehend autonom fahren und als Roboterautos ohne menschlichen Eingriff auskommen (Level 4).

          „Ich bin optimistisch, dass wir dieses Jahr ordentlich abschließen“

          Diess zeigte sich zuversichtlich, dass Volkswagen die Ziele trotz der Corona-Pandemie erreichen kann. Mit Blick auf die ersten rein elektrischen Modelle der Kernmarke VW, den ID.3 und die SUV-Variante SUV.4, geht er davon aus, Tesla beim Elektroauto die Marktführerschaft abzunehmen. „Wir sind ziemlich optimistisch und selbstbewusst“, sagte er. In der digitalen Vernetzung des Autos erwarte er, den Vorsprung in den nächsten fünf Jahren aufzuholen.

          Auch bei seinen Finanzzielen wolle sich VW auf mittlere Sicht durch die Corona-Krise nicht aus der Bahn werfen lassen, sagten Diess und Witter. „Ich bin optimistisch, dass wir dieses Jahr ordentlich abschließen“, sagte der VW-Chef. „2022 dürften wir dann wieder auf Vorkrisenniveau sein.“ 2021 werde ein Übergangsjahr mit einer deutlichen Erholung bei Auslieferungen und Umsatz gegenüber dem laufenden Jahr, hieß es.

          Konkret rechnet VW im Jahr 2025 weiter mit einem Anteil des operativen Ergebnisses am Umsatz von 7 bis 8 Prozent, wenn man Sondereinflüsse aus dem Diesel-Skandal herausrechnet. In einem Zwischenschritt 2022 dürften es 6 bis 7 Prozent sein, sagte Witter. Vor dem Ausbruch der Corona-Krise hatte VW für das laufende Jahr schon 6,5 bis 7,5 Prozent in Aussicht gestellt. Weil nötige Investitionen in neue Technik nicht vernachlässigt werden sollen, werde die Forschungskostenquote bis 2022 höher liegen als geplant.

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