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Diesel-Skandal : Neuer Manipulationsverdacht gegen Audi

  • Aktualisiert am

Audi-Chef Rupert Stadler präsentiert im März einen neuen A6 in Genf. Bild: dpa

Der Autohersteller soll in der Oberklasse-Limousine A6 eine weitere Software zur Manipulation von Dieselabgasen eingesetzt haben. Das Bundesverkehrsministerium hat Ermittlungen eingeleitet.

          Das Kraftfahrt-Bundesamt geht dem Verdacht auf Abgasmanipulationen in den Audi-Modellen A6 und A7 nach. Die Behörde habe eine amtliche Anhörung wegen des Verdachts auf eine unzulässige Abschalteinrichtung eingeleitet, bestätigte das Bundesverkehrsministerium am Dienstag FAZ.NET. Davon seien in Deutschland rund 33.000 Fahrzeuge mit Dieselmotor betroffen und ungefähr 60.000 auf der ganzen Welt. Den Angaben des Ministeriums zufolge sind die Emissionstypen-Genehmigungen der Fahrzeuge in Luxemburg erteilt worden.

          Audi erklärte in einer Stellungnahme, man habe im Rahmen der internen Aufklärung zum Diesel Auffälligkeiten in der Steuerungssoftware bei V6-Dieselmotoren der Gen2 evo (200 kW) festgestellt, die in Fahrzeugen der Modelle A6 und A7 der im Auslauf befindlichen Generation C7 eingebaut sind. Dies sei dem Kraftfahrtbundesamt und der Luxemburgischen Zulassungsbehörde mitgeteilt worden. Zudem habe man die Auslieferungen in den Handel gestoppt. Darüber würden auch die Kunden informiert, die ein solches Modell bestellt haben. Betroffen seien voraussichtlich weltweit rund 60.000 Fahrzeuge. Fahrzeuge in Amerika sollen nicht darunter sein.

          Die Auffälligkeiten seien bei den laufenden systematischen Überprüfungen von Motor- und Getriebekombinationen bei Dieselmotoren bekannt geworden. Sie sollen bei den nächsten Gesprächsrunden mit den Zulassungsbehörden im Detail erläutert werden. Der Monitor im VW-Konzern sei ebenfalls über diesen Sachverhalt informiert worden. „Wir informieren das Kraftfahrtbundesamt regelmäßig über die Ergebnisse unseres systematischen Motoren-Prüfprogramms. Auffälligkeiten melden wir an die Zulassungsbehörde, da unser höchstes Interesse einer rückhaltlosen Aufklärung gilt. Das haben wir auch in diesem Fall unverzüglich getan“, sagte Audi-CEO Rupert Stadler.

          Bei den betroffenen Fahrzeugen soll dem Bericht zufolge eine Software zum Einsatz kommen, die die Abgasreinigung herunterfährt, sobald das sogenannte Adblue zur Neige geht. Dabei handelt es sich um Harnstoff, den Katalysatoren brauchen, um Stickoxide aus den Abgasen zu filtern. Allerdings soll Adblue nicht vom Kunden selbst, sondern erst beim nächsten Servicetermin in der Werkstatt nachgefüllt werden. Deshalb soll Audi die Einspritzung des Harnstoffs in den letzten 2400 Kilometern, bevor er zur Neige geht, deutlich reduziert haben. Dadurch steige aber der Stickoxid-Ausstoß sprunghaft.

          Wie das Verkehrsministerium mitteilte, wurde die EU-weite Genehmigung für den A6 in Luxemburg erteilt. Das KBA steht laut dem Bericht mit den Behörden in Luxemburg in Kontakt. Ein amtlicher Rückruf zumindest in Deutschland sei "äußerst" wahrscheinlich, hieß es.

          Erst im Januar hatte Audi zahlreiche Dieselmodelle - darunter auch den A6 - wegen einer anderen Abschalteinrichtung zurückrufen müssen. Diese Software hatte den Stickoxid-Ausstoß zwar in standardisierten Messverfahren reduziert, nicht aber im Normalbetrieb. Wegen einer entsprechenden Software ermitteln Behörden weltweit gegen zahlreiche Autobauer.

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