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Volkswagen : Jagd auf die Schuldigen im Abgas-Skandal

  • Aktualisiert am

Kommt nun endlich Licht ins Dunkel? Bild: dpa

Der Aufklärung der Abgas-Manipulationen wird vorangetrieben. Am Montag kommt der Aufsichtsrat zusammen. Programmierer und andere einfache Angestellte sollen keine Angst haben, heißt es.

          Volkswagen intensiviert die Suche nach den Verantwortlichen im den Abgas-Skandal. Am Sonntagmorgen war bekannt geworden, dass Geständnisse von Volkswagen-Mitarbeitern zur Aufdeckung der vergangene Woche bekanntgemachten CO2-Manipulationen geführt haben. Wie die „Bild am Sonntag“ berichtete, liegen der Konzernrevision mehrere entsprechende Aussagen vor. Demnach begann der Betrug 2013 und lief bis zum Frühjahr 2015. Ein VW-Sprecher sagte, bei internen Untersuchungen hätten Mitarbeiter angegeben, dass es bei der Ermittlung der Verbrauchswerte Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Wie es dazu kam, sei Gegenstand der laufenden Prüfung.

          Dem Blatt zufolge gaben Ingenieure an, sie hätten mit diversen unerlaubten Maßnahmen die Werte manipuliert, zum Beispiel durch einen höheren Reifendruck. Grund für die Manipulationen sei gewesen, dass die vom inzwischen zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn gesteckten Ziele nicht mit legalen Mitteln hätten erreicht werden können. Winterkorn wollte den CO2-Ausstoß um 30 Prozent reduzieren.

          Neben getürkten CO2-Werten geht es bei VW seit Mitte September um den Einsatz manipulierter Software bei Millionen Fahrzeugen, durch die der Schadstoffausstoß niedriger erscheint, als er tatsächlich ist. VW hat all dies eingestanden und arbeitet nach eigener Auskunft mit Hochdruck an der Aufklärung. Noch am Sonntag sollte ein eigens eingesetzter Sonderausschuss des Aufsichtsrats eine erste Zwischenbilanz ziehen. Am Montag kommt dann zunächst das mächtige Aufsichtsratspräsidium und danach der Aufsichtsrat zusammen. Ob weitere in den Skandal verstrickte Manager suspendiert werden, ist unklar.

          Leitende Mitarbeiter im Visier

          Eine mit den Aufklärungsarbeiten vertraute Person sagte Reuters, zur Rechenschaft gezogen werden sollten keine normalen Mitarbeiter, sondern Verantwortliche in Führungspositionen. „Es geht um die Ebenen Bereichsleiter, Hauptabteilungsleiter und Vorstand. Vielleicht noch Abteilungsleiter. Wer darunter tätig war, soll keine Angst haben vor Kündigung und Schadenersatzforderungen. Es geht nicht um Programmierer, die nur Anweisungen ausgeführt haben.“

          Eine andere Person mit Kenntnis der Beratungen des Aufsichtsrats sagte, die Sitzung am Montag sei ursprünglich dafür vorgesehen gewesen, die finanziellen Auswirkungen des Emissionsskandals zu bewerten. Nach der Ausweitung des Skandals auf CO2-Werte gehe es nun vor allem darum, erste direkte Erkenntnisse vom Vorstand hierzu zu bekommen. Der neue Vorstandschef Matthias Müller nimmt an den Beratungen teil. Entscheidungen über mögliche Finanzierungsmaßnahmen seien nicht zu erwarten.

          Der Konzern hat wegen der Abgasmanipulationen im dritten Quartal Milliarden auf die Seite gelegt und rechnet im CO2-Fall mit mindestens zwei Milliarden Euro an zusätzlichen Belastungen. An den Finanzmärkten wird deshalb spekuliert, dass eine Kapitalerhöhung nötig werden könnte. Im Konzern selbst sieht man das offenbar anders. Eine Person mit Kenntnis der Interna sagte Reuters, es sei voreilig darüber zu sprechen. „Da gäbe es andere Möglichkeiten.“

          Auf VW dürften wegen der Manipulationen vor allem in den Vereinigten Staaten immense Strafen zukommen. Die Chefin der kalifornischen Umweltbehörde, Mary Nichols, sprach jüngst vom größten unmittelbaren Verstoß gegen US-Gesetze, den sie je aufgedeckt habe. Konzernchef Müller und andere VW-Manager fürchten laut „Süddeutscher Zeitung“ nun persönliche Konsequenzen bei Reisen in die Vereinigten Staaten. Es sei deshalb unwahrscheinlich geworden, dass Müller wie geplant in der zweiten Novemberhälfte in die Vereinigten Staaten fliegen werde. Amerikanische Ermittler hätten aufgrund des Skandals einem VW-Manager bereits den Pass abgenommen. Ein VW-Sprecher sagte dazu: „Reisen von Volkswagen-Mitarbeitern in die Vereinigten Staaten fanden und finden statt. Alles weitere sind Spekulationen.“

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