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Entscheidung im Aufsichtsrat : Volkswagen-Konzern trennt sich von Audi-Chef Stadler

Hat Grund zur Sorge: Der beurlaubte Audi-Chef Rupert Stadler. Bild: dpa

Der inhaftierte Audi-Chef Rupert Stadler scheidet mit sofortiger Wirkung aus den Vorständen von VW und Audi aus. Zur Höhe seiner Abfindung gibt es erste Hinweise.

          Nach langem Tauziehen trennt sich der Volkswagen-Konzern von Rupert Stadler, dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Tochtergesellschaft Audi. Wie VW am Dienstagnachmittag mitteilte, sei „Herr Stadler aufgrund seiner andauernden Untersuchungshaft nicht in der Lage“, seine Aufgaben als Mitglied des Vorstands zu erfüllen. Daher werde er mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen ausscheiden. Um den Abgang vertraglich zu regeln, haben die Aufsichtsräte von VW und Audi einer Vereinbarung zugestimmt, die die Beendigung von Stadlers Ämtern als Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG und als Vorstandsvorsitzender der Audi AG vorsieht.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Stadler sitzt seit etwa einem Vierteljahr im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal in Augsburg in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München II nahm ihn am 18. Juni fest, da sie nach dem Abhören eines Telefonats Hinweise hatte, er könnte mögliche Zeugen beeinflussen. Seither gab es intern Diskussionen darüber, wie mit Stadler, der sich vor allem aus Sicht der VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piech um das Unternehmen verdient gemacht hatte, weiter verfahren wird.

          Zuletzt hatte der VW-Aufsichtsrat am Freitag über das Thema beraten, hatte sich aber nach mehrstündiger Sitzung auf den heutigen Dienstag vertagt. Hintergrund war dem Vernehmen nach, dass sich besonders die Vertreter des Großaktionärs Niedersachsen, Ministerpräsident Stefan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Althusmann (CDU), gegen eine allzu großzügige Abfindung ausgesprochen hatten. In der aktuellen Diesel-Diskussion, in der es um weitreichende und teure Lösungen für Millionen von Fahrzeugen geht, wäre dies aus ihrer Sicht ein verheerendes Signal gewesen.

          Mindestens eine Million Euro Abfindung

          Nach Informationen der F.A.Z. sieht die jetzt gefundene Lösung mehrere Komponenten vor. Im ersten Schritt wird Stadler eine Summe aus sogenannten „erdienten Beträgen“ erhalten, die deutlich unterhalb von einer Million Euro liegen soll. Dabei soll es sich um Teile von Bonuszahlungen handeln, die seit der Änderung des Vergütungssystems für VW-Vorstände im vergangenen Jahr aufgelaufen sind und auf die Stadler einen rechtlichen Anspruch hat.

          Darüber hinaus könnte Stadler Ansprüche auf eine Abfindung haben, die seine noch für mehrere Jahre laufenden Verträge als Top-Manager ausgleichen würde. Diese will der VW-Konzern den Angaben eines Beteiligten zufolge aber nur freigeben, sofern sich die in den Ermittlungsverfahren gegen Stadler erhobenen Vorwürfe nicht erhärten. Wie hoch genau die in Rede stehende Summe ist, war zunächst unklar. Beteiligten zufolge geht es um einen Betrag, der deutlich unterhalb von 10 Millionen Euro liegen soll. Damit sei die mögliche Abfindung geringer als etwa im Fall Christine Hohmann-Dennart. Als scheidendes Vorstandsmitglied für Integrität und Recht hatte sie nach nur einem Jahr im Amt eine Abfindung von mehr als 12 Millionen Euro bekommen, was für Empörung gesorgt hatte.

          „Endlich mehr Klarheit“

          Wer langfristig Nachfolger von Stadler an der Spitze von Audi wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Der von BMW kommende Kandidat Markus Duesmann steht vorerst nicht zur Verfügung, da BMW neben seiner Vertragslaufzeit bis Mitte 2019 offenbar auf einer zusätzlichen Wettbewerbssperre beharrt. Als Interimschef bleibt daher vorerst Bram Schot am Ruder, der die Führung nach der Verhaftung Stadlers übernommen hatte. Schot dankte Stadler am Dienstag für „elf Jahre an der Spitze von Audi“. In dieser Zeit habe der Autobauer Absatz und Umsatz „nahezu verdoppeln“ können. Der Gesamtbetriebsrat erklärte, die Entscheidung bedeute für die Belegschaft „endlich mehr Klarheit“.

          Stadler war im Jahr 2007 Vorstandsvorsitzender von Audi geworden. Seit 2010 ist er zugleich Mitglied im Vorstand des Mutterkonzerns VW. Unter seiner Führung hatte sich Audi positiv entwickelt, doch im Zuge des Dieselskandals, der sich zur größten Krise in der Geschichte von VW entwickelte, geriet er zunehmend ins Zwielicht. Denn Audi-Ingenieure sollen in dem Skandal eine maßgebliche Rolle gespielt haben. So soll bei Audi jene Software zur Manipulation von Abgaswerten von Drei-Liter-Dieselmotoren entwickelt werden sein, mit denen später auch die Marken Volkswagen und Porsche auffällig wurden. Stadler hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in der Vergangenheit stets bestritten.

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