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Reaktion auf F.A.S.-Gespräch : „Es ist deprimierend und peinlich“

VW steht wegen des Abgas-Skandals nach wie vor in der Kritik. Bild: Reuters

Volkswagenchef Müller begründet im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, warum Kunden in Europa schlechter behandelt werden als in Amerika. Die Kritik folgt prompt.

          Volkswagen-Chef Matthias Müller hat mit Aussagen zum Dieselskandal die Kunden irritiert und Protest von Verbraucherschützern provoziert. In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ hatte der Vorstandsvorsitzende des Automobilkonzerns begründet, warum die von manipulierten Motoren betroffenen Kunden in Europa schlechter behandelt werden als die in Amerika.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Man kann das nicht über einen Kamm scheren, denn die Ausgangssituation ist völlig unterschiedlich“, sagte Müller. „Den Kunden in Europa entsteht kein Nachteil, weder beim Verbrauch noch bei den Fahreigenschaften. Und wenn ich das anfügen darf: Auf der einen Seite kritisieren viele die amerikanische Gesetzgebung in anderen Zusammenhängen, siehe TTIP. Wenn es aber darum geht, selbst Vorteile daraus zu ziehen, scheint das amerikanische Recht auf einmal der richtige Weg zu sein.“

          „Frech“ und „arrogant“

          Wenn deutsche Kunden sich benachteiligt fühlen, könne er das „emotional nachvollziehen“, fügte Müller an, die rechtlichen und regulatorischen Umstände seien hierzulande aber komplett anders als in Amerika: „In Amerika werden wir für 2,0-Liter-TDI-Fahrzeuge auch nach dem Rückruf die dort sehr viel strengeren Emissionswerte nicht zu 100 Prozent erfüllen können. Dies trifft für unsere Kunden in Europa nicht zu.“

          Müllers Sätze lösten in den sozialen Medien einen Proteststurm aus. „Rotzfrech“ und „arrogant“ sei die Haltung des VW-Konzerns, kommentierten Leser auf FAZ.NET. Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, twitterte am Sonntag: „Es ist deprimierend und peinlich, wie der VW-Chef seine Kunden beschimpft, die sich auf gute Qualität verlassen wollten.“

          Harsche Widerworte erzeugen auch Müllers Thesen zum mangelnden Erfolg der Elektromobilität in Deutschland. Im F.A.S.-Interview wehrte der Manager sich gegen Vorwürfe aus der Öko-Bewegung, die deutsche Autoindustrie habe die Elektromobilität verschlafen und warf im Gegenzug den Kunden ein inkonsequentes Verhalten vor: „Am Angebot mangelt es nicht, sondern an der Nachfrage: Auf der einen Seite denken und handeln viele Deutsche im Alltag grün, wenn es aber um E-Mobilität geht, haben wir als Verbraucher spitze Finger. So ganz habe ich dieses paradoxe Phänomen noch nicht verstanden.“

          Grünen-Politikerin Renate Künast kritisierte diese Aussage des VW-Chefs am Sonntag als „frech“: „Keine bezahlbaren E-Autos, keine Ladestationen, aber Nichtkäufer kritisieren.“

          Die Probleme, die den Erfolg der E-Mobilität behindern, werde die Autoindustrie schleunigst beseitigen, kündigte Müller an. In absehbarer Zukunft würden mehr E-Autos als Verbrenner verkauft. „Ob das im Jahr 2025, 2030 oder 2035 sein wird, das weiß ich nicht“, sagte der VW-Chef. Er räumte ein, dass nicht ausgemacht ist, wer künftig die Oberhand behält – ob die traditionelle Autoindustrie oder die Angreifer aus dem Silicon Valley. Gespräche über Kooperationen mit Apple und Google habe er abgebrochen, weil VW sich denen hätte unterordnen müssen, berichtete Müller.

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