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Nach dem Autogipfel : Was macht die Werkstatt jetzt mit meinem Diesel?

  • Aktualisiert am

Für die Nachrüstung ist ein Software-Update nötig. Bild: dpa

Auf dem Dieselgipfel gibt sich die Politik mit Software-Updates zufrieden. Aber was bedeuten die Ergebnisse für Autofahrer? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Welche Autos sind betroffen?

          Die meisten Dieselfahrzeuge, die eine aktualisierte Software bekommen, entfallen auf den Volkswagen-Konzern mit seinen Marken VW, Audi und Porsche. Auch Dieselautos von Daimler, BMW und Opel sollen durch ein Update weniger Schadstoffe ausstoßen. Diese Hersteller haben „umfassende und zügige“ Updates an der Steuersoftware von etwa 5,3 Millionen Diesel-Pkw in Deutschland zugesagt. Das gilt für Wagen der EU-Schadstoffnorm Euro 5 und Euro 6, von denen - Stand Januar - rund 8,6 Millionen zugelassen sind. Rund 2,5 Millionen Autos, die VW ohnehin zurückrufen muss, sind schon eingerechnet. Ausländische Hersteller beteiligen sich nicht an der Aktion. Auch die deutsche Ford-Tochter, die ihren Sitz in Köln hat, bietet keine Software-Updates an. Das Unternehmen erklärt, dass seine Dieselmotoren dies nicht benötigten, um die Grenzwerte einzuhalten.

          Wie finde ich die Schadstoffklasse meines Autos heraus?

          Dafür genügt ein Blick in die Zulassungsbescheinigung. Die Schadstoffklasse ist dort in Feld 14 angegeben.

          Wie bekomme ich das Software-Update?

          Wenn ihr Auto betroffen ist, werden sie zur Nachrüstung eingeladen. In der Werkstatt dauert das Update dann etwa eine Stunde, wie Daimler-Chef Dieter Zetsche sagt. Bezahlen müssen Autobesitzer nichts, und die Teilnahme ist freiwillig. Motorleistung und Verbrauch sollen sich dadurch nicht verschlechtern, versichern die Konzerne.

          Muss ich mein Auto nachrüsten lassen?

          Das hängt davon ab, ob es sich um einen freiwilligen oder einen behördlich angeordneten Rückruf handelt. In letzterem Fall kann der Verlust der Zulassung drohen, wenn das Fahrzeug nicht bis zur einer Frist auf den geforderten Stand gebracht wird. Die von der deutschen Autoindustrie zugesagten Software-Updates sind vor allem freiwillige Maßnahmen. Bei einigen VW-Dieselautos, die mit einer illegaler Software ausgestattet sind, hat das Kraftfahrtbundesamt allerdings eine verpflichtende Nachrüstung angeordnet.

          Und was ist mit älteren Autos?

          Ein Software-Update ist für ältere Dieselautos mit den Abgasgrenzwerten Euro 4 und niedriger nicht vorgesehen - obwohl diese mehr als 40 Prozent des Fahrzeugbestandes in Deutschland ausmachen. Die Hersteller schaffen aber Anreize für Kunden, ältere Diesel gegen neue, relativ saubere Modelle oder E-Autos auszutauschen. Ford hatte schon einen Tag vor dem Gipfel angeboten, Kunden mit einem Ford-Diesel der Euro-Norm 1, 2 oder 3 mit Zulassungsdatum bis 2006 eine Prämie bis zu 8000 Euro zu zahlen, wenn sie bis Ende des Jahres einen Neuwagen beim Ford-Händler kaufen. BMW bietet Besitzern von Diesel-Pkw der Euro-Norm 4 oder älter bis zu 2000 Euro Rabatt, wenn sie einen Elektro-, Hybrid- oder Diesel-Neuwagen kaufen - die Aktion ist ebenfalls bis Ende des Jahres beschränkt.

          Ändert sich durch die Softwareaktualisierungen die Leistung der Autos?

          Die Hersteller sagen: nein. Zudem haben sie sich in der Erklärung zum Diesel-Gipfel verpflichtet, das auch sicherzustellen. Dort heißt es: Für die Freigabe der Nachrüstungen sei „der Nachweis zu erbringen, dass alle anderen typengenehmigungsrelevanten Parameter wie der Schadstoff- und CO2-Ausstoß, der Kraftstoffverbrauch, Geräusche und die Motorleistung nicht negativ verändert werden. Zudem hat sich die Autoindustrie auf dem Gipfel verpflichtet, die Gewährleistung für Bauteile im Motor zu übernehmen, die nach der Softwareaktualisierung auf andere Weise beansprucht werden. Um möglicherweise auftretende Fragen und Streitfälle in diesem Zusammenhang soll sich ein neu eingerichteter Verbraucherbeirat beim Kraftfahrtbundesamt kümmern.

          Sind mit dem Gipfel Fahrverbote vom Tisch?

          Kritiker sagen: auf keinen Fall. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dagegen hält die Gefahr von Fahrverboten für weitgehend gebannt. Doch auch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat ihre Zweifel. Es dürfte davon abhängen, wie viel nachgerüstet wird und wie viele alte Autos von den Straßen verschwinden. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) fürchtet weiterhin Fahrverbote. Die bayerische Landeshauptstadt werde die Wirksamkeit der beschlossenen Maßnahmen zeitnah mit eigenen Messstationen überprüfen. Ein Gericht in Stuttgart hat - vor dem Gipfel - geurteilt, dass Nachbesserungen womöglich nicht ausreichen, um die EU-Grenzwerte für Stickoxide in der Atemluft überall einzuhalten. Das muss aber letztlich das Ziel sein, sonst könnte es sein, dass Gerichte Fahrverbote erzwingen. Ob es dafür eine ausreichende rechtliche Grundlage gibt, ist umstritten - ein neues Gesetz dazu wird es vor der Bundestagswahl nicht geben.

          Sind Software-Updates schon alles?

          Die Autoindustrie lehnt technische Umrüstungen wie etwa den Einbau größerer Harnstofftanks zur Abgasreinigung ab. Mit Rufen nach weitergehenden Umrüstungen direkt an Motorbauteilen ist die Politik ziemlich abgeblitzt - zur hellen Empörung von Umweltschützern und Opposition. „Wir halten es für ausgeschlossen, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen“, formuliert VW-Boss Matthias Müller nur kühl. Seine Ingenieure wolle er gern zukunftsorientiert arbeiten lassen - und nicht an Motoren, die 10 und 15 Jahre alt sind. Hendricks sowie Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) sagen allerdings, das Thema sei nicht vom Tisch. Nun sollen auch Expertenrunden darüber beraten. Der ADAC fordert eine verpflichtende technische Nachrüstung mit Bauteilen "wo es technisch machbar und finanziell angemessen ist". Damit ließen sich bei modernen Dieselfahrzeugen der Euro-Klassen 5 und 6 Emissionen „nachweislich um bis zu 90 Prozent reduzieren“.

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