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Kommentar zum Abgasskandal : Trickser und Abgreifer

Bild: dpa

Die Automobilindustrie gibt sich gerne grüner als die Grünen. Wenn man der Branche zuhört, könnte man glauben, Dieselmotoren reinigten sogar die Luft. Die Autohersteller ruinieren gerade ihren früher guten Ruf so gründlich wie zuvor die Banken.

          Ist der Betrug von Volkswagen durch die Software-Manipulation von Dieselmotoren eine Katastrophe für die deutsche Automobilindustrie? Oder hätte der wichtigsten Branche in unserem Industrieland nichts Besseres passieren können? Der untaugliche Versuch der anderen Hersteller, mit VW nicht in einen Topf geworfen zu werden, gibt nur scheinbar eine klare Antwort.

          Wie man heute weiß, tricksen fast alle in dieser Branche. Fiat soll ähnlich wie VW die Abgasreinigung abgeschaltet haben, nur auf technisch anderem Wege. Von anderen Herstellern wurde von einer bestimmten Temperatur an die Abgasreinigung nach unten gedimmt.

          Das mag den fragwürdigen Regeln für normierte Abgastests im Labor entsprechen. Aber das ist das Gegenteil der Versprechungen der Automobilindustrie, die sich grüner als die Grünen gibt, seitdem Verbandspräsident Matthias Wissmann die IAA als ökologische Messe zelebriert. Die Dieselmotoren reinigten sogar die Luft, tönte die Branche, obwohl nicht nur das vom Feinstaub geplagte Paris überlegt, die Stadt für Dieselfahrzeuge zu sperren.

          Auch Leute „mit Benzin im Blut“ wollen Dieselabgase nicht einatmen, aber nur wegen der Stickoxide, wie sie beteuern. Wer das als Luftreinigung bezeichnet, darf sich nicht wundern, wenn ihm keiner glaubt. In Wahrheit verbrauchen die Autos mehr und stoßen mehr Schadstoffe aus, als den Kunden seit Jahren verkauft worden ist.

          Die Autohersteller ruinieren gerade ihren früher guten Ruf so gründlich wie zuvor die Banken. Jetzt betteln sie sogar um Staatshilfe und eifern auch hier den Banken nach. Den Hebel für die Staatskasse liefert ausgerechnet der Dieselskandal. Die große Koalition plant nach der Abwrackprämie in der Finanzkrise nun die Elektroprämie in der Dieselkrise. Die Regierung will eine Branche subventionieren, die Milliarden verdient und es nicht schafft, attraktive Elektroautos zu entwickeln, die viele Kunden gerne kaufen. Im ordnungspolitisch orientierungslosen Berlin kann sich danach die nächste Branche melden, um Absatzhilfen vom Staat zu fordern.

          Der größte Verlust in der Geschichte von VW passt dazu wie die Faust aufs Auge. Für so etwas streicht der Vorstand bei kleinen Abstrichen ungerührt seine Boni ein, als wären betrogene Kunden und das halbierte Eigentümervermögen eine „Leistung“. Zu so einer „Unternehmenskultur“ passt ein Abgreifer an der Spitze, der sich einen Bonus von 20 Millionen Euro garantieren ließ, bevor er vom Vorstand in den Aufsichtsratsvorsitz wechselt, angeblich, um bei VW aufzuräumen.

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