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Absprachen-Verdacht : Die doppelte Kronzeugin im Autokartell

Christine Hohmann-Dennhardt, ehemals Daimler und VW. Bild: Imago

Hinter den Selbstanzeigen von Daimler und VW steckt offenbar ein und dieselbe Person: Christine Hohmann-Dennhardt war an beiden Tatorten. Der Gelackmeierte im Spiel ist BMW.

          Viel wurde geredet und noch mehr geraunt über ein angebliches Kartell der deutschen Autohersteller, seit im Sommer publik wurde, dass BMW, Daimler und VW (samt Audi und Porsche) in trauten Zirkeln Absprachen getroffen haben – womöglich zum Schaden von Kunden wie Zulieferern. Bewiesen ist nichts, noch nicht einmal ein formelles Verfahren wurde bisher eröffnet. Man bewegt sich in einer Grauzone zwischen dem, was üblich und zulässig ist an Absprachen, um gemeinsame Standards festzusetzen, und dem Punkt, an dem die Kriminalität beginnt. BMW hatte deshalb Besuch von Ermittlern, wie der Konzern am Freitag berichtete.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Daimler hat gleichzeitig erstmals offiziell bestätigt, dass der Konzern eine Art Selbstanzeige erstattet hat bei den EU-Wettbewerbsbehörden, um als Kronzeuge möglichst billig davonzukommen. Damit waren die Schwaben schneller als die reuigen Sünder von Volkswagen, von denen das offizielle Bekenntnis zur Selbstanzeige noch aussteht. In dem Fall unentdeckt blieb bisher, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt, welche die Kronzeugenregel gleich zweimal bemühte; erst im Auftrag von Daimler, dann in Diensten von VW.

          Christine Hohmann-Dennhardt, die ehemalige Verfassungsrichterin und Ex-SPD-Politikerin, war als Managerin an beiden Tatorten an vorderster Front zugange. In Stuttgart wie Wolfsburg war sie nacheinander im Vorstand für Recht und Ordnung zuständig; in den Jahren von 2011 bis 2015 für Daimler, 2016 dann für Volkswagen, geholt als vermeintliche Wunderwaffe für die diversen juristischen Schlachten, in die der Konzern nach dem Diesel-Skandal verstrickt war (und immer noch ist).

          Es gab schon mal mehr Vertrauen

          In Hohmann-Dennhardts Zuständigkeit als Daimler-Vorstand fiel es, einen „Antrag auf Bußgeldimmunität“, so der korrekte Titel der Selbstanzeige, an die Wettbewerbshüter zu schicken. Nachdem dies erledigt war, wechselte sie nach Wolfsburg. Kein halbes Jahr später, im Sommer 2016, hat sich auch VW der „Beteiligung an mutmaßlichen Kartellverstößen“ selbst bezichtigt. Wieder ging es darum, als Kronzeuge geschont zu werden. Ob damals nur Hohmann-Dennhardt wusste, dass Mercedes schneller war, oder der gesamte VW-Vorstand, darüber gehen die Ansichten auseinander. Klar ist: Der Gelackmeierte in dem Spiel war der dritte beteiligte Konzern, BMW.

          Als Daimler und Volkswagen im Geheimen schon ihre Sünden angezeigt hatten, liefen die anstößigen Gespräche zwischen den Herstellern nämlich weiter – geradeso, als wäre nichts geschehen. Entsprechend böse war die Überraschung für die BMW-Manager, als die Selbstanzeigen ruchbar wurden. „Wir waren irritiert“, sagt BMW-Vorstand Markus Duesmann, der selbst mit den Kollegen der anderen Konzerne am Tisch saß. „Im Rückblick ist es ein komisches Gefühl, dass wir mit den Wettbewerbern über Zusammenarbeit redeten, während deren Juristen die Zusammenkünfte schon bei den Wettbewerbsbehörden angezeigt hatten.“ Die Lust der Bayern an vertieften Kooperationen hat der Vorfall sicher nicht gefördert. Bestehende Verträge, etwa die Einkaufskooperation zwischen BMW und Mercedes, werden zwar weiterverfolgt. Neue Kooperationen aber liegen auf Eis. Es gab schon einmal mehr Vertrauen zwischen den Konkurrenten.

          Und was macht Frau Hohmann-Dennhardt heute? Sie privatisiert. In Wolfsburg ging es nicht lange gut zwischen den VW-Automännern und der Juristin. Nach einem knappen Jahr schied sie im Streit aus, belohnt mit mehr als zwölf Millionen Euro Abfindung.

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