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Italienischer Hersteller : Fiat-Chrysler will auf Dieselmotoren verzichten

In den Vereinigten Staaten gibt es eine offizielle Untersuchung dazu, ob in Abgastests für den Geländewagen Grand Cherokee geschummelt wurde. Bild: AP

Die Abgasvorschriften für Diesel werden immer strenger. Das wird Fiat-Chrysler jetzt angeblich zu teuer. Doch hinter dem Diesel-Aus könnte auch ein anderer Grund stecken.

          Der Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) will nach 2022 keine Dieselmotoren mehr in seine Personenwagen einbauen. Dies berichten die italienischen Medien, die üblicherweise gut über Fiat informiert sind, und berufen sich offiziell auf eine Nachrichtenquelle aus Großbritannien. Begründet wird die Entscheidung von FCA angeblich mit den immer höheren Kosten für die Erfüllung der Umweltstandards für die Dieselmotoren und mit einer sinkenden Nachfrage nach Dieselautos.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Allerdings zeigen ausgerechnet die Daten des Fiat-Konzerns in eine andere Richtung: Bei Fiat-Chrysler sei der Anteil der Autos mit Dieselmotoren zuletzt leicht gestiegen, von 40,4 Prozent im Jahr 2016 auf 40,6 Prozent im vergangenen Jahr, berichtet die Turiner Zeitung „La Stampa“, die bis vor kurzem zum FCA-Konzern gehörte. In Italien sei der Dieselanteil mit 56 Prozent weitaus höher als in Europa mit 43 Prozent.

          Die Details der künftigen Strategie will FCA erst bei einer Analystenkonferenz im Juni vorstellen. Allerdings ist der Plan überschattet von der Ankündigung, dass der Geschäftsführer des Konzerns, Sergio Marchionne, in einem Jahr seine Position aufgeben wird, und die Verwirklichung des nächsten Drei-Jahres-Plans seinem Nachfolger überlassen wird.

          FCA tut sich schwer mit Abgasreinigung

          Keiner der italienischen Fachleute hat bisher jedoch die Frage analysiert, ob der Rückzug vom Dieselmarkt für FCA einfach nur eine bequeme Antwort auf brennende Fragen ist: FCA ist sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten in den Verdacht geraten, mit den Grenzwerten für die Dieselabgase allzu sorglos umgegangen zu sein. Der kompakte SUV 500X hat zwar die offiziellen Abgastests bestanden, war aber in einer Prüfung des deutschen Umweltbundesamtes negativ aufgefallen. Dort waren diverse Modelle auf Schummelsoftware zur Erkennung von Labortests untersucht worden.

          Zu den Methoden gehörte auch die Ausführung von zwei Abgastests hintereinander. Dabei hatte der Fiat nur im ersten Test die Bedingungen erfüllt und im zweiten die Grenzwerte weit überschritten. Das brachte Fiat den Verdacht ein, dass die Abgasreinigung nach dem Ablauf des ersten Tests, etwa 20 Minuten, abgeschaltet sein könnte. In den Vereinigten Staaten gibt es eine offizielle Untersuchung dazu, ob in Abgastests für den Geländewagen Grand Cherokee geschummelt wurde. Ungereimtheiten gibt es auch beim kleineren Geländewagen Cherokee. Der wiegt mindestens 1800 Kilogramm und hat für Dieselmotoren mit 170 PS keinen geregelten SCR-Katalysator zur Entfernung von Stickoxiden aus dem Abgas, während bei Volkswagen der gleich große, aber 300 Kilogramm leichtere „Tiguan“ schon ab 150 PS mit einem SCR-Katalysator ausgestattet werden muss.

          Zugleich tut sich Fiat-Chrysler schwer mit einer effizienten Abgasreinigung seiner Dieselmotoren, weil seit Jahren die Investitionsbudgets beschnitten wurden, um die Verschuldung des Konzerns zu senken. „Auch in den kommenden zwei Jahren wird es keine substantiellen Neuheiten geben“, ist von gut informierten Fachleuten zu hören. Die bisher verwendeten Dieselmotoren sind jedoch in ihrer grundlegenden Architektur zum Teil mehr als zehn oder zwanzig Jahre alt. Deren Anpassung an die immer strengeren Abgasvorschriften ist besonders aufwendig. Im Gegensatz zeigte Mercedes auch auf dem Feld der Dieselmotoren, dass eine milliardenteure Neuentwicklung mit einer grundlegend erneuerten Architektur die Abgasreinigung erleichtern kann. Doch gerade diesen Aufwand kann sich Fiat-Chrysler mangels finanzieller Mittel sowie mangels rentabler Stückzahlen und Verkaufspreise nicht leisten.

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