https://www.faz.net/-gqe-9goi7

Fahrverbote in Deutschland : Der Diesel im Griff der Elite

Bald dieselfrei? Wie geht es weiter mit der A 40? Hier die Auffahrt Essen-Holsterhausen im Berufsverkehr. Bild: dpa

Wieder wurden bei einer Entscheidung zum Diesel-Fahrverbot die Leute auf dem Land vergessen, die sich das Leben in der Stadt oft nicht leisten können. Für sie ist der Diesel eine soziale Frage. Ein Kommentar.

          Im Triumph entlarvt sich der Chef der „Deutschen Umwelthilfe“. Das vom Gericht angeordnete Fahrverbot für ältere Dieselautos auf der A 40, der zentralen Verkehrsader des Ruhrgebiets, gehe in die Geschichte ein, weil erstmals eine Autobahn, also das „Symbol der Mobilität in Deutschland“ einbezogen werde, jubelt Jürgen Resch, Geschäftsführer der „Umwelthilfe“. Jetzt zeigt sich, worum es diesem Lobbyisten- und Abmahnverein wirklich geht. Der motorisierte Individualverkehr soll abgeschafft werden. Das erklärt die Jagd auf Dieselfahrer, die nichts anderes getan haben, als vor einiger Zeit, meist für viel Geld, einen ordnungsgemäß zugelassenen Diesel gekauft zu haben.

          Die urbane, gutbezahlte, mondäne Elite in den Boomstädten beklatscht das Treiben der „Umwelthilfe“. Nehmt doch das Lastenrad zum Einkauf, ruft diese Elite den oftmals einkommensschwächeren Pendlern zu, bevor sie für den Wochenendtrip vielleicht den Flieger nach New York besteigt. Leider gingen willfährige Politiker dieser Gruppe auf den Leim, im Irrglauben, es handle sich um eine gesamtgesellschaftliche Bewegung. Wieder wurden die Leute auf dem Land vergessen, die sich das Leben in der Stadt oft nicht leisten können. Wie soll denn eine Polizistin oder ein Krankenpfleger etwa Frankfurter Mieten bezahlen?

          Nur Speckgürtel und Ballungsräume am Bahnnetz

          Für diese große Bevölkerungsgruppe ist der Diesel eine soziale Frage, denn sie müssen rechnen, ob sie einen neuen Wagen finanzieren können. Nehmt doch Bus oder Bahn, bekommen sie dann von der „grünen“ Elite zu hören. Doch erstens ist nur der Speckgürtel um Ballungsräume an das Bahnnetz angeschlossen, wenn überhaupt. Zweitens ist der öffentliche Nahverkehr morgens und abends längst hoffnungslos überlastet. Drittens ist das Auto nicht mal eben so ersetzbar, weil 75 Prozent aller im Land zurückgelegten Kilometer mit Autos oder Motorrädern gefahren werden.

          Die „Umwelthilfe“ ist übrigens gar nicht „grün“. Für das Weltklima ist zu viel Kohlendioxid eine Gefahr, heißt es – ein Umstieg von Diesel auf Benzin treibt jedoch den CO2-Ausstoß um ein Fünftel nach oben. Leider haben Verwaltungsrichter und Umweltbeamte jede Verhältnismäßigkeit und Maß und Mitte verloren. Durch geringfügige Überschreitung von fragwürdigen EU-Grenzwerten drohen Fahrverbote in ganzen Städten. Dabei wird die Luft seit Jahren (gemessen!) besser, obwohl deutsche Messstellen übereifrig nah am Auspuff aufgestellt wurden. Inzwischen erkennt sogar die „grün“ bewegte Kanzlerin, dass der Diesel-Wahn die CDU viele Stimmen kostet. Doch was folgt daraus?

          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln und somit zur ganzen Vielfalt von FAZ.NET – für nur 2,95 Euro pro Woche

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Ausstand bei Amazon Video-Seite öffnen

          Tarifkonflikt seit 2013 : Ausstand bei Amazon

          Der Tarifkonflikt bei Amazon dauert in Deutschland bereits seit 2013 an. 300 Mitarbeiter sind am Dienstag wieder in Werne auf die Straße gegangen. Die Kunden müssten sich keine Sorgen um ihre Geschenke machen, erklärte das Unternehmen.

          Topmeldungen

          Umweltschutz : EU verbietet Einweg-Plastik

          Riesige Mengen Plastikmüll landen jedes Jahr in den Ozeanen. Nun plant die Europäische Union drastische Gegenmaßnahmen. Etliche Alltagsprodukte sollen verschwinden.

          F.A.Z. exklusiv : VW streicht seinen Managern individuelle Boni

          Ab dem nächsten Jahr will Volkswagen die Boni seiner Top-Manager am Konzernergebnis und am Aktienkurs ausrichten. Bei Verstößen gegen die Unternehmenskultur soll es zudem möglich werden, gezahlte Vergütungen zurückzufordern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.