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F.A.S. exklusiv : „Hunderttausende Menschen werden kalt enteignet“

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann während der Kundgebung am 1. Mai in Stuttgart. Bild: dpa

IG-Metall-Chef Hofmann warnt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor pauschalen Fahrverboten und erklärt, warum Deutschland auf Elektroautos setzen sollte.

          Die Führung der Gewerkschaft IG Metall reagiert bestürzt auf die Zulässigkeit von Diesel-Fahrverboten. „Ich bin mit Vehemenz gegen pauschale Fahrverbote, wenn sie kurzfristig eingeführt werden, sich die Leute darauf nicht einstellen und nicht dagegen wehren können“, sagt IG-Metall-Chef Jörg Hofmann der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Hunderttausende Verbraucher werden dadurch um den Wert ihres Fahrzeuges betrogen, das heißt Hunderttausende Menschen werden kalt enteignet. Die Pendler, die auf ihr Auto angewiesen sind, trifft es besonders hart.“

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In dem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beklagt Hofmann auch eine „höchst unlautere Skandalisierung des Automobils“. Dahinter stecken nach seinen Worten „vermeintliche Ökogruppen“, von denen „abstruse Dinge zu hören“ sind, wenn etwa behauptet werde, dass Autoabgase Menschenleben töten. Schuld an der Krise der Autobranche habe aber die Industrie selbst, betont Hofmann: „Jahrelang wurden die wahren Verbrauchswerte der Autos nicht ausgewiesen und so Kundeninteressen ignoriert.“

          „Diesel-Gipfel wird kein Kaffeekränzchen“

          Die Zukunft der Branche sieht er in der Elektromobilität. „Wir wollen hier in Deutschland die Autos für die Mobilität der Zukunft bauen. Da führt an Elektroautos nichts vorbei, also müssen wir dafür kämpfen, dass möglichst viele davon aus den Fabriken unserer Hersteller kommen“, sagte Hofmann. „Als IG Metall müssen wir die Treiber für den technischen Fortschritt sein, und gleichzeitig den Transformationsprozess sozial gestalten.“

          Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) warnte die deutschen Hersteller vor dem mit viel Spannung erwarteten „Diesel-Gipfel“ am kommenden Mittwoch derweil vor naiven Hoffnungen. „Der Diesel-Gipfel wird kein gemütliches Kaffeekränzchen“, sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „Wir werden den Autoherstellern einen Forderungskatalog vorlegen. Und dann wird die Branche erklären müssen, wie sie sich dazu verhält.“ Sie erwarte neben Software-Updates auch eine Nachbesserung der Hardware bei betroffenen Fahrzeugen auf Kosten der Hersteller.

          Auch der Automobilclub ADAC sprach sich für eine solche Nachrüstung aus. „Nachrüstung bringt einen höheren Effekt als ein Software-Update“, sagte ein Sprecher der F.A.S.: „Das hat der ADAC getestet.“ Ein reines Software-Update bringe an den Messstellen in den Städten nur eine Stickoxid-Minderung um weniger als zehn Prozent.

          Wichtig sei allerdings, dass für die neu eingebauten Teile auch die volle Herstellergarantie gelte. Gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) trifft Hendricks beim „Nationalen Forum Diesel“ am Mittwoch in Berlin die Chefs der deutschen Autohersteller. Teilnehmen werden auch Ministerpräsidenten betroffener Länder.

          Während dieses Gipfels wollen die deutschen Autohersteller einen „Mobilitätsfonds“ anbieten, wie die F.A.S. aus mit den entsprechenden Verhandlungen betrauten Kreisen erfahren hat. Hinter dem Fonds steckt demnach die Idee, dass Staat und Wirtschaft gemeinsam die Städte in die Lage versetzen, die Luft sauberer zu halten.Um die Details wird an diesem Wochenende in Berlin noch gerungen, was vor allem heißt: Wer wie viel in den Topf einzahlt. Die Hersteller untereinander sind in dem Punkt noch nicht auf einer Linie.

          Insgesamt ist von einem dreistelligen Millionenbetrag die Rede. In einem ersten Schritt sind damit Studien für Verkehrsleitsysteme zu finanzieren, je nach Herausforderung der Kommune. In einem zweiten Schritt können die Bürgermeister Geld abrufen, um beispielsweise ihre Busflotte ökologisch aufzurüsten oder Parkplätze für Elektroautos zu bauen.

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