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Abgasskandal : Australien verklagt jetzt auch Audi

  • Aktualisiert am

12.000 Audi-Fahrzeuge sollen in Australien betroffen sein. Bild: EPA

Australische Behörden fordern Audi zu Entschädigungszahlen an vom Abgasskandal betroffene Kunden auf. Kanzlerin Angela Merkel sagt unterdessen heute vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags aus.

          Volkswagen droht im Abgasskandal weiteres Ungemach in Australien. Die Verbraucherschutzbehörde ACCC verklagte am Mittwoch die Konzerntochter Audi im Skandal um manipulierte Abgaswerte. Demnach wirft die Behörde dem Mutterkonzern VW vor, in 12.000 Fahrzeugen eine Software eingebaut zu haben, die bei standardisierten Tests für einen niedrigeren Ausstoß von schädlichen Stickoxiden sorgt. Volkswagen habe für Entwicklung und Einbau der Software in die Audi-Fahrzeuge gesorgt, lautet der Vorwurf.

          Die australische Behörde erklärte, Verbraucher vertrauten darauf, dass es eine Verbindung zwischen den Autos gebe, wie sie angepriesen würden und wie sie im Alltag funktionierten. Wenn dies auseinandergehe, sei das eine Verletzung des australischen Verbraucherschutzgesetzes. Die Behörde forderte Entschädigungszahlungen sowie eine korrigierte Werbung für die Audi-Fahrzeuge. Audi Australia erklärte, die von ACCC erhobenen Vorwürfe zu prüfen.

          Im September hatte die australische Behörde bereits VW verklagt. Damals waren 57.000 Fahrzeuge betroffen. Dem Autobauer droht in dem Land nun eine Strafe in Millionenhöhe. Volkswagen hatte im September 2015 zugegeben, weltweit elf Millionen Dieselfahrzeuge mit der Schummelsoftware ausgestattet zu haben.

          Kritik von der Linken

          Der Abgas-Untersuchungsausschuss des Bundestages befragt am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu dem Skandal. Die Abgeordneten wollen unter anderem klären, wann die Regierungschefin vom Diesel-Skandal bei Volkswagen erfahren hat und wie sie sich in die Aufklärung einschaltete. Thema der Anhörung, die um 14 Uhr beginnt, dürfte auch ein Treffen Merkels im Jahr 2010 mit dem damaligen kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger sein. Dabei soll sie zu strenge Schadstoff-Vorgaben für Diesel-Autos in den Vereinigten Staaten moniert haben.

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen

          Der Ausschuss-Vorsitzende Herbert Behrens (Linke) sagte, Merkel habe eine Verantwortung, bei einem Skandal in Sachen Auto-Emissionen Indizien aufzunehmen. Sollte sie wie Unternehmenschefs zu erklären versuchen, von allem nichts gewusst zu haben, wäre dies "ein nicht akzeptables Vorgehen für eine Bundeskanzlerin".

          Union sieht kein Staatsversagen

          Das Gespräch mit Schwarzenegger deute darauf hin, dass sich Merkel zur Anwältin für die Autoindustrie gemacht haben könnte, machte Behrens deutlich. Wenn sie 2010 auf Gefahren strenger Untersuchungen der Abgas-Emissionen hingewiesen habe, "dann darf sie im Jahr 2014, 2015, 2016 sich nicht zurückziehen und sagen, damit habe ich nichts zu tun". Die bei dem Treffen anwesende Chefin der kalifornischen Umweltbehörde Carb, Mary Nichols, hatte in ihrer Ausschuss-Anhörung bekräftigt, dass Merkel strenge amerikanische Diesel-Vorgaben angesprochen habe.

          Der auf Drängen der Opposition eingesetzte Ausschuss soll klären, was die Bundesregierung seit 2007 mit Blick auf Abgasregeln unternommen hat und wann sie von Manipulationen erfuhr. VW hatte eine verbotene Software eingesetzt. Dadurch war die Abgasreinigung nur während Tests in vollem Umfang aktiv und wurde ansonsten heruntergeregelt, so dass deutlich mehr Stickoxid (NOx) ausgestoßen wurde. Dies flog 2015 in den Vereinigten Staaten auf und führte zum Diesel-Skandal. Auch bei anderen Herstellern wurden später auffällige Abgaswerte bekannt. Seit Beginn der inhaltlichen Ausschuss-Arbeit im September 2016 wurden zahlreiche Experten, Beamte, amtierende und frühere Minister angehört.

          Unions-Obmann Ulrich Lange (CSU) sagte: "Auch nach der Befragung von 56 Zeugen und 13 Sachverständigen findet sich absolut kein Anhaltspunkt für das von der Opposition fast schon gebetsmühlenartig vorgehaltene Staatsversagen." Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte dagegen, falsch verstandene Lobbypolitik der Bundesregierung habe Deutschland den größten Industrieskandal seiner Geschichte eingebrockt.

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