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Abgas-Skandal : Volkswagen hat Verbrauchsangaben frisiert

Bei den besonders umweltfreundlichen Blue-Motion-Modellen wurden CO2-Werte gefälscht. Bild: dpa

Der VW-Konzern räumt Betrug bei der Typenzulassung von Blue-Motion-Modellen ein. Bei 800.000 Autos wurden falsche Werte bei CO2- und Verbrauchsangaben gemacht. Erstmals ist auch von Benzinmodellen die Rede.

          VW hat am Dienstag eingeräumt, nun auch Fahrzeuge mit falschen Verbrauchsangaben typisiert zu haben. Hierbei geht es nicht um den bekannten Skandal mit die Abgaswerte von Dieselmotoren manipulierender Software, sondern um einen weiteren Tatbestand, der bislang nicht bekannt war. Im Rahmen der internen Untersuchungen fiel auf, dass von der Motorabteilung Verbrauchswerte zu niedrig angegeben wurden. Mit diesen Werten haben die Fahrzeuge ihre Typenzulassung bekommen.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung geht es in der Hauptsache um Modelle mit der Bezeichnung Blue Motion, die Volkswagen für seine Autos mit besonders niedrigem Verbrauch und damit besonders niedrigen CO2-Werten verwendet. Die Größenordnung der Abweichung ist beträchtlich. Als Beispiel wird in den Untersuchungsprotokollen der Golf Blue Motion genannt, der mit 90 Gramm CO2/km angegeben ist und tatsächlich mehr als 100 Gramm ausstößt. Betroffen sind rund 800.000 Fahrzeuge - überwiegend mit Dieselmotor - in Europa, viele davon in Deutschland.

          Es handelt sich nach Einschätzung der internen Revision nicht um einen technischen Defekt oder einen Eingriff in die Software, sondern schlicht um betrügerische Angaben. Da die Kunden dadurch aller Voraussicht nach einen Mangel oder Wandlung einfordern können, wird VW zusätzlich einen hohen Betrag zurückstellen müssen, nämlich rund 2 Milliarden Euro. Gleichzeitig finden Gespräche mit den Behörden statt, wie eine neue Typenzulassung zertifiziert werden kann. Die Fahrzeuge können bis dahin weiter genutzt werden. Die Ausweitung des Skandals bringt Volkswagen auch in Bezug auf die am Vortag bekanntgewordenen neuen Vorwürfe in Amerika weiter in die Defensive.

          Dort hatte die Umweltbehörde EPA das Verhalten von V6 Dieselmotoren moniert. Hierbei geht es um die Abgasemissionen in der Warmlaufphase, an denen die EPA bislang keinen Anstoß genommen hatte. Nun aber schon. VW kann die Kritik nicht nachvollziehen und hat jedwede Manipulation in diesem Bereich ausgeschlossen. Die gerügten Motoren sind dem Vernehmen nach im Zuge der Aufklärung des Abgasskandals intern auch bei VW getestet worden. Hinweise auf Manipulationen hätten die Techniker nicht gefunden.

          Auch Audi ging am Dienstag in die Öffentlichkeit, um die Zuspitzung der Krise mit der amerikanischen Umweltbehörde zu vermeiden. „Unsere Software ist gesetzeskonform“, sagte ein Sprecher. Ingenieure sind am Dienstag nach Amerika aufgebrochen um die Vorwürfe mit den Behörden zu besprechen. „Sollten technische Maßnahmen gefordert werden, werden wir diese umsetzen“, heißt es weiter. Die Angelegenheit ist pikant, weil dann auch größere Modelle von Audi und erstmals Porsche vom Skandal erfasst würden. Allerdings ist unter diesen Modellen (etwa VW Touareg oder Porsche Cayenne) der Anteil an Dieselmotoren in Amerika gering. Als die Behörde im September VW erstmals den Einsatz von Schummelsoftware vorwarf, war es noch um Autos mit Zwei-Liter-Dieselmotoren gegangen. Die neuen Beschuldigungen betreffen 10 000 verkaufte Autos sowie eine nicht bekannte Zahl von Fahrzeugen des kommenden Modelljahres

          Zu der neuen Hiobsbotschaft um die betrügerischen Verbrauchsangaben sagte der VW-Vorstandsvorsitzende Matthias Müller: „Ich habe mich von Anfang an dafür eingesetzt, dass wir die Geschehnisse schonungslos und vollständig aufklären. Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber er ist für uns ohne Alternative.“ Die Aktie von VW stand an der Börse unter Druck, erholte sich im Tagesverlauf und ging mit einem Minus von 1,5 Prozent bei 111 Euro aus dem Handel. Nach Bekanntwerden der Abgasmanipulationen im September hat sie ein Drittel an Wert eingebüßt.

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