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Sie fragen, wir antworten : Die Explosion der Mieten

Selbst in Großsiedlungen wird Wohnen immer teurer Bild: dpa

Wohnen wird immer teurer. Doch nicht jede Mieterhöhung muss man sich gefallen lassen. Unsere Leseraktion schafft Abhilfe, wir beantworten ihre Fragen und geben Hilfe.

          Berlin ist Weltmeister. Vor Izmir, Reykjavík, Vancouver und Hongkong. Richtig stolz dürfte die Hauptstadt darauf aber nicht sein wollen. Denn sie ist die Stadt mit dem höchsten Anstieg der Immobilienpreise auf der Welt, und das freut nicht alle. Um 20 Prozent kletterten die Preise von 2016 auf 2017 nach einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Knight Frank unter 150 Städten, seit 2004 um 120 Prozent. Unter den Top 10 finden sich weitere deutsche Städte. Auch in Hamburg, München und Frankfurt stiegen die Preise zweistellig.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei den Mieten ist die Entwicklung nicht ganz so dramatisch. Aber trotzdem schmerzlich. Nach Daten des Immobilienverbands Deutschland erhöhten sich die Mieten 2017 in 370 untersuchten Städten um etwa 2,3 Prozent, Berlin ragt mit einem Zuwachs um sechs Prozent auch hier heraus. Teilweise haben sich die Mieten in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Viele einkommensschwache Menschen, aber auch junge Familien finden keine bezahlbare Wohnung mehr. Hauptgrund: Immer mehr ziehen vom Land in die Stadt, wo zwar stetig mehr, aber immer noch zu wenig zusätzliche Wohnungen entstehen – sei es aufgrund fehlenden Baulandes, bürokratischer und gesetzlicher Hürden, gestiegener Baukosten oder voll ausgelasteter Bauunternehmen. Die Folge: Es fehlen Wohnungen, und die Preise und Mieten steigen.

          Doch Mieter sind dem nicht schutzlos ausgeliefert. Nicht jede Mieterhöhung ist erlaubt. Sie muss gewisse Formvorschriften einhalten, sonst ist sie unwirksam. Die Miete darf auch nicht beliebig angehoben werden. Bei Bestandsmieten sind innerhalb von drei Jahren nur Erhöhungen um 15 oder 20 Prozent erlaubt, je nach Stadt. Auch der örtliche Mietspiegel muss beachtet werden. Bei Neuvermietungen gilt seit 2016 die Mietpreisbremse für angespannte Wohnungsmärkte. Die Mieten dürfen dabei nicht mehr als zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. 313 von etwa 11.000 Städten haben die Preisbremse aktiviert, aber nicht immer läuft das konfliktfrei. In Frankfurt hat sie das Landgericht gerade erst in einem bestimmten Fall für unwirksam erklärt. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen wurde die Mietpreisbremse nach Regierungswechseln mit Beteiligung der FDP wegen vermeintlicher Erfolglosigkeit wieder abgeschafft. Auch für Sanierungen an der Immobilie gibt es Regeln, wie stark sie auf die Miete umgelegt werden können.

          Neun Anwälte beantworten Ihre Fragen

          Bei solchen Mieterhöhungen gibt es regelmäßig Streit zwischen Mietern und Vermietern. Aber auch bei Kündigungen wegen Eigenbedarf, die die Mieter ungewollt zum Umzug in eine derzeit oft teurere Wohnung zwingen. Was dabei erlaubt ist und was nicht, können Mieter und Vermieter in der Leseraktion der F.A.S. erfahren, die am diesem Sonntag, dem 22. April, stattfindet. Neun Juristen beantworten über Telefon und in unserem neuen „FAZlive“-Format auf FAZ.net und Facebook Ihre Fragen.

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