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Diebstahl an der Zapfsäule : Autofahrer tanken immer öfter ohne zu bezahlen

Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden 2011 mehr als 85.000 Tankbetrugs-Delikte bei der Polizei angezeigt. Bild: dapd

Liegt es an den hohen Spritpreisen? Im vergangenen Jahr tankten an den 14.100 Tankstellen in Deutschland so viele Menschen wie noch nie, ohne zu bezahlen. Als Faustregel gilt: Je größer und anonymer die Stadt, desto mehr Delikte je Einwohner.

          Die hohen Preise für Benzin und Diesel verführen offenbar immer mehr Autofahrer dazu, beim Tanken auf das Bezahlen zu verzichten. Im vergangenen Jahr tankten an den 14.100 Tankstellen in Deutschland so viele Menschen wie noch nie, ohne zu bezahlen. Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden mehr als 85.000 Tankbetrugs-Delikte bei der Polizei angezeigt. Schon im Jahr zuvor war ein Anstieg der Ermittlungsverfahren um 10 Prozent auf knapp 80.000 Fälle verzeichnet worden.

          Tankstellenbetreiber befürchten noch mehr Zechpreller

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Nach Recherchen des Internet-Autoportals auto.de ereigneten sich beinahe die Hälfte der Betrugsfälle, nämlich rund 36.000, in den größeren Städten. Vereinfacht lasse sich feststellen: Je größer und anonymer die Stadt, desto mehr Delikte je Einwohner. Unter den „Betrugs-Hochburgen“ befänden sich überdurchschnittlich viele Städte mit 200.000 Einwohnern oder mehr, heißt es in der Untersuchung des Portals. Die Tankstellenbetreiber befürchteten in diesem Jahr wegen der weiter gestiegenen Spritpreise abermals einen Anstieg der Betrugsfälle. Die Preise von Superbenzin stiegen von 2010 auf 2011 um durchschnittlich 10 Prozent, bei Diesel sogar um fast 16 Prozent. Der Mineralölwirtschaftsverband gibt den Preis eines Liters Superbenzin für 2011 mit 1,56 Euro an (2010: 1,44 Euro) und von Diesel mit 1,42 Euro (2010: 1,24 Euro).

          Besonders hoch liegt beim Tankbetrug nach Einschätzung der Polizeibehörden die Dunkelziffer. Nach Erkenntnissen des Internetportals werden allenfalls 20 Prozent der Tankbetrugsfälle angezeigt. Insofern dürfte die tatsächliche Zahl des „Tankens ohne zu bezahlen“ etwa fünfmal so hoch wie die der Ermittlungsverfahren liegen, also nicht weit entfernt von einer halben Million. Der Schaden läge dann statt der offiziell vom Bundeskriminalamt genannten 5,75 Millionen Euro (2010: 4,43 Millionen Euro) bei fast 30 Millionen Euro.

          Die Hochburgen des Tankbetrugs

          Nach der Studie von auto.de tanken die meisten Benzinbetrüger in Solingen. Statistisch betrachtet wird jede Solinger Tankstelle 22 Mal im Jahr von Tankbetrügern heimgesucht, fast zweieinhalb mal so oft wie in anderen Städten. Fast genauso sehr belastet sind Tankstellenbetreiber in Leipzig, die 2011 durchschnittlich 21 Mal von Tankkunden betrogen wurden. Hinter Bottrop auf Platz vier in der Rangfolge steht dann Berlin, wo 2011 mehr als 6200 Tankstellen-Betrügereien angezeigt wurden. In der Statistik des Bundeskriminalamts gilt hingegen Köln als Hochburg der Tankbetrüger. Auf 100.000 Bürger kommen hier 244 Fälle. Dahinter folgt Wiesbaden mit 190 Fällen. Platz drei teilen sich Berlin und Gelsenkirchen mit 180Fällen, vor Hamburg (158). Am wenigsten betrogen wird danach in Bielefeld (64), München (66), Karlsruhe (67) und Stuttgart (69).

          Trotz Kameraüberwachung an Tankstellen liegt die polizeiliche Aufklärungsquote der Tankdelikte deutschlandweit nur bei 43,7 Prozent - allerdings mit großer Schwankungsbreite in den Ländern: So variieren die Quoten zwischen 55,1 Prozent (Hessen) und 25,9 Prozent (Berlin). Von den mehr als 31.000 ermittelten Tatverdächtigen waren 78 Prozent Männer. Fahranfänger und Rentner sind unter den Delinquenten unterrepräsentiert.

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