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Die Woche der Wahrheit : Facebook zeigt sein wahres Gesicht

Mark Zuckerberg ist kein guter Geschichtenerzähler, er ist ein Nerd. Ein steifer Kerl in Badelatschen. Chris Cox ist das Gegenteil eines Nerds. Cox sieht aus wie der junge George Clooney. Der 29-jährige Cox arbeitet auch bei Facebook. Er ist nicht besonders wichtig, weil bei Facebook Mark Zuckerberg alles allein entscheidet, aber im Investorenfilm, in dem Facebook für den Kauf der Aktie warb und der bei Youtube von Zehntausenden angeguckt wurde, ist Cox fast die Hälfte der dreißig Minuten mit locker aufgeknöpftem Hemd im Bild und erzählt, wie Facebook die Menschheit miteinander verbandelt und zu idealen Zielen für die Werbeindustrie macht. „Facebooks neuer Star!“, jubelte CNN. Die „New York Times“ berichtete von Facebooks Güte, aus Verbundenheit zu den Mitgliedern des Netzwerks auch ganz normalen Privatpersonen Aktien zuzuteilen: eine bodenständige Firma!

Zuckerberg brauchte die Masse für den Hype um die Aktie, denn aus dem Datenraum des Firmensitzes am Menlo Park hatte er längst Bescheid bekommen, dass auch das zweite Quartal mies lief. Das Handy-Problem war größer geworden. Schon die Börsenaufsicht hatte Zuckerbergs Anwälte in scharfen Worten dazu drängen müssen, im Börsenprospekt Facebooks Handy-Schwäche nicht mit dem Halbsatz abzutun, dies könnte das Ergebnis „negativ beeinflussen“. Die Anwälte wollten nicht recht, machten ihrerseits der Aufsichtsbehörde Druck. Der Börsengang musste her, und zwar schnell.

Investoren zocken gerne

Als Mark Zuckerberg im Kapuzenpulli kurz vor dem Börsengang in New York vor potentielle Investoren tritt, gehen warnende Stimmen unter. Mit Facebook sei kein Geld zu machen, schrieb die „Chicago Sun Times“ - und porträtiert am Folgetag den süßen Firmen-Star Chris Cox. Währenddessen unterrichten die Facebook-Manager ihre Konsortialbanken von den schwächeren Umsatzzahlen. Die Analysten von Morgan Stanley, Goldman Sachs und J.P. Morgan fahren ihre Prognosen herunter und warnen ausgewählte Kunden. Den Rest ermutigen sie, fleißig Aktien zu ordern - und legen später den Preis am maximal oberen Ende der Spanne fest: 38 Euro.

Am Tag des Börsengangs kauft die Masse. Die Insider hingegen, frühe Investoren wie Pay-Pal-Gründer Peter Thiel, die im Aufsichtsrat von Facebook saßen und am Börsengang beteiligte Banken, die interne Zahlen von Facebook gesehen hatten, verkaufen. Der russische Internet-Investor Yuri Milner schlägt drei Viertel mehr Aktien los als ursprünglich geplant und kassiert 2,4 Milliarden Dollar. Der gebürtige Frankfurter Thiel, der 2004 für 10 Prozent an Facebook eine halbe Million Dollar zahlte, geht mit gut 600 Millionen nach Hause. Die Investmentbank Goldman Sachs, die den hohen Börsenpreis mit festgelegt hatte, verkauft doppelt so viele Anteile wie angekündigt und holt für ihre wohlhabende Klientel 1,1 Milliarden raus. Zuckerberg selbst macht 1,2 Milliarden Dollar. Keiner fuhr seinen Anteil auf null. Investoren zocken gerne. Und Facebook, das war ihnen klar, ist eine Zocker-Aktie.

Wie weit der Absturz noch geht, wird sich nun zeigen. Facebooks Designchef, Ben Blumenfeld, gab seine persönliche Antwort darauf schon Ende vergangener Woche. Er kündigte. Es war die siebte Kündigung eines Top-Managers seit Facebooks Börsengang.

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