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Streiks auch am Freitag : Weiterhin kein frisches Bargeld

  • -Aktualisiert am

Demonstranten aus der Geld - und Werttransportbranche stehen vor der dem Gebäude im dem die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter über neue Tarife verhandeln. Bild: dpa

Auch am Freitag will die Geld- und Wertbranche ihre Arbeit niederlegen. Die Auswirkungen bleiben überschaubar – doch der Zweig hat große strukturelle Schwierigkeiten, wie ein Beispiel aus den Niederlanden zeigt.

          Viele Einzelhandelsgeschäfte und Geldautomaten bekommen auch am Freitag kein frisches Bargeld. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat in Bundesländern wie Bayern, Berlin und Brandenburg abermals zu Streiks der Geld- und Wertbranche aufgerufen. Ob auch in anderen Bundesländern weiter gestreikt wird, stand bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht fest. So oder so soll der Streik am Samstag beendet werden.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Auswirkungen in dem Zeitraum blieben überschaubar. Einzelne Geldautomaten waren außer Betrieb oder boten bestimmte Stückelungen nicht mehr an. Beim Einzelhandel gab es kaum Auswirkungen, hieß es vom Handelsverband Deutschland. Die Geschäfte hätten sich vorher mit genügend Wechselgeld eingedeckt. Falls die Warnstreiks großflächig auch in die nächste Woche ausgedehnt werden sollten, könnte es aber zu Engpässen kommen, hieß es. Hintergrund ist die Forderung von Verdi, den Stundenlohn um 1,50 Euro zu erhöhen – bei einer Laufzeit von zwei Jahren sowie der Angleichung der Gehälter in den neuen Bundesländern. Die Arbeitgeber halten die Forderungen für nicht umsetzbar. Die Verhandlungen werden am Freitag fortgesetzt.

          Die Branche hat schon heute eine große strukturelle Schwierigkeit: den abnehmenden Bargeldverkehr. Die Folge davon zeigt sich gerade in den Niederlanden, wo Kunden in den Geschäften immer häufiger per Karte bezahlen und der größte Anbieter des Landes, Securcash, inzwischen Insolvenz angemeldet hat. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft des amerikanischen Geldautomatenbauers und Dienstleisters Diebold Nixdorf, in welchem die deutsche Wincor Nixdorf aufgegangen ist. Wincor Nixdorf hatte im Jahr 2015 den Konkurrenten Brink’s Niederlande gekauft und mit der eigenen Tochtergesellschaft Securcash in Rotterdam verschmolzen.

          Im Jahr 2017 kündigte Securcash schon an, jede dritte Stelle zu streichen. Das Unternehmen fuhr am Mittwoch keine Geschäfte mehr an. Betroffen ist momentan der Geldverkehr von und zu den Läden; die Versorgung der Geldautomaten ist in einem anderen Geschäftszweig außerhalb der Insolvenz untergebracht. Nach Informationen der Zeitung „De Telegraaf“, die als erste über die Insolvenz berichtete, hatte sich die Zentralbank – De Nederlandsche Bank (DNB) – aber vor Weihnachten ernste Sorgen gemacht wegen eines möglichen Ansturms auf Geldautomaten über die Feiertage. Deswegen habe sie alle, die von den Schwierigkeiten Securcashs wussten, zum Schweigen angehalten.

          Die Insolvenzverwalter prüfen, ob das Unternehmen zu retten ist. Es habe finanzielle Unterstützung bekommen, um den Betrieb für die ersten vier Wochen des Jahres wieder aufzunehmen, teilte Securcash auf seiner Website mit. Der Konkurrent RCCS ist zusammen mit einem anderen Wettbewerber von der DNB gebeten worden, dann bestimmte Geldtransporte von Securcash zu übernehmen, ebenso die Gesellschaft G4S. So ist es auf einer Plattform nachzulesen, auf welcher sich Kunden an die Geldtransportunternehmen richten können.

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