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Jeder Zweite fällt durch : Die Sprachkurse für Flüchtlinge sollen besser werden

Deutschkurs für Flüchtlinge in Mecklenburg-Vorpommern Bild: dpa

Nur wer gut Deutsch spricht, findet Arbeit. Doch nur jeder zweite Flüchtling erreicht das für Hilfsarbeiten nötige Niveau. Die Länderminister wollen das ändern.

          2 Min.

          Ohne Sprache ist alles nichts, das war schnell klar, als vor mehr als dreieinhalb Jahren hunderttausende Flüchtlinge ins Land kamen. Nur wer gut Deutsch spricht, findet Arbeit, nur wer Arbeit hat, kann sich gut integrieren – so lautete landauf, landab die Devise. Gemessen daran gelten die Ergebnisse der Sprachtests, die Zuwanderer mit guter Bleibeperspektive am Ende eines etwa sechsmonatigen Integrationskurses absolvieren, allerdings als enttäuschend: Nur jeder Zweite erreichte laut den Statistiken des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres das Sprachniveau B1, das als Voraussetzung für einfache Arbeiten etwa als Reinigungskraft oder als Küchenhilfe gilt. Im Jahr zuvor sah es nicht viel besser aus.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Integrationsminister der Länder forderten nun bei einem Treffen am Freitag in Berlin, die Qualität der Sprachkurse müsse steigen. Zu viele Teilnehmer brächen den Unterricht ab oder scheiterten in der Prüfung. Nötig seien eine bessere Abstimmung unterschiedlicher Angebote von Bund, Ländern und Kommunen sowie einheitliche Qualitätsstandards, sagte die Vorsitzende der Integrationsministerkonferenz, Berlins Ressortchefin Elke Breitenbach (Linke). Die Kurse sollten auch neu strukturiert und in Modulen aufgebaut sein, forderten die Minister. Zudem sollten mehr Stunden für bildungsfernere Migranten angeboten werden.

          Es ist nicht das erste Mal, dass Kritik an den Sprachkursen laut wird. Schon im Herbst hatte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Annette Widmann-Mauz (CDU) einen Sieben-Punkte-Plan vorgelegt, mit dem die Qualität der Angebote gesteigert werden sollte. Dazu zählten finanzielle Anreize für Kursanbieter und Lehrkräfte, damit ausreichend Alphabetisierungskurse angeboten werden.

          Widmann-Mauz forderte aber auch, die Kurse müssten stärker auf die verschiedenen Zielgruppen zugeschnitten werden. Ein Arzt aus Syrien hätte andere Voraussetzungen als ein junger Mann ohne Ausbildung aus Somalia, sagte sie damals.

          Bamf verteidigt sich

          Auch Leiter von Volkshochschulen und freien Bildungsträgern berichten, dass die Ziele für manche Teilnehmer zu hoch gesteckt seien. Vor allem Frauen, aber nicht nur ihnen, fehle es oft an Erfahrung mit dem Lernen von Grammatik oder Vokabeln. Viele Flüchtlinge seien zudem traumatisiert. Mitarbeiter der Arbeitsagenturen haben ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass es lange dauert, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen. Denn selbst für Helfertätigkeiten erwarten Unternehmen oft gute Sprachkenntnisse.

          Das Bamf teilte auf Anfrage mit, es biete schon jetzt ein ausdifferenziertes Kurssystem an mit Angeboten speziell für Frauen, Jugendliche oder Analphabeten. Auch würden die Kurse kontinuierlich weiterentwickelt und Lehrkräfte beispielsweise im Umgang mit traumatisierten Menschen geschult. Ein Sprecher verwies zudem darauf, dass immerhin 86 Prozent der Teilnehmer, zu denen neben Flüchtlingen etwa auch EU-Zuwanderer oder Spätaussiedler zählen, mindestens das Niveau A2 erreichen, also die Stufe unter dem B1-Niveau.

          Deutlich schlechter sieht die Bilanz der Alphabetisierungskurse aus, an denen sowohl Menschen teilnehmen, die die lateinische Schrift nicht beherrschen, als auch solche, die auch in ihrer Heimatsprache nicht Lesen und Schreiben können. Von ihnen erreichen nach 1200 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten lediglich etwa 17 Prozent das Sprachniveau B1. Dem Bamf zufolge gilt für diese Zielgruppe allerdings ohnehin lediglich das Niveau A2 als realistisch. Es wird von immerhin gut 44 Prozent erreicht.

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