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Schärfung des Kartellrechts : Die sieben Gefahren für die Wettbewerbsordnung

  • -Aktualisiert am

Gefährliche Konkurrenz für Deutschland? Chinesische Hafenarbeiter in Qingdao Bild: AFP

Wir können die Konzentration wirtschaftlicher Macht verhindern und die Chancen für Wohlstand verbessern. Dabei stellt sich aber die grundsätzliche Frage: Dient der Wettbewerb in einer Marktwirtschaft wirklich den Menschen? Ein Gastbeitrag.

          9 Min.

          Die Wettbewerbsordnung steht im Zuge der digitalen und ökologischen Transformationsprozesse in Deutschland vor großen Herausforderungen. Dabei geht es etwa mit Blick auf die geballte Macht der Big-Tech-Unternehmen nicht nur um die Steigerung der volkswirtschaftlichen Wohlfahrt. Ganz im Sinne Franz Böhms, eines der Väter des deutschen Kartellrechts der Nachkriegszeit, geht es auch um den Wettbewerb „als genialstes Entmachtungsinstrument der Geschichte“. Die Wettbewerbsordnung war seit dieser Zeit äußerst erfolgreich in der Bekämpfung von Kartellen und Monopolen. Dies belegt nicht zuletzt die Konzentrationsberichterstattung der Monopolkommission. Schaut man auf die Unternehmenskonzentration, schrumpfte der Anteil der 100 größten Unternehmen an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung von 1978 bis 2020 von 19,4 auf 14 Prozent. Personelle Verflechtungen auf der Ebene der Unternehmensleitungen gingen noch drastischer zurück, um fast 90 Prozent seit den Hochzeiten der „Deutschland AG“.

          Diese Erfolge sind nicht zu unterschätzen. Das zeigt ein Blick über den Atlantik. In den USA kämpfen die Kartellbehörden mit viel stärkeren Konzentrationsverhältnissen. Diese korrelieren mit erheblichen Preisaufschlägen, die den Schaden für die Verbraucher verdeutlichen. Preisaufschläge, also die Differenz zwischen ökonomischen Produktionskosten und Marktpreisen, steigen in Deutschland nur in einzelnen, hoch konzentrierten Branchen. Die Mineralölverarbeitung gehört dazu. In anderen Sektoren wie dem Dienstleistungsbereich beobachten wir dagegen sinkende Margen.

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