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Schweizer Gold-Referendum : Der Goldpopulist

Der rechtskonservative Luzi Stamm will Gold in den Schweizer Bergen einlagern Bild: Reuters

Luzi Stamm kämpft von rechts außen für einen milliardenschweren Goldeinkauf der Schweiz. Obwohl Fachleute das für eine Schnapsidee halten, trifft er einen Nerv in der Eidgenossenschaft.

          Keine Frage, Luzi Stamm ist eine Frohnatur. Die Fotos, die der altgediente Schweizer Politiker von sich ins Netz gestellt hat, zeigen ihn mit einem breiten Lächeln im Gesicht. Auf seiner Homepage findet sich sogar die Rubrik „Spaß und Unterhaltung“. Dort zeigt der 62 Jahre alte Parlamentarier unter anderem einen Kartentrick.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Der schlanke Mann, der sich offen dazu bekennt, dass er seine Halbglatze mit einem angeklebten Haarteil bedeckt, ist auch außerhalb der virtuellen Welt ein fröhlicher und zugänglicher Typ. Selbst Personen, die Luzi Stamms politische Ansichten nicht teilen, beschreiben ihn als sympathisch und gewinnend. Gleichgültig wie abwegig und kritikwürdig so manche Position dieses Rechtspopulisten sein mag: Er ist kein tumber Polterer. Und genau das macht ihn so gefährlich.

          Spekulanten spenden für die Kampagne

          Der Rechtsanwalt und Vater von drei Kindern, der für die nationalkonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) im Parlament im Bern sitzt, hat die sogenannte Goldinitiative ins Rollen gebracht. Unter der plakativen Überschrift „Rettet unserer Schweizer Gold“ wollen die Initianten die Schweizerische Nationalbank (SNB) dazu zwingen, künftig 20 Prozent der Vermögenswerte in der Bilanz in Gold vorzuhalten.

          Ferner soll die SNB das Gold nie mehr verkaufen dürfen und vollständig in der Schweiz lagern. Gegen diese Initiative, über die die Schweizer an diesem Sonntag abstimmen, läuft nicht nur der Nationalbankpräsident Thomas Jordan Sturm. Auch viele Ökonomen halten das Ganze für eine Schnapsidee: Die SNB müsste für 70 Milliarden Franken Gold kaufen und nähme ein beträchtliches Klumpenrisiko in die Bilanz. Dies sowie die verordnete Unverkäuflichkeit des Edelmetalls würde die Handlungsfähigkeit der Notenbank stark einschränken.

          Trotzdem lagen die Befürworter der Goldinitiative in den ersten Umfragen vorn. Daran hat Luzi Stamm, der zu den bekanntesten Politikern in der Schweiz zählt, einen hohen Anteil. Mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer für Gold als Garant für den Wohlstand und die Unabhängigkeit der Schweiz, trifft er emotional ins Herz vieler Eidgenossen, die dem wachsenden Anpassungsdruck der EU argwöhnisch gegenüber stehen und in der Goldoffensive einen Fingerzeig für mehr Autonomie und Sicherheit sehen.

          Inzwischen hat sich die Stimmung jedoch gedreht: In der jüngsten Umfrage haben die Gegner die Nase vorn. Luzi Stamm hat dafür eine einfache Erklärung: „Die Propaganda der Neinsager hat in den vergangenen Wochen stark zugenommen.“ Die Warnungen des Nationalbankpräsidenten Jordan, den er mehrmals für ein vertrauliches Gespräch getroffen hat, kann er nicht nachvollziehen: „Warum soll denn die Nationalbank ihre Handlungsfähigkeit verlieren? Sie kann doch jederzeit Geld drucken.“

          Etwas mehr als eine Million Franken hat die Initiative von Unterstützern eingesammelt, um ihre Kampagne zu finanzieren, sagt Stamm. Die Identität der Spender gibt er nicht preis. Angeblich, so wurde es kolportiert, gehören auch Goldspekulanten dazu, die von einem Großeinkauf der SNB profitieren würden.

          Luzi Stamm steht für Rechtsruck

          So sehr die Schweizer in direkter Demokratie geübt sind. Die Goldinitiative fällt aus dem Rahmen. Das passt zum bisherigen Lebenslauf des Luzi Stamm, der nur allzu gerne gegen den Strich bürstet, mit seinen Querschlägen aber zuweilen über das Ziel hinaus schießt. Stamm war früher ein überzeugter Freisinniger, also Mitglied der FDP.

          Doch als die Liberalen die Schweiz in den neunziger Jahren nach Europa hin öffnen wollten, lief er in das Lager der SVP über. Dort fand er mit Christoph Blocher einen Gleichgesinnten, den Stamm wegen dessen erfolgreichen Kampfs gegen einen EU-Beitritt bis heute sehr bewundert. Der Aargauer gehört zwar nicht zum ganz engen Machtzirkel der SVP, aber er war immer ein loyaler Parteigänger, der den Rechtsruck im bürgerlichen Lager mitgetragen und befördert hat.

          Die umstrittene SVP-Initiative zur Begrenzung der „Masseneinwanderung“, die im Februar überraschend eine knappe Mehrheit beim Volk fand, hat der Jurist stark unterstützt. Der Initiativtext trägt seine Handschrift. Im Geiste wird er wohl auch die Ecopop-Initiative gutheißen, über die ebenfalls am Sonntag abgestimmt wird und die noch schärfere Zuwanderungsgrenzen setzt. Bei der Abstimmung im Parlament, das Ecopop mit überwältigender Mehrheit abgelehnt hat, hat er sich enthalten.

          Und wie geht die Abstimmung über die Goldinitiative am Sonntag aus? Luzi Stamm antwortet, ohne zu zögern: „Ich habe keine Ahnung.“

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