https://www.faz.net/-gqe-9bbrs

Börsen-Kommentar : Die Schwarzseher müssen weiter warten

Die Weltwirtschaft wächst wohl robust genug, um einen Zollstreit auszuhalten: Es gibt Gründe dafür, dass die Finanzmärkte ruhig sind in dieser Zeit.

          1 Min.

          Es ist möglich, wenn auch nicht zwingend, dass aus den Streitigkeiten um Zölle, in die nahezu alle wichtigen Länder verwickelt sind, ein veritabler Handelskrieg entsteht. Es ist möglich, wenn auch nicht zwingend, dass in naher Zukunft in Berlin die Regierungskoalition über der Asylpolitik zerbricht, mit schwer vorhersehbaren Folgen nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa.

          Unruhe kennzeichnet in diesen Tagen die politische Lage in der Welt. Ruhe dagegen kennzeichnet in diesen Tagen die Lage an den Finanzmärkten der Welt. Vor rund zwei Wochen, mit der Bildung der neuen Regierung in Rom, wollte es kurzzeitig scheinen, als kehrten an den europäischen Anleihemärkten Spannungen zurück, wie sie zuletzt während der Euro-Krise vor sechs Jahren beobachtet werden konnten. Aber nach einigen beruhigenden Signalen aus der italienischen Hauptstadt fand die Aufgeregtheit im Anleihehandel ein schnelles Ende.

          EZB-Käufe und Italien

          Die Finanzmärkte als ruhender Pol in einer unruhigen Welt, das erscheint auf den ersten Blick wie eine Wahrnehmung aus einer anderen Welt. Stehen denn viele Teilnehmer an den Finanzmärkten nicht im Ruf, eher von Gefühlen und Stimmungen als von harten Fakten getrieben zu sein?

          Für die Ruhe an den Finanzmärkten gibt es Gründe. Das Wachstum der Weltwirtschaft erscheint ausreichend robust, um einen Zollstreit auszuhalten, solange er nicht aus dem Ruder gerät. Auch wenn derzeit die Inflationsraten auf beiden Seiten des Atlantiks etwas zunehmen, gilt eine kräftige Beschleunigung der Geldentwertung als unwahrscheinlich. Italien hat wirtschaftliche Schwierigkeiten, steht aber nicht vor dem Bankrott und wird an den Finanzmärkten nicht als Quelle einer großen Krise gesehen, solange die Regierung nicht an der Mitgliedschaft in der Währungsunion rüttelt.

          Als die EZB vor gut drei Jahren mit ihrem Anleihekaufprogramm begann, äußerten Schwarzseher, die EZB werde dieses Programm nicht mehr beenden können, weil dann die römischen Staatsfinanzen kollabierten. Am vergangenen Donnerstag kündigte die EZB das Ende ihrer Anleihekäufe an. Die Reaktion des Marktes bestand in sinkenden, nicht in steigenden Renditen für italienische Staatsanleihen.

          Diese Ruhe muss nicht ewig währen. Als potentieller Unruheherd gilt in manchen Finanzhäusern Amerika, wenn dort der fast zehnjährige Konjunkturaufschwung ein Ende finden sollte. Alles hat ein Ende, aber in den aktuellen Daten sind keine Anzeichen für eine Rezession erkennbar. Die Schwarzseher müssen weiter warten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Angela Merkel mit Markus Söder und Michael Müller (im Vordergrund)

          Neue Corona-Beschlüsse : Der zweite Lockdown, der keiner ist

          Dieses Mal folgen die Länder dem harten Kurs der Kanzlerin. Auch wer das ablehnt, kann nicht wollen, was ohne Beschränkungen droht: ein Kontrollverlust, der über das Gesundheitswesen hinausgeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.