https://www.faz.net/-gqe-9s5e7

Deutscher Banker : Die Rückkehr des Marcus Schenck

  • -Aktualisiert am

Marcus Schenck Bild: Bloomberg

Der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Schenck eröffnet für die angelsächsische Investmentbank Perella einen Standort. In München.

          2 Min.

          Verlässt Weltmeister Thomas Müller den FC Bayern? Oder bleibt er? Nichts Genaues weiß man nicht. Marcus Schenck, der ehemalige Deutsch-Bank-Vorstand und leidenschaftliche FC Bayern-Fan, hofft jedenfalls, dass der Stürmer bleibt.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sicher ist: Er selbst, Schenck, 1965 im Allgäu geboren, ist jetzt Münchner, beruflich wie privat. „Zum 1. Dezember eröffnen wir ein kleines Büro in München, mitten in Schwabing“, sagt er. „Wir“ heißt in diesem Fall die Investmentbank „Perella Weinberg“, Schencks neuer Arbeitgeber.

          Zuletzt hatte er seinen Schreibtisch in London, wohin er aus Düsseldorf gependelt ist. Jetzt werden Sitz von Familie und Arbeit zusammengeführt: „Im Sommer sind wir nach München umgezogen, damit unsere drei Jungs das Schuljahr in Bayern beginnen können“, erzählt Schenck.

          Nachdem klar war, dass nicht er, sondern Christian Sewing zum Vorstandschef der Deutschen Bank befördert wird, hat er vor anderthalb Jahren seine Sachen in Frankfurt gepackt, hat sich einen Sommer mit der Familie an der Côte d’Azur gegönnt und sich dann der Investmentbank Perella Weinberg angeschlossen. In diesem Metier kennt er sich aus – McKinsey, Goldman Sachs, Eon waren die vorherigen Stationen Schencks.

          „München ist attraktiver“

          Für Perella Weinberg ist München der erste Standort in Deutschland, an den großen Deals hierzulande haben die Banker bisher aus London heraus gearbeitet. Bei der Linde/Praxair-Fusion waren sie dabei, auch bei der Neuformierung der Energiebranche mit den diversen Aktivitäten zwischen Eon/RWE/Innogy. „Natürlich wollen wir Marktanteile in Deutschland erobern“, sagt Schenck nun, „die kleineren, unabhängigen Investmentbanken gewinnen allgemein zunehmend an Bedeutung.“

          Warum aber eröffnet er seine Niederlassung in München und nicht in der Bankenstadt Frankfurt? „München hat mehr Potential an Klienten, die meisten Dax-Konzerne sitzen hier, aber auch sehr viele Start-Ups, in der Szene reicht München bald an Berlin heran“, sagt Schenck.

          Außerdem nicht zu vergessen: „München ist attraktiver, um junge Talente anzuwerben.“ Das verschaffe ihm ein „Alleinstellungsmerkmal im Recruiting-Markt“, erklärt der Banker. „Wir kommen mit einer kleinen Mannschaft aus London nach München, dazu stellen wir hier neue Leute ein.“

          Zehn bis 15 Angestellte sollen demnächst von dort aus für die Investmentbank arbeiten. Deutschland ist für sie einer der drei wichtigsten europäischen Märkte, neben Großbritannien und Frankreich.

          Der Brexit spiele in den Überlegungen keine Rolle, „da wir keine regulierte Bank sind“. Das weltwirtschaftliche Umfeld für den Start in Bayern ist freilich beschwerlich, aus Sicht von Investmentbankern. Für Börsengänge (IPO) sieht Schenck gegenwärtig keine Kandidaten, die dieses Jahr noch aufs Parkett drängen. An Übernahmen und Fusionen werde im Stillen gearbeitet, „die Unternehmen sind aber vorsichtiger geworden, die Nervosität in den Konzernen steigt“ – auch wenn zur Finanzierung ausreichend Mittel zur Verfügung stehen.

          Manche Dinge aber sind auch mit viel Geld nicht zu regeln, so viel hat Fußball-Fan Schenck in München schon gelernt. So ist es ihm noch nicht gelungen, eine Jahreskarte für die Heimspiele des FC Bayern zu ergattern. Die Warteliste dafür ist lang.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abwärtstrend der Union : Die verlorene Heimat

          Für viele in der Union war Schwarz-Grün mal eine moderne Idee. Jetzt wächst die Angst, dass die Grünen übermächtig werden – und sie selbst als Juniorpartner enden.
          Ein gepanzerter Polizeiwagen versucht in der Nacht eine Barrikade zu durchbrechen und wird von den Protestlern an der Polytechnischen Universität in Brand gesteckt.

          Krise in Hongkong : Unter Belagerung

          Hunderte Hongkonger Aktivisten harren auf dem Campus der Polytechnischen Universität aus. Die Polizei hat das Gelände umstellt – und droht mit dem Einsatz scharfer Munition.

          DFB-Team vor EM 2020 : Der Zauber lässt sich nicht zurückholen

          Vor der EM 2020 sollen bei der DFB-Elf die Kräfte von 2010 reanimiert werden. Die Analogie liegt auf der Hand. Wie damals wurde die Auswahl verjüngt, Hierarchien wurden aufgebrochen. Doch so leicht ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.