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Neuauflagen alter Konsolen : Die Retro-Revolution

  • -Aktualisiert am

Spieleklassiker wie Pong sind heute wieder aktuell. Bild: Reuters

Eine regelrechte Retrokonsolen-Welle ist über den Spielemarkt hereingebrochen. Nintendo, Sega, Sony und andere legen ihre alten Konsolen neu auf. Ein Ende ist nicht in Sicht.

          3 Min.

          „Super Mario Brothers“ auf Nintendos Entertainment System, „Pirates“ auf dem Commodore 64 oder „Sonic the Hedgehog“ auf Segas Mega Drive. Kommt Ihnen aus der Kindheit bekannt vor? Das ist kein Wunder, denn die Spiele und vor allem die Konsolen dahinter sind absolute Klassiker. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass einige Unternehmen die angestaubten Konsolen wiederentdecken und anfangen, Neuauflagen zu entwickeln – mit riesigem Erfolg!

          Den Anfang zu diesem Boom machte der japanische Videospielhersteller Nintendo. Nintendos Neuauflage des über 30 Jahre alten Nintendo Entertainment System (NES) kam 2016 recht überraschend auf den Markt. Und war beinahe sofort ausverkauft. Die Japaner kamen mit der Lieferung der Konsolenklassiker nicht mehr hinterher. Viele neu gekaufte Konsolen wurden für ein Vielfaches des Originalpreises weiterveräußert. Überrascht vom Erfolg nahm der Videospielkonzern die Retro-Konsole aber wieder in die Produktion auf. Und werkelten an einem neuen Verkaufsschlager: Der Nachfolger des NES, das Super Nintendo Entertainment System (SNES), sollte ebenfalls als Retro-Neuauflage auf den Markt kommen. Auch auch dieser verkaufte sich blendend.

          Die Verkaufszahlen des Super Nintendo Entertainment Systems sind bis heute bemerkenswert: Nach Zahlen von Nintendo setzte das Unternehmen bisher weltweit 5,28 Millionen Einheiten des SNES ab. Zum Vergleich: Nintendos neueste Konsole, die Nintendo Switch, kam bisher auf mehr als 15 Millionen Verkäufe. Somit erzielt die knapp 30 Jahre alte Spielekonsole ein Drittel der Verkaufszahlen der modernen Konsole. Dabei bewegen sich die Preise des SNES heute noch immer im Bereich von 80 Euro. Neuauflagen von alten Konsolen haben sich bei Nintendo vom Nebenprodukt zum ernst zu nehmenden Geschäftsteil gemausert.

          Rettet eine Retro-Konsole Atari?

          Das haben auch Nintendos Konkurrenten registriert, eine regelrechte Retrokonsolen-Welle ist über den Markt hereingebrochen. Von Klassikern wie dem Commodore 64 über Sega's Konsole Mega Drive bis hin zur neuesten Ankündigung, einer Neuauflage von Sony's Erfolgskonsole Playstation. Fortwährend werden neue Retro-Konsolen angekündigt. Jeder möchte am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben.

          Sogar eine neue Konsole könnte der Retro-Boom hervorbringen: Das Unternehmen Atari, zuletzt durch Insolvenz und großen Stellenabbau gebeutelt, versucht mit einer „neuen alten Konsole“ auf die Retro-Welle aufzuspringen. Mit der Atari VCS will das Unternehmen eine Konsole herausbringen, die hauptsächlich auf alten Atari-Spieleklassikern und aktuellen Nischenspielen aufbaut. Die Crowdfunding-Kampagne auf „Indiegogo“, die mit viel Nostalgie-Gefühl auftrumpft, hat statt der angepeilten 100.000 Dollar drei Millionen Dollar eingesammelt. Unter anderem das Retro-Design der Konsole verfing bei vielen Videspielfans.

          Hersteller knausern bei der Ausstattung

          Die alten Konsolen einfach zu kaufen, ist übrigens selten eine Alternative. Denn wer die originalen Konsolen kaufen möchte, der muss meist tief in die Tasche greifen: Manche Konsolen und ihre Spiele sind zu Raritäten geworden und entsprechend teuer. Dazu kommt, dass viele der alten Konsolen mit den heutigen Fernsehern nicht mehr kompatibel sind. Und die Lust, für ein paar Stunden Spielspaß einen alten Röhrenfernseher zu besorgen, bringen die wenigsten auf. Wenn Nintendo und Co. die dafür nötigen Kabel gleich mitliefern, ist das für die Kunden deutlich bequemer.

          Dabei bedeuten die Retro-Konsolen für die Spiele-Industrie keinen großen Aufwand: Hinter den kleinen Gehäusen befindet sich ein einfacher Computer, der die technisch längst veralteten Spieletitel mühelos darstellen kann. Mit etwas Plastik und einem realitätsgetreuen Anstrich werden daraus die ikonischen Spielekonsolen von damals. Ein lohnendes Geschäft für die Industrie.

          Trotzdem versucht sie zu sparen: Bei der Neuauflage von Nintendos NES gerieten die Kabel der Controller sehr kurz – die 75 Zentimeter Länge reichten oftmals nicht vom Fernseher bis zum Sofa. Wem das zu unpraktisch war, der musste Zusatzkabel erwerben. Zudem umfasste die Spielebibliothek der NES-Neuauflage lediglich 30 Spiele. Für einige Fans deutlich zu wenig, zumal weitere Spiele nicht angeboten wurden. Wessen Lieblingstitel sich in der Liste nicht befindet, der hat Pech gehabt.

          Bei der Neuauflage des SNES knauserte Nintendo noch mehr: Lediglich 21 Spiele veröffentlichte Nintendo mit der Konsole. Zum Vergleich: Auf dem ursprünglichen System waren es deutlich mehr als 700 Spieletitel gewesen. Zwar wurde nach einiger Zeit ein Konsolenhack veröffentlicht, der weitere Spiele hinzufügen ließ. Auf legalem Weg aber blieb die Spielesammlung bis heute stark limitiert.

          Dem anhaltenden Retro-Trend scheinen diese Probleme allerdings kaum zu schaden. Ein Ende der Konsolen-Neuauflagen ist momentan nicht in Sicht. Zuletzt verdichteten sich die Gerüchte um eine neue Retro-Konsole von Nintendo: Die Nintendo-64-Konsole aus den neunziger Jahren soll ebenfalls neu aufgelegt werden.

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