https://www.faz.net/-gqe-9dtdg

Bundesregierung : Der Türkei helfen, aber ohne Geld?

  • Aktualisiert am

Die türkische und die deutsche Fahne wehen vor dem Bundeskanzleramt. Bild: dpa

Die Türkei steckt tief in einer Währungskrise. Die Bundesregierung will das Land – auch aus Eigeninteresse – offenbar unterstützen, ohne dabei jedoch finanzielle Direkthilfe zu leisten.

          Die wirtschaftliche Lage der Türkei bereitet der deutschen Bundesregierung zunehmend Sorge. Nachdem die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles schon in der vergangenen Woche Hilfen für das Land am Bosporus ins Gespräch gebracht hatte, prüft die Regierung nun offenbar, wie sie der Türkei auch ohne Finanznothilfen unter die Arme greifen kann.

          Unter Berufung auf einen Insider berichtet „Bloomberg“, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mehrere Ministerien damit beauftragt hat, entsprechende Vorschläge zu erarbeiten. Unter anderem seien Exportgarantien für deutsche Unternehmen im Gespräch. Dem Insider zufolge finden die Überlegungen hinter verschlossenen Türen statt und haben noch zu keinem Ergebnis geführt. Auch das „Wall Street Journal“ hatte darüber berichtet.

          Für Hilfen finanzieller Art solle sich die Türkei nach Wunsch Berlins an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wenden, teilten zwei weitere Regierungsmitglieder mit. Solch einen Schritt hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan jedoch ausgeschlossen. Deshalb müssten sich europäische Länder darauf vorbereiten, im Notfall einzuspringen – jedoch nicht ohne Bedingungen festzusetzen, sagten sie weiter. Das Bundesfinanzministerium wollte den Bericht auf Anfrage von FAZ.NET zum derzeitigen Stand nicht kommentieren.  

          Zunächst keine Hilfen geplant

          Die Türkei ist ein wichtiger Partner für Deutschland. Nicht nur leben mehrere Millionen türkisch-stämmige Menschen in der Bundesrepublik; auch die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder sind eng. Die Türkei rangiert auf Platz 16 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, mit jährlichen Exporten in Höhe von knapp 21 Milliarden Euro, sowie Importen in Höhe von knapp 16 Milliarden Euro. Und ein weiterer Aspekt dürfte Merkel und der Bundesregierung angesichts der Tumulte in der Türkei auf den Magen schlagen: Deutschland ist von der Bereitschaft des Landes abhängig, syrische Flüchtlinge aufzunehmen und an einer Weiterreise nach Europa zu hindern. Eine Wirtschaftskrise könnte diese Vereinbarung gefährden.

          Die Bundesregierung hatte zunächst sehr zurückhaltend auf den Vorschlag von SPD-Chefin Andrea Nahles zu wirtschaftlicher Hilfe für die Türkei reagiert. Die Frage deutscher Hilfen „stellt sich für die Bundesregierung aktuell nicht“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert vergangene Woche in Berlin. Grundsätzlich sei aber die Bundesregierung an einer wirtschaftlich stabilen Türkei interessiert.

          Seibert wies darauf hin, dass Kanzlerin Angela Merkel und der türkische Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in ihrem Telefonat in der vergangenen Woche verabredet hatten, dass die Finanz- und Wirtschaftsminister beider Seiten am 21. September den Besuch Erdogans Ende September vorbereiten sollen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wird er der nächste Tory-Vorsitzende? Boris Johnson bei einem Fototermin in einer Baumschule

          Wahl zum Tory-Parteichef : „Boris gewinnt ja sowieso“

          Die 160.000 Mitglieder der Konservativen Partei wählen gerade den nächsten britischen Premierminister. Sie sind alt, melancholisch und ein bisschen rebellisch – und sehnen sich nach der guten alten Zeit.
          Von ihren Soldaten hat sie sich verabschiedet. Was folgt für Ursula von der Leyen (CDU)?

          FAZ Plus Artikel: Ursula von der Leyen : Wenn Weber es kann

          Ursula von der Leyens Rücktritt ist ein geschickter Zug. Doch wird es für sie reichen? Die SPD erweist sich weiter als führungs- und orientierungslos.
          Roger Federer nach seiner Niederlage am Sonntag in Wimbledon

          Tennis-Ikone : Wie Roger Federer zum erfolgreichen Unternehmer wurde

          Roger Federer zählt zu den Spitzenverdienern in der Welt. Daran ändert auch die Niederlage in Wimbledon nichts: Denn so erfolgreich wie auf dem Platz ist der Schweizer auch in geschäftlichen Dingen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.