https://www.faz.net/-gqe-t41j

Die Rating-Agenturen : Sie sagen ihre Meinung - und schaffen Fakten

  • Aktualisiert am

Bild: Bengt Fosshag

Rating-Agenturen sollen überwachen und Krisen frühzeitig erkennen. Ihre Kritiker werfen ihnen vor, dass sie dazu nicht taugen und Krisen eher noch verschärfen. Die Agenturen selbst sehen das natürlich anders.

          2 Min.

          „Setzen, sechs!“, so lautet die Note, die viele Politiker gern den Rating-Agenturen verpassen würden. Hätten die ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht und die Finanzinstrumente auf den Märkten da draußen korrekt bewertet, wäre uns diese Krise erspart geblieben, das ist die gängige Meinung.

          Das regt Dennis Snower auf, Ökonom und Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW): „Es kann nicht sein, dass Rating-Agenturen, die die Finanzkrise zu einem großen Teil mitzuverantworten haben, weil sie wertlosen Papieren Bestnoten verliehen haben, immer noch so eine herausragende Rolle spielen.“

          Der Hauptvorwurf gegen die Agenturen ist: Sie tragen überhaupt nicht zur Früherkennung bei, sondern haben vielmehr im Endstadium die Krise noch verschärft, indem sie Griechenland herabstuften und damit Panik am Markt auslösten.

          „Weit optimistischer als der Markt“

          Für den Beginn der Krise 2008 räumen die Agenturen sogar Versäumnisse ein: „Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass wir für den Bereich der verbrieften amerikanischen Hypothekendarlehen in den Jahren 2005 bis 2007 selbst nicht mit unseren Ratings zufrieden sind“ sagt Torsten Hinrichs, Deutschland-Chef von Standard & Poor's, „das Problem war aber nur auf diesen Bereich begrenzt.“

          Für den Fall Griechenlands jedenfalls will er die Anschuldigungen nicht gelten lassen, da habe seine Agentur gewarnt: „Wir haben bereits 2004 begonnen, das Rating von Griechenland zurückzustufen, und dann 2009 noch zweimal. Diese Meinungen wurden aber von den Märkten lange Zeit ignoriert.“ Er betont auch, dass S&P die griechischen Anleihen nach wie vor mit BB+ bewertet, das entspreche einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 14 Prozent: „Wir sind also heute weit optimistischer als der Markt. Unsere Ratings haben frühzeitig den Trend angezeigt und die positiven wie negativen Übertreibungen der Märkte nicht widergespiegelt. Und genau so soll es sein.“

          Was leisten Rating-Agenturen überhaupt? Sie sammeln Informationen über die Bonität eines Schuldners, sagt Hinrichs, „und kommentieren die Ausfallwahrscheinlichkeit“. Was sie nicht könnten: „Etwas über die Liquidität aussagen.“

          Gegen strengere Regulierung oder staatliche Aufsicht, wie sie Politiker fordern, haben die Rating-Agenturen angeblich nichts, das sagen sie zumindest selbst. Gegen die Idee, künftig in Regress genommen werden zu können, wehren sie sich aber: „Ratings sind Meinungen über die zukünftige Willigkeit und Fähigkeit eines Schuldners, Kredite zu tilgen. Niemand kann wissen, ob diese Ereignisse so oder anders eintreffen werden“, darauf pocht Hinrichs, „so gesehen, können Ratings zum Zeitpunkt der Entstehung nicht richtig oder falsch sein.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Krankenpfleger, der sich im kroatischen Zagreb um am Coronavirus Erkrankte kümmert.

          Coronavirus : Womöglich erster Fall in Südamerika

          Bisher war Südamerika vom Coronavirus verschont geblieben. Nun scheint sich das Virus aus Italien eingeschlichen zu haben. In Asien steigt die Zahl der Todesopfer. Und auch an den Börsen macht sich die Angst bemerkbar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.