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Ende des „Kaufhaus Österreich“ : Wer Schuhe suchte, bekam Kinderkleidung

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck Bild: dpa

Regional einkaufen geht auch digital. Dass das gar nicht so einfach zu organisieren ist, musste jetzt Österreichs Wirtschaftsministerin erfahren. Ihre „Meta-Plattform“ fürs digitale Shoppen schließt nach nur zwei Monaten.

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          Versprochen hatte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) etwas „vollkommen Neues in Österreich“. Eine „Meta-Plattform“ sollte den heimischen Online-Handel stärken und Regionalität und Digitales verbinden. Die Idee war zwar nicht ganz neu, aber sofort nachvollziehbar: Wer vom Sofa aus shoppt, sollte nicht mehr auf Amazon oder Zalando landen, sondern im „Kaufhaus Österreich“. Wenn nur jeder zehnte Österreicher für 30 Euro weihnachtlichen Blumenschmuck oder eine Winterjacke für 70 Euro bei heimischen Händlern online kaufe, sorge das für 76 Millionen Euro Umsatz und 477 Arbeitsplätze in Österreich, rechnete die Ministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort vor.

          Andreas Mihm
          (ami.), Wirtschaft

          Bis Mitte dieses Jahres sollten „einige Tausend Händler“ an Bord sein. Das machte den Aufruf „Kauf regional, das geht auch digital“ umso verständlicher. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft ging die neue Seite Ende November online – 1000 Händler und 9 Marktplätze waren zu Beginn angekündigt. Händler sollten Angebote bei „kaufhaus-oesterreich.at“ eintragen, Verbraucher in ihrer Region die für sie passenden Angebote finden. 

          Kleine Online-Händler wunderten sich über die Konkurrenz

          Nicht Teil des Plans war indes, dass manche der Anbieter schnurstracks auf Amazon umleiteten oder mit Fehlinformationen glänzten. Schon wenige Stunden nach dem Start klagten Nutzer über die schlechte Funktionalität der Website. Wer etwa nach „Schuhen“ suchte, erzielte Treffer in einem Tischtennis-Shop, einer Bergbauern-Seite oder bekam Kinderbekleidung offeriert. Wer im Umkreis Wiens nach Fahrrädern suchte, fand Angebote aus dem 600 Kilometer entfernten Vorarlberg. Das spießten Zeitungen auf.

          Harald Mahrer, der Präsident der an dem Projekt beteiligten halbstaatlichen Wirtschaftskammer war zwar wenig begeistert, verteidigte die Plattform aber zunächst. Eigentlich habe man nur eine Art Übersichtsregister im Sinn gehabt, um heimische Shops für Online-Einkäufer sichtbarer zu machen. Es gehe nicht um Produkte, sondern um Anbieter. Viele von denen waren schon auf anderen Plattformen unterwegs, die wunderten sich über die unerbetene Konkurrenz vom Staat. Nicht nur die Kunden, auch der von Mahrer erhoffte „wichtige Innovationsimpuls“ blieb aus. 

          Keine zwei Monate später ist nun Schluss. Vor der digitalen „Bühne“, auf der sich Online-Shops ihren Kunden präsentieren sollten, ist der Vorhang gefallen. Die Kammer macht nicht mehr mit, statt ihrer soll die staatliche Förderbank AWS das „virtuelle Kaufhaus“ betreiben. Die Website wird zur Informationsseite für Firmen. Während die Läden im Land nach sechswöchigem Lockdown wieder öffnen, geht das „Kaufhaus Österreich“ für den gemeinen Kunden offline.

          Schramböck sagt, es gehe vor allem darum, Unternehmen beim Einstieg in den E-Commerce zu begleiten. Es sei wichtig gewesen, die Diskussion über Online-Handel in Gang zu setzen. Leider sei der Teil der Plattform, der nur Unternehmen offenstehe, vom „Twitter-Tribunal“ nicht wahrgenommen worden, dabei sei der besonders bedeutend.

          Für den Versuch an einer „Meta-Plattform“ sind mehr als 1 Million Euro Kosten aufgelaufen, für Technik, Betrieb, Werbung, wie das Ministerium mitteilte. Weitere Informationsmaßnahmen seien nicht geplant.

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