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Friedrich Merz am Tag nach seiner Niederlage. Bild: dpa

Christdemokraten im Aufbruch : Wozu braucht die CDU noch Friedrich Merz?

Die Anhänger von Friedrich Merz haben ihren Helden verloren. Doch die Trauer über dessen Niederlage währte nur kurz. Der Wirtschaftsflügel der CDU befindet sich im Aufbruch – und hofft auf Zugeständnisse der neuen Parteichefin.

          Sie haben tatsächlich geredet, vergangene Woche schon, wie angekündigt. Sie wollen sich nochmal treffen, im neuen Jahr dann. Annegret Kramp-Karrenbauer, die Parteivorsitzende der CDU, und Friedrich Merz, der Wirtschaftsanwalt ohne politisches Amt. Das Ziel: Merz soll der Partei „erhalten bleiben“, wie es nun allenthalben heißt, damit Merz nicht schon wieder als schlechter Verlierer dasteht und damit Kramp-Karrenbauer ihre innerparteilichen Kritiker einbinden kann.

          Ralph Bollmann

          Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ergebnisse wurden nicht bekannt, sie sind wohl auch nicht vorhanden, zumal auch Merz’ Rückkehr zu Blackrock noch ungewiss ist. Von Auftritten in den Wahlkämpfen des kommenden Jahres war zuletzt ganz allgemein die Rede und von der Mitarbeit an künftigen Parteiprogrammen, was nicht ohne Pikanterie ist, weil sich Merz in seiner Bewerbungsrede nur eine einzige echte Polemik leistete: Er spottete über den für Kramp-Karrenbauer so wichtigen „Grundsatzprogrammprozess“, den er offenbar als eine Art nutzlose Beschäftigungstherapie betrachtete. Es klang, als sei Programmarbeit nur Kinderkram.

          Frustrierte Merz-Anhänger

          Anderthalb Wochen sind vergangen, seit die Saarländerin mit der knappen Mehrheit von 51,7 Prozent der Delegiertenstimmen über ihren Konkurrenten triumphierte. Von Verrat war damals die Rede, von Manipulation bei Mikrofon und Licht, von zahlreichen Austritten der frustrierten Merz-Anhänger. Gerade bei Vertretern des Wirtschaftsflügels, die neben den Konservativen die größte Begeisterung für den unterlegenen Bewerber hegten, war der Frust zunächst groß.

          Das ist er immer noch, aber inzwischen zeigt sich: Von den vielen Austrittsdrohungen wurden – nach jetzigem Stand – nur wenige realisiert, und was die Personalie betrifft, haben sich zumindest die Mandatsträger schnell umgestellt. Mit Blick auf die vielen Merz-Fans an der Basis beteuern sie zwar, wie wichtig es sei, dass ihr Favorit in der Partei künftig eine bedeutsame Rolle spielt.

          In der Praxis aber weiß niemand so recht, wie das aussehen soll. Für die gerade erst gewählten Führungsgremien hat Merz auf dem Parteitag nicht kandidiert. Und ein Regierungsamt, etwa als Wirtschaftsminister, steht ohnehin nicht zur Debatte: Die Kabinettsposten seien im Moment alle besetzt, lassen Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Angela Merkel intern wissen. Auch bei Merz selbst hält sich die Neigung in Grenzen, noch einmal unter Merkel zu dienen.

          Der Druck ist an diesem Punkt auch nicht besonders groß. Zwar gibt es Basis-Initiativen, etwa von Kommunalpolitikern aus Baden-Württemberg, die ihren Favoriten gern als Minister sähen. Einzelne Unternehmer zetern, Tunnelbohrer Martin Herrenknecht etwa lässt die CDU-Mitgliedschaft ruhen, andere verweisen auf die FDP als verbliebene Hoffnung für das Wirtschaftsbürgertum. „Ich hege die Hoffnung, dass sich Friedrich Merz in einem anderen politischen Amt engagieren wird“, sagt etwa Brun-Hagen Hennerkes, Chef der Stiftung Familienunternehmen.

          „Ich finde es wichtig, dass Friedrich Merz uns erhalten bleibt“

          Innerhalb der CDU selbst können die prominenteren unter den früheren Merkel-Kritikern daran schon aus Karrieregründen kein Interesse haben. „Ich finde es wichtig, dass Friedrich Merz uns erhalten bleibt“, heuchelte etwa Gesundheitsminister Jens Spahn. In Wahrheit dürfte er froh sein, den Konkurrenten los zu sein. Seine eigene Position hat sich durch Merz’ Niederlage erheblich verbessert.

          In der zurückliegenden Woche ist der Prozess der Umorientierung schon weit vorangeschritten. Statt weiter auf einen unterlegenen Kandidaten zu setzen, dessen Einfluss in der Partei überschaubar bleibt, hofft der Wirtschaftsflügel nun vorrangig darauf, seine Ziele mit dem vorhandenen Personal umzusetzen, sprich: mit der bislang wenig geliebten Saarländerin im Parteivorsitz.

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