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Gewichtskontrollen im Gespräch : Die Luftfahrt nimmt die Handgepäck-Sünder ins Visier

Viele Passagiere brauchen zu viele Wannen bei der Handgepäckkontrolle. Bild: dpa

Für die deutsche Luftfahrt war 2018 kein gutes Jahr. Damit sich das 2019 nicht wiederholt, sollen die Handgepäckkontrollen verschärft werden. Zudem werden mehr Fluglotsen benötigt. Doch Brüssel spielt nicht mit.

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          Für den Kontrollaufwand, den ein Reisender am Flughafen verursacht, gilt das Wannenmaß. Damit sind im Branchenjargon die Plastikschalen gemeint, in die Passagiere Beutel, Jacken, Hosentascheninhalte und Laptops legen müssen, um sie dann auf einem Förderband durch einen Kontrollapparat fahren zu lassen. Je mehr Wannen ein Passagier benötigt, desto länger dauert es, bis der nächste an der Reihe ist. Doch die Zahl der Passagiere, die drei oder mehr Wannen für all ihre – als Handgepäck – mitgeschleppten Taschen benötigen, steigt weiter. Dem soll nun entgegengesteuert werden.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach dem Chaosjahr 2018 hat die deutsche Luftfahrt ein riesiges Bündel an Ursachen identifiziert, die ihren Verkehr aus dem Plan brachten. Auch die Passagiere selbst, die sich über Verspätungen und Warteschlangen beklagten, sind demnach zum Teil dafür verantwortlich. „Jeder sollte aufpassen, nicht zu viel Handgepäck mitzunehmen. Es kann sein, dass es bald vor der Sicherheitskontrolle eine separate Handgepäckgewichtskontrolle gibt“, sagte Michael Engel, Geschäftsführer des deutschen Fluggesellschaftenverbands BDF auf der Fachtagung Aviation-Event in Düsseldorf.

          Branchenkreisen zufolge sind für den Flughafen dort Pläne in Arbeit. Ein Flughafensprecher bestätigt: „Es gibt Diskussionen zwischen dem Flughafen und Fluggesellschaften zu dem Thema.“ Allerdings beteuert er, dass der systematische Taschencheck nicht unmittelbar bevorstehe. „Die Gespräche sind am Anfang, es gibt noch nichts Konkretes.“

          Weniger Taschen sparen Zeit

          Das Thema ist heikel. Nahezu alle Fluggesellschaften haben Höchstmaße für Handgepäck festgelegt, das ohne Aufpreis mitgenommen werden darf. Doch deren Einhaltung kontrolliert mancher Beförderer kaum, um keinen Kunden zu vergraulen. Zwar stehen Metallgestelle in Terminals, an denen Taschengrößen geprüft werden können, aber Passagiere eilen daran vorbei. Wird doch nachgemessen, geschieht das meist direkt vor dem Einstieg. Dann ist aber der Mehraufwand an den Sicherheitskontrollen schon entstanden. Der Ausweg wären neue Automaten, die vor den Kontrollen nachmessen, ob ein Handgepäckstück den Vorgaben einer Fluglinie entspricht.

          In der Branche gilt als unbestritten, dass weniger Handgepäck zu schnelleren Abläufen führt. „Wenn Passagiere statt vier nur noch drei Kontrollwannen für ihre Sachen benötigen, sehen wir einen deutlichen Effizienzgewinn“, sagte Winfried Hartmann, Chef des Frankfurter Sicherheitsdienstleisters Frasec, auf der Düsseldorfer Veranstaltung. Weniger Taschen dürften auch dazu führen, dass Reisende in der Flugzeugkabine schneller alles verstauen und Platz nehmen. Doch ebenso erwartbar wäre der Aufschrei, wenn der direkte Weg zum Flugzeug wegen einer wenige Zentimeter zu großen Tasche versperrt bliebe.

          Keine Handgepäckpolizei

          Während Billigflieger wie Ryanair über ihre Regeln wachen, machte für die Deutsche Lufthansa Klaus Froese, verantwortlich für den Betrieb in Frankfurt, am Montag deutlich, dass man sich vorerst nicht den Ärger der Passagiere aufhalsen wolle: „Wir drängen darauf, die Handgepäckregeln einzuhalten. Ich kann mir aber nicht vorstellen, vor dem Einstieg ins Flugzeug nochmal zu kassieren.“ Lufthansa übt sanften Druck aus, weist Kunden deutlicher darauf hin, wie groß und schwer ein Handgepäckstück sein darf und animiert Reisende, Taschen kostenlos am Check-In-Schalter abzugeben.

          Auch der Flughafenkonzern Fraport will nicht zum Buhmann werden. „Wir arbeiten mit den Fluggesellschaften daran, dass Gepäckregeln eingehalten werden, aber wir sind nicht die Handgepäckpolizei“, sagte Bereichsvorstand Pierre Dominique Prümm.

          Vorerst hofft man, dass neue Kontrollspuren, die im Juli fertig werden, für Entlastung sorgen. Testläufe hätten ergeben, dass eine neue Doppelspur in einer Stunde von 500 Passagieren passiert werden könnte, vier alte Anlagen, die dieselbe Fläche benötigten, schafften 320 Reisende, sagte Prümm. Damit wird zwar das Ursprungsziel, den Reisendendurchsatz zu verdoppeln, vorerst nicht erreicht – eine Beschleunigung ist es dennoch.

          EU-Kommission hat sich verkalkuliert

          Derweil hat die deutsche Luftfahrt die erste Belastungsprobe des Jahres ohne große Unregelmäßigkeiten bestanden. Zum Auftakt der Osterferien gab es weder Endloswarteschlangen noch massenhafte Verspätungen. Größere Zeitpuffer der Fluggesellschaften, mehr Personal an Flughäfen und Sicherheitskontrollen verhinderten das. Entwarnung für den Sommer will Robert Schickling, Betriebsgeschäftsführer der Deutschen Flugsicherung (DFS), aber nicht geben. „2019 wird ein sehr schwieriges Jahr“, sagte er.

          Gegen Stau am Himmel lenken die Lotsen der DFS nun an Spitzentagen hunderte Kurzstreckenflüge auf weniger ausgelastete niedrigere Höhen und lassen Flüge besonders ausgelastete Bereiche umfliegen. Ohne diese Schritte würden im Sommer Zeitverluste von im Schnitt knapp sechs Minuten je Flug erwartet, nun sollen es weniger als halb so viele sein.

          Mehr Entlastung sei zunächst nicht möglich. Der DFS fehlten 200 Fluglotsen. Hauptgrund sei, dass die EU-Kommission für die aktuelle fünf Jahre lange Regulierungsphase bis 2019 von zu niedrigen Verkehrsprognosen ausgegangen sei, an denen sich die DFS orientieren müsse. Deutsche Anstöße, von der Fünf-Jahres-Planung abzugehen, seien in Brüssel gescheitert.

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